„Das ist die Zukunft“: Edeka Honsel wird zum Indoor-Farmer

dzKräuter-Brutkasten

Im Hervester Edeka wachsen die Kräuter jetzt direkt im Laden. Dahinter steckt der Hightech-Brutkasten eines Berliner Start-ups. Julia Honsel stellt den Indoor-Kräutergarten vor.

Hervest

, 25.11.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Edeka-Filiale an der Fürst-Leopold-Allee betritt, bemerkt ihn sofort. Direkt vor dem Eingang türmt sich das neue Kräuterregal auf. Drinnen wachsen Petersilie, Basilikum, Salbei und Co. - vom Samen bis zur erntereifen Pflanze.

In der vergangenen Woche gab es die erste Ernte. „Bei den Mengen macht das richtig Spaß“, verrät Geschäftsführer Ralf Honsel. Vor allem weil er damit gar keine Arbeit hat. Denn Pflege und Ernte übernehmen die Mitarbeiter des Berliner Startups „Infarm“, das die Anlage vermietet. Die Ernte kauft der Markt dem Anbieter ab. Als erster Supermarkt im Kreis Recklinghausen hat Edeka Honsel das System installiert.

Belüftung, Belichtung und Nährstoffversorgung werden von „Infarm“ komplett automatisch und digital gesteuert - in optimaler Menge. 95 Prozent weniger Wasser und 75 Prozent weniger Dünger brauche das System, verspricht der Hersteller.

Transportwege fallen weg

Junior-Chefin Julia Honsel sieht noch weitere Vorteile: „Die Transportwege fallen weg. Lokaler geht‘s nicht.“ Früher hatte der Laden Pflanzen aus ganz NRW bezogen. Auch der Stromverbrauch für die LED-Beleuchtung und Belüftung falle minimal aus. „Und mit unserer Solaranlage ist das komplett nachhaltig.“

„Das ist die Zukunft“: Edeka Honsel wird zum Indoor-Farmer

Komplett automatisch werden die Pflanzen mit Licht, Luft und Nährstofflösung versorgt. © Falko Bastos

Zweimal pro Woche wird geerntet. Vier bis fünf Wochen dauert der Zyklus vom Samen bis zur Erntereife. Weil permanent nachgesät wird, gibt es jede Woche etwas zu ernten. Wie in einer Spirale sind die Pflanzen der Größe nach angeordnet, die kleinsten innen und die größten außen.

„Das ist die Zukunft“

Auch Geruch und Geschmack überzeugen Julia Honsel: „Der ist total intensiv.“ Das liege an der guten Nährstoffversorgung und an den wegfallenden Transportwegen. Mit Wurzeln werden die Pflanzen geerntet und in Wasser frischgehalten. Neben den Klassikern wie Petersilie und Schnittlauch gibt es auch exotischere Kräuter, etwa griechisches Basilikum. „Wir testen noch, was gut läuft“, sagt Julia Honsel. „Basilikum geht immer, im Winter auch viel Salbei.“ Künftig sei auch Salat-Anbau denkbar.

Die Aufmerksamkeit der Kundschaft ist dem Hightech-System gewiss. „Viele bleiben stehen, sind neugierig und fragen danach“, berichtet Julia Honsel. Um die Spannung zu steigern, war der Brutschrank vor der ersten Ernte abgeklebt. Nur durch ein Guckloch konnten Neugierige den Fortschritt beobachten. Der ist nun nicht mehr aufzuhalten, ist Ralf Honsel überzeugt: „Das ist die Zukunft.“

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