Ehrenamtliche verschaffen jungen Müttern in Dorsten Zeit zum Durchatmen

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Seit acht Jahren hilft „wellcome“ jungen Dorstener Müttern in der ersten Zeit mit ihrem Baby. Die neun Ehrenamtlichen treffen oft auf Frauen, die am eigenen Perfektionismus scheitern.

Dorsten

, 22.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Die schmutzige Wäsche stapelt sich, das Baby schreit, an Schlaf oder eine Mahlzeit in Ruhe ist nicht zu denken. Viele junge Mütter befinden sich kurz nach der Geburt ihres Kindes in einer Ausnahmesituation. Nicht immer können Partner, Freunde oder Verwandte die Mütter entlasten.

Aber Anne Türck und Ulrike Baldauf bringen Zeit mit, nehmen der Mutter das Baby für kurze Zeit ab oder gehen mit den Geschwisterkindern auf den Spielplatz. Sie gehören zu den insgesamt neun Frauen, die sich ehrenamtlich für das Projekt „wellcome“ in Dorsten engagieren. „wellcome“ ist ein bundesweit agierendes Sozialunternehmen, das 2002 in Hamburg gegründet wurde. Es gibt rund 250 Standorten in 14 Bundesländern - so auch in Dorsten unter Trägerschaft des Familienbüros.

„Wir machen nicht den Haushalt, sondern kümmern uns um das Kind“

Türck, Baldauf und die anderen Frauen gehen direkt in die Familien hinein und leisten ganz praktische Alltagshilfe. „Wir machen nicht den Haushalt, sondern kümmern uns um das Kind, damit die Mama kurz Zeit für sich hat“, erklärt Ulrike Baldauf. Die 68-Jährige engagiert sich seit acht Jahren für „wellcome“ und kann verstehen, wie sich junge Mütter fühlen. Denn sie hat selbst drei Kinder und mittlerweile neun Enkelkinder. Anders als ein Babysitter haben sie und die anderen Frauen keinen Zeitdruck, sie bleiben auch mal länger, wenn die Not groß ist.

„Besonders beim ersten Kind müssen Mütter erst einmal lernen abzugeben. Das ist für manche gar nicht so leicht“, sagt Anne Türck. Die 68-Jährige ist seit drei Jahren als Ehrenamtliche dabei. Ihr erster Einsatz führte sie zu einer Mutter, die gerade Zwillinge bekommen hatte, aber auch noch zwei ältere Kinder betreuen musste. „Da habe ich mich viel mit den Älteren beschäftigt und bin zum Beispiel mit ihnen auf den Spielplatz gegangen“, erinnert sich Türck.

Junge Mütter sind gerade am Anfang sehr verunsichert

Die ihnen durch die „wellcome“-Mitarbeiterinnen verschaffte Freizeit nutzen die Mütter ganz unterschiedlich. Manche gehen einfach nur in Ruhe duschen, andere räumen auf und machen die Wäsche, manche nutzen die Zeit auch für Geschwisterkinder. „Für uns braucht auch niemand aufzuräumen. Wir gucken nur auf das Kind. In die Erziehung mischen wir uns auch nur ein, wenn die Mütter uns darum bitten“, erklärt Ulrike Baldauf. Sie erlebt junge Mütter gerade in der Anfangszeit als sehr verunsichert: „Sie wollen immer alles zu 100 Prozent richtig machen, aber das geht natürlich nicht.“

In der Regel besuchen sie und ihre Mitstreiterinnen die Familien einmal in der Woche für einige Stunden. Aber auch das wird individuell abgestimmt, ebenso, wie lange die Unterstützung gewährt wird. Zu Beginn haben Familie und Ehrenamtliche Zeit, sich kennenzulernen und zu gucken, ob die Chemie stimmt. Die Gebühr beträgt bis zu 5 Euro pro Stunde. Wie viel genau sie zahlen möchte, bestimmt die Familie selbst.

Austausch und Fortbildung für die Ehrenamtlichen

Hilke Weinbrich ist verantwortlich für „wellcome“ in Dorsten. Wer ehrenamtlich helfen möchte, muss sich vorher bei ihr vorstellen und ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen können. Zweimal im Jahr treffen sich die Ehrenamtlichen zum Austausch, auch Fortbildungen können jederzeit besucht werden. „Mir ist wichtig, den Müttern Mut zu machen, sich bei uns zu melden. Wir sind ein Angebot für Jedermann“, sagt Hilke Weinbrich.

Wer die Hilfe von „wellcome“ in Anspruch nehmen möchte, kann sich an das Familienbüro der Stadt Dorsten, Bismarckstraße 5, und dort speziell an Hilke Weinbrich wenden. Kontakt zu ihr gibt es unter Tel. (02362) 66 45 70 oder per Mail.
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