Ehrenamtliche Feuerwehrleute in Dorsten sollen eine „Rente“ bekommen

dzPrämie im Ruhestand

Warme Worte, einen Schulterklopfer - mehr gibt es für freiwillige Feuerwehrleute in Dorsten meist nicht. Doch das könnte sich schon bald ändern. Wenn sie aus dem aktiven Dienst ausscheiden.

Dorsten

, 23.10.2019, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stefan Rogge ist seit über 28 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Dorsten. Kameradschaft, Engagement, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und „natürlich dem Mitmenschen in Not kompetent helfen zu können“ - das treibt den stellvertretenden Löschzugführer in Wulfen an.

„Wenn es um Leben und Tod geht, bleiben Erinnerungen zurück“

„Natürlich ist der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr eine willkommene Abwechslung zu meinem Büroalltag“, gibt Stefan Rogge zu. „Wenn es aber um Leben und Tod geht, bleiben Erinnerungen zurück. Es gibt allerdings auch viele schöne Momente, wenn man Menschen in unserer Stadt geholfen hat.“

Ehrenamtliche Feuerwehrleute in Dorsten sollen eine „Rente“ bekommen

Stefan Rogge ist stellvertretender Löschzugführer in Wulfen. © Guido Bludau

Stefan Rogge ist einer von 416 ehrenamtlich aktiven Feuerwehrleuten in Dorsten. Ohne sie wären die 73 hauptamtlichen Einsatzkräfte im Brandschutz und bei technischen Hilfeleistungen hoffnungslos überfordert. Um „ihre Arbeit und das Gefahrenrisiko“ zu würdigen, denkt die Stadtverwaltung über eine Feuerwehrrente für die Ehrenamtlichen nach.

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Den Vorschlag hatte die CDU vor mehr als eineinhalb Jahren gemacht. Jetzt liegen mehrere Berechnungsmodelle auf dem Tisch, über die Dorstens Politiker am 30. Oktober erstmals diskutieren. Eines sieht vor, dass die Stadt ab 2020 jährlich 50.000 Euro in einen „Topf“ einzahlt, aus dem ehrenamtliche Feuerwehrleute eine „Anerkennungsprämie“ bekommen, wenn sie aus dem aktiven Dienst ausscheiden.

Mit 60 oder 67 in den Ruhestand

Das ist nach Angaben von Feuerwehrsprecher Markus Terwellen bislang mit Vollendung des 60. Lebensjahres der Fall gewesen. Nach einer neuen Regelung ist eine Verlängerung bis 67 Jahre möglich. „Wer mit 60 aussteigen möchte, muss es zunächst der Leitung der Feuerwehr anzeigen. Wenn dies nicht geschieht, verlängert sich die aktive Mitgliedschaft automatisch“, erklärt Terwellen.

Zur Sache

416 freiwillige Wehrleute

Die Feuerwehr Dorsten hatte laut Informationssystem Gefahrenabwehr im Jahr 2018 736 Mitglieder, die sich wie folgt verteilen: 73 hauptamtliche Mitarbeiter, 416 Mitglieder bei der Freiwilligen Feuerwehr, 171 in der Ehrenabteilung, 71 in der Jugendfeuerwehr und fünf in der sogenannten Unterstützungsabteilung. Ein- und Austritte sowie Übergänge von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung oder die Anzahl der Sterbefälle werden nicht erfasst.

Wieviel Geld es von der Stadt beim Wechsel in die sogenannte Ehrenabteilung gibt, hängt laut einem Vorschlag der Stadtverwaltung von verschiedenen Bedingungen ab. Die Länge der Mitgliedschaft, die Zahl der Einsätze, aber auch Zusatzqualifikationen sind wichtige Kriterien.

Durchschnittlich könnten ehrenamtliche Feuerwehrleute demnach eine Prämie zwischen 1100 und 5500 Euro bekommen. Zahlt die Stadt jedes Jahr 1,5 Prozent mehr in die Rentenkasse ein, wären sogar durchschnittlich 8000 Euro möglich. Den Verwaltungsaufwand hält die Stadt für überschaubar.

Kann sich Dorsten das dauerhaft leisten?

Ob sich Dorsten das angesichts der jüngsten Finanzprobleme leisten kann, müssen die Politiker entscheiden. Holger Lohse stellt klar: „Eine einmal getroffene Entscheidung lässt sich nicht ohne weiteres rückgängig machen. Insofern muss abgewogen werden, ob und in welcher Höhe eine Leistungs- und Gefahrenprämie dauerhaft finanzierbar ist.“

Ehrenamtliche Feuerwehrleute in Dorsten sollen eine „Rente“ bekommen

Jani Zimmermann kam schon als 13-Jähriger zur Feuerwehr. © Guido Bludau

Jani Zimmermann würde sich eines Tages über eine finanzielle Anerkennung freuen. Er betrachtet den Feuerwehrdienst nicht als Hobby, sondern „eher als Berufung“. Der Mann vom Löschzug Hervest 1 räumt ein, dass es „nicht immer leicht ist, alles unter einen Hut zu bringen und auch der Familie die Angst zu nehmen“. Aber er könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, „im Bett liegenzubleiben, während nebenan eine Katastrophe passiert“.

Für Jani Zimmermann war es deshalb „ein logischer Schritt“, als 13-Jähriger in die Feuerwehr einzutreten. „Nur so funktioniert doch eine Gemeinschaft, egal ob im Dorf oder in der Großstadt: Miteinander füreinander eintreten, es kann schließlich jeden treffen.“

So denken wohl alle Feuerwehrleute in Dorsten.

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