Drohende Deponie auf der Halde: Getrennt marschieren, vereint schlagen

dzHürfeld-Halde

Gegen die drohende Deponie auf der Hürfeld-Halde in Dorsten wächst der Widerstand. Auch der Landesverband Bergbaubetroffener ist aktiv. Die Stadt möchte, dass ein Bereich begehbar wird.

Altendorf-Ulfkotte, Feldmark

, 29.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Getrennt marschieren, vereint schlagen: So scheint in Dorsten die Devise in Sachen „Hürfeldhalde“ zu sein. In einer Art Arbeitsteilung sind Stadt, hiesige Bürgerinitiative „BISBU“, der „Landesverband Bergbaubetroffener“, der Verein „Altendorf trifft sich“ und die Politik derzeit unterwegs, die drohende Deponie am Halden-Standort zu verhindern. Oder - im Falle des schlechtesten Falles - das Bestmögliche für Dorsten herauszuholen, sollte man die Deponie nicht verhindern können.

„Wir wollen zu unseren Gesprächen auch noch Vertreter aus dem Stadtsfeld hinzunehmen“, kündigte Bürgermeister Tobias Stockhoff kürzlich auf der Stadtteilkonferenz Altendorf-Ulfkotte an. Denn auch die Feldmark sei von den Deponie-Plänen betroffen.

Auch „gefährliche Stoffe“

Nach Ende der Steinkohle-Ära will das Unternehmen „DAH1“ (Ruhrkohle AG und Abfallbeseitigungsgesellschaft Ruhr) das nach Ende der Bergematerial-Schüttung hinterlassene riesige Loch der „Hürfeld-Halde“ mit Deponie-Stoffen der Klasse I füllen. „Klasse 1“ könne Bauschutt bedeuten, aber auch „gefährliche Stoffe“ unterhalb bestimmter Grenzwerte, sagte Tobias Stockhoff.

Um möglichst viel Einfluss auf die Art des Füllmaterials haben zu können, müsse man auch „privatrechtliche Dinge ausschöpfen“ versuchen, so der Bürgermeister. Beispielsweise mögliche Konventionalstrafen so hoch ansetzen, dass die künftigen Betreiber gar nicht erst in Versuchung kommen, andere Stoffe als diejenigen zu verfüllen, die mit der Stadt vertraglich dann vereinbart sein könnten. Die Stadt hat nach eigener Einschätzung nämlich mit dem vor Jahrzehnten vereinbarten „Haldenvertrag“ ein Faustpfand dafür in der Hinterhand.

Mit „Haldenvertrag“ ein Faustpfand in der Hinterhand

Tobias Stockhoff erklärte, die Stadt wolle bald „einen Aufschlag versuchen“, dass die bereits jetzt schon wiederhergestellten, begrünten und begehbaren Flächen der Halde schon in wenigen Jahren für die Bürger frei gegeben werden. Diese könnte man selbst man in Falle einer Deponie abtrennen und teilweise aus dem Bergrecht entlassen, so die Stadt. Die Pflege sei dann vom Regionalverband Ruhr (RVR) zu übernehmen.

Vor ein paar Wochen hat das Unternehmen „DAH1“ im Scoping-Verfahren im Vorgriff auf das spätere Planfeststellungsverfahren erste Unterlagen bei der Bezirksregierung eingeleitet. „Inzwischen sind dazu auch die ersten Eingaben aus Altendorf-Ulfkotte eingegangen“, sagte der Bürgermeister.

BISBU engagiert

Besonders engagiert dabei ist der Altendorfer Klaus Wagner (Bürgerinitiative BISBU), der auch Vorstandssprecher im NRW-Landesverband Bergbaubetroffener aktiv ist. Ein Vorteil für Dorsten. Denn anders als die „BISBU“ habe der Landesverband in dem Verfahren „Klagerecht und auch einen Sachverständigenstatus“, erläuterte Wagner.

Er bemängelte die „fehlende Glaubwürdigkeit des Bergbaus. Die RAG habe Naherholung nach der Schüttung in Aussicht gestellt. „Von einer Deponie war nie die Rede - und das ist genau das, was wir schon immer befürchtet hatten.“ Zumal die ebenfalls als Deponien geplanten Halden in Marl und Duisburg ausreichend seien.

Wagner befürchtet, dass die für Deponien vorgesehene Schüttzeit (15 Jahre) ausgehebelt werden könnte. „Man kann davon ausgehen, dass die das verlängern wollen, deswegen muss man bei den Verträgen sehr achtsam sein und alle Möglichkeiten prüfen, sich zu wehren.“

Untersuchungen beantragen

Sein Landesverband wolle nun Untersuchungen beantragen: zur Dichtigkeit, zur Böschungssicherheit und auch dazu, ob durch die Deponie das Grundwasser und damit das Trinkwasser gefährdet sein könnte.

Klaus Wagner, der eine „große Bürger-Infoveranstaltung“ in Aussicht stellte, hat sich Infos aus dem Scoping-Verfahren besorgt. „Die Listen, welche gefährlichen Stoffe verfüllt werden könnten, fehlen“, sagte er. „Das geht ja wohl gar nicht, dass die Unterlagen unvollständig sind“.

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