Drogensüchtiger Dorstener darf in Therapie oder muss in Haft bleiben

dzBeschaffungskriminalität

Immer wieder wurde er straffällig, um seine Drogensucht zu finanzieren. Jetzt bekam der Angeklagte keine Bewährung mehr. Und muss und will sich um eine Therapie kümmern.

Dorsten

, 12.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er kam 1987 auf die Welt. Seit seinem 17. Lebensjahr füllt der heute 33-Jährige mit steter Regelmäßigkeit seine Vorstrafenakte im Bundeszentralregister. Gerade sitzt er mal wieder hinter Gittern, zum Prozess vor dem Dorstener Amtsgericht wurde er am Mittwoch in Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt.

Insgesamt ging es in vier Verfahren um neun Vorfälle, die mittelbar oder unmittelbar mit Drogen zu tun hatten: Entweder ging der Angeklagte alleine und mit Komplizen auf Beutetour, um mit der Beute aus Einbrüchen seine Drogensucht zu finanzieren, oder er wurde mit Drogen erwischt. Bei vielen Taten habe er zudem unter Drogen gestanden, ließ der Angeklagte das Gericht über seinen Pflichtverteidiger wissen. Seine Abhängigkeit von Amphetaminen habe ihn bis zu 150 Euro täglich gekostet.

Duo hatte im Bäckerei-Tresor fette Beute vermutet

Richterin Lisa Hinkers hatte eine Menge Zeugen geladen, um die Fälle zu klären. Darunter auch etliche Polizeibeamte, denn dem Angeklagten wurde auch ein Angriff auf Polizeibeamte vorgeworfen. Ein Zeuge hatte die Polizei gerufen, als er im März 2020 einen Einbruch in eine Bäckerei bemerkt hatte. Der Angeklagte war dort gemeinsam mit einem Kumpel eingebrochen. Ziel der beiden sei der Tresor der Firma gewesen, führte die Staatsanwältin in ihrer Anklageschrift aus.

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Als die Polizei vor Ort erschien, sei der Komplize mit einem Brecheisen auf die Beamten losgegangen. Mit einem Schuss ins Bein sei der Mann außer Gefecht gesetzt worden, während der Angeklagte versucht habe zu entkommen.

Einige Monate zuvor war er auch schon beim Einbruch in die Werkstatt einer Gerüstbaufirma erwischt und verhaftet worden.

Nach seinem Geständnis hofft der Angeklagte auf eine Therapie

Die Zeugen warteten schließlich vergeblich auf ihren „Auftritt“, denn der Angeklagte entschloss sich nach einer Beratung mit seinem Verteidiger, alle ihm vorgeworfenen Taten einzugestehen, sodass Zeugenaussagen nicht erforderlich waren. Ziel der Verteidigung war die Anwendung des Rechtsprinzips „Therapie statt Strafe“. Das Gesetz sieht unter bestimmten Voraussetzungen vor, dass Drogenabhängige eine Therapie absolvieren können, anstatt eine Gefängnisstrafe zu verbüßen.

Zwei Jahre und vier Monate Haft forderte die Staatsanwältin schließlich für alle ihm in diesem Verfahren zur Last gelegten Taten. Für nicht mehr als zwei Jahre plädierte der Verteidiger. Mit seinem Wunsch, den Haftbefehl für seinen Mandanten außer Kraft zu setzen, weil es unter Corona- und Haftbedingungen kaum möglich sei, die angestrebte Drogentherapie möglichst zügig zu organisieren, biss er jedoch auf Granit.

Zwei Jahre und vier Monate - so lautete schließlich das Urteil des Amtsgerichts. Inklusive der Chance, aus der Haft in eine Drogentherapie zu wechseln.

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