Ehemaliger Jugendamt-Mitarbeiter zeigt Reue, muss aber vor Gericht

dzUnterschlagung

Einem ehemaligen Mitarbeiter des Jugendamtes in Dorsten wird der Prozess gemacht. Er soll über Jahre Geld für private Anschaffungen unterschlagen haben. Das Urteil könnte gnädig ausfallen.

Dorsten

, 31.07.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mindestens seit 2016 soll ein ehemaliger Mitarbeiter des Jugendamtes Geld unterschlagen haben. Im Herbst des vergangenen Jahres flog er auf. Der Mann (39) wurde sofort vom Dienst freigestellt, dann folgte die einvernehmliche Trennung. Nun hat die Staatsanwaltschaft Essen die Ermittlungen abgeschlossen und Anklage beim Amtsgericht in Dorsten erhoben.

Staatsanwaltschaft listet über 200 Taten auf

Oberstaatsanwältin Anette Milk (Essen) bestätigte auf Anfrage, dass dem Angeklagten „mehr als 200 Einzeltaten mit einem Gesamtschaden von etwas mehr als 200.000 Euro“ zur Last gelegt werden. Das Hauptverfahren ist noch nicht eröffnet, ein Prozess-Termin steht noch nicht fest.

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Als „einzigartig“ hatte die zuständige Dezernentin Nina Laubenthal Ende des letzten Jahres den Fall bezeichnet. Der Mitarbeiter, seit 2013 beim Jugendamt, war im September 2019 durch einen anonymen Hinweis aufgeflogen. Jahrelang hatte es offenbar keine Kontrolle über die Ausgaben gegeben, die in seinen Fachbereich fielen. Doch öffentlich machen wollte die Stadt das zunächst nicht.

„Es ging ihm nicht ums Geld“, betonte Oberstaatsanwältin Anette Milk jetzt, „sondern um auf Kosten des Jugendamtes beschaffte Gegenstände. Deren Verbleib im Einzelnen ist nicht aufgeklärt worden.“

Finanzieller Schaden wiedergutgemacht

Die theoretisch denkbare Höchststrafe wäre laut Milk eine Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren, „die realistische Straferwartung dürfte allerdings erheblich darunter liegen“. Das zeigt sich schon daran, dass der Fall nicht vor dem Landgericht, sondern vor dem Amtsgericht verhandelt wird. Die Höchststrafe, die dort ausgesprochen wird, beträgt vier Jahre.

Positiv könnte sich für den Angeklagten auswirken, dass er sofort nicht nur umfassend Reue gezeigt hat, sondern seinen Worten auch Taten folgen ließ. „Soweit uns bekannt ist, hat der Angeklagte den finanziellen Schaden mithilfe von Angehörigen wiedergutgemacht“, bestätigte Milk.

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Das Jugendamt hatte bereits im vergangenen Jahr Konsequenzen gezogen. Auch bei geringen Anschaffungen gilt das „Vier-Augen-Prinzip“. Für die Erste Beigeordnete Nina Laubenthal ist es indes „ein Einzelfall, den wir in dieser Dimension bei der Stadtverwaltung noch nicht hatten“.

„Der Rechnungsprüfungsausschuss diskutierte im Februar die Einführung einer zentralen Beschaffungsstelle mit Kontrollfunktion und eine Risikobewertung für die finanzielle Verantwortung einzelner Stellen innerhalb der Stadtverwaltung“, so Stadtsprecher Ludger Böhne damals.

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