"Drubbel"-Skulpturen sind umstritten

Politik soll entscheiden

Sollen acht Granit-Skulpturen in der Fußgängerzone künftig an den ehemaligen "Drubbel" erinnern? Oder sollte die Stadt diese Idee des örtlichen Kunstvereins verwerfen? Mit diesen Fragen wird sich die Politik am Dienstag (15.11.) beschäftigen. Im Vorfeld haben inzwischen Gruppen, Vereine und Einzelpersonen Kritik an der geplanten Kunstinstallation geübt.

Dorsten

, 10.11.2016, 21:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Drubbel"-Skulpturen sind umstritten

Dieses Bild entstand bei der Stellprobe: Die letzte oder erste Säule, je nach dem, von welcher Seite man zählt, ragt mit einer Höhe von 6,25 Metern bis in die Baumkrone.

Wir erinnern uns: Bei der von der Dorstener Kunsthistorikerin Marion Taube initiierten "Anstiftung zur Stadtentdeckung" in 2013 gab es die zeitlich befristete Kunst-Aktion "Drubbelgrün" des Landschaftsarchitekten Dirk Vennemann. Mittels einer Rollrasenfläche zeigte er, welche Ausmaße die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Häuserzeile namens "Drubbel" hatte.

Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann

In Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann, der auch die Stele am St.-Ursula-Gymnasium entworfen hat, will nun auch der Kunstverein den Drubbel künstlerisch wieder erkennbar machen (wir berichteten). Die Umrisse der historischen Gebäude sollen dabei nicht nur durch unterschiedliche Pflasterung markiert werden. Sondern auch auf einer Länge von 90 Metern durch acht aufeinander folgende und unterschiedlich hohe Granit-Stelen, deren nördlichste 6,25 Meter hoch sein soll.

Bei ihrer gemeinsamen Sitzung werden sich die Mitglieder von Kulturausschuss sowie Umwelt- und Planungsausschuss am Dienstag mit dem Thema auseinandersetzen. Wie die Verwaltung vorab mitteilt, kalkuliert der Künstler die Kosten auf 105.000 Euro, nicht enthalten sind dabei die Fundamentierung und die Hervorhebung des Grundrisses im Pflaster.

Bei zwei öffentlichen Stellproben in der Innenstadt hatte Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann mittels originalgetreuer 1:1-Nachbauten aus Sperrholz seine Installation bereits präsentiert. Schon damals fielen die Beurteilungen unterschiedlich aus. Bei einem Gespräch in der vergangenen Woche mit der Stadt erneuerten einige Kritiker ihre Bedenken, wie sie auf Anfrage unserer Zeitung bestätigten.

Monumentales Kunstwerk

Thomas Hein, Vorsitzender der Dorstener Interessengemeinschaft (DIA), meint: "Das monumentale Kunstwerk würde auf sehr lange Sicht weitere bauliche Entwicklungen verhindern." Zudem trenne die Skulpturenreihe die Laufwege der Kunden in der Innenstadt: "Die optische Teilung der Lippestraße durch schwarze Stelen lehnen wir deshalb ab."

Wie die Vertretung der Kaufmannschaft argumentiert auch Bäckermeister Hermann Imping, der an der Ecke Lippestraße/Klosterstraße ein Ladenlokal betreibt: "Das Kunstwerk verengt optisch die Gehbreite auf der rechten Seite, dadurch werden die Passanten unbewusst die Straßenseite wechseln." Die Stelen hätten seiner Ansicht nach insbesondere für die Entwicklung im Umfeld des Franziskanerklosters "negative Auswirkungen".

Die Markthändler bemängeln, dass die Skulpturen bei den großen Marktaktionen "die Flächen für Verkaufswagen und Marktstände verstellen". Gärtner Thomas Grebe aus Besten führt ein weiteres Argument ins Feld: "Durch die Reihung der Stelen wird es schwierig, mit den Zugfahrzeugen zu rangieren und die Waren anzuliefern."

Fundamente im Pflasterbereich

Thomas Grebe erklärt, dass man die alten Fundamente des Drubbels besser nur im Pflasterbereich sichtbar machen sollte. Diese Lösung favorisiert auch der Verein für Orts- und Heimatkunde. "Wir haben uns mit dem möglichen Kunstobjekt während der Anproben vor Ort, aber auch in internen Diskussionen auseinandergesetzt", sagt Vorsitzender Dr. Josef Ulfkotte. "Wir glauben nicht an eine dreidimensionale Erlebbarkeit des Drubbels durch eine Gruppierung dieser Größe und Ausmaße, sondern sind für eine Visualisierung im zweidimensionalen Bereich, ergänzt durch eine Geschichtstafel."

Die DIA-Kaufleute regen an, im Rahmen der Neugestaltung der Innenstadt "andere künstlerische Gestaltungselemente zu prüfen", als Beispiel nennt Thomas Hein "Lichtkunst". Die Dorstener Kunstexpertin Marion Taube ist ebenfalls keine Verfechterin des Kunstvereinsprojekts, sondern hebt das "Original" hervor: "Der bewusst temporäre Drubbelentwurf von Dirk Vennemann war eine an luftiger Raumintelligenz und künstlerischer Sicherheit nicht zu übertreffende Erinnerungsskulptur, wie sie besser Geschichte nicht aufzurufen und Zukunft anzuregen vermag."

Der Drubbel hat fast 400 Jahre lang das Bild der Altstadt geprägt. Mehrere Gebäude bildeten einen sichelförmigen Riegel aus Handwerkerhäusern und Geschäften, die wohl schon im Mittelalter inselartig auf der heutigen Lippestraße gebaut wurden. 1922 wurde der Putz des Drubbels entfernt und das alte Fachwerk schmuck herausgehoben. Dadurch entwickelte sich der Drubbel zum beliebten Foto- und Postkartenmotiv. Im Bombenhagel der letzten Kriegstage wurde am 22. März 1945 auch der Drubbel getroffen und anschließend abgerissen.

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