Ein Besuch auf dem Dorstener Wochenmarkt in Zeiten der Corona-Krise

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Der Wochenmarkt in der Dorstener Altstadt ist normalerweise ein Treffpunkt für viele Menschen. Doch in diesen Tagen ist alles anders. Es gibt viel Verständnis, aber auch nachdenkliche Worte.

Dorsten

, 23.03.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht merklich ruhiger zu auf dem Wochenmarkt in der Altstadt. „Das liegt auch daran, dass die Geschäfte geschlossen sind“, glaubt Kräuter- und Gewürzhändlerin Katharina Dümeland. „Der Samstag ist normalerweise ein Tag, an dem die Menschen Markteinkäufe mit einem Geschäftsbummel verbinden.“

Zwei Drittel der Kunden bleiben weg

Bei Feinkost Darwichi bleiben derzeit „zwei Drittel der Kunden weg“. Während in den Supermärkten viel los ist, ist der Wochenmarkt in der Altstadt vergleichsweise leer. Ein Händler glaubt, dass das auch daran liegt, dass grundsätzlich eher ältere Menschen auf den Markt gehen – und die bleiben im Moment häufig zu Hause.

Wochenmarkt

Keine Blumen und Textilien

Der Wochenmarkt in der Altstadt findet weiterhin jeden Montag, Donnerstag und Samstag statt. Verkauft werden Waren des täglichen Bedarfs, aber keine Blumen oder Textilien mehr.

„Wenn wirklich die Ausgangssperre kommt, verklage ich die Bundesregierung. Ich lasse mir meine Freiheit nicht nehmen!“, versicherte eine Dame am Samstag, die ihren Namen nicht nennen wollte. Händler Peter Süthold beschreibt seine Situation so: „Die verbliebenen Kunden kaufen nur schnell das Notwendige ein. Gespräche gibt es kaum, auch nicht zwischen den Händlern.“

Süthold und seine Kollegen wissen nicht, wie lange sie auf dem Marktplatz in der Altstadt noch stehen dürfen. „Als Betrieb, der von Stadtfesten und Bauernmärkten wirtschaftlich abhängig ist, ist uns nur noch der Wochenmarkt geblieben“, gibt er zu bedenken.

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Morgens ist schon eine Menge los

Bei Obst & Gemüse Cirkel hingegen ist man noch zufrieden. Verkäuferin Simone Hellerberg sagte am Samstag: „Wir können uns zur Zeit noch nicht beklagen, die Kunden kommen weiterhin. Besonders morgens ist es sehr voll am Stand, weil jeder denkt: Wenn ich früh morgens zum Markt gehe, treffe ich keine anderen Menschen.“

Die zunehmende Verbreitung des Coronavirus‘ ist in den Köpfen der meisten Dorstener angekommen: Auch auf dem Wochenmarkt wird Abstand gehalten und die empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen werden beachtet. Einzelne Passanten waren am Samstag sogar mit Mundschutz zu sehen, viele mit Einweghandschuhen. Ein Pärchen desinfizierte sich nach dem Einkauf die Hände.

Auf dem Wochenmarkt in der Altstadt ist derzeit deutlich weniger los. Manche Händler beklagen, dass zwei Drittel der Kunden fehlen.

Auf dem Wochenmarkt in der Altstadt ist derzeit deutlich weniger los. Manche Händler beklagen, dass zwei Drittel der Kunden fehlen. © Ralf Pieper

„Ich bin vorsichtig, aber habe noch keine Angst, aus dem Haus zu gehen, um meine Einkäufe zu erledigen“, sagt Wolfgang Hapering aus Dorsten. Gisela Schiborra äußert sich nachdenklich: „Ein Wochenmarkt ist normalerweise auch Treffpunkt. Aber hier ist deutlich spürbar, dass sich die Zeiten ganz plötzlich verändert haben.“

Auch wenn nicht viele Gespräche auf dem Wochenmarkt stattfinden: Wenn man sich unterhält, ist das Coronavirus das Thema Nummer eins. Die Äußerungen darüber reichen von Verständnis für die bisherigen Maßnahmen über die Forderung härterer Einschränkungen bis hin zu unnötiger Hysterie und wilden Verschwörungstheorien.

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