Drama um Schlachtschafe: Angeklagten „gemeingefährlich“ genannt

dzGerichtsprozess

Ein Lembecker Landwirt hält einen 32-Jährigen für gemeingefährlich. Der war am Kassenhäuschen seines Anwesens ausgerastet. Weggesperrt, wie gewünscht, wird der Angreifer aber nicht.

Dorsten, Lembeck

, 28.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sieben Zeugen, eine Professorin für Psychologie, Verteidiger, Staatsanwältin und Schöffengericht unter Vorsitz von Lisa Hinkers warteten am Mittwochmittag vergeblich im Sitzungssaal des Amtsgerichts Dorsten. Denn der Angeklagte, ein 32-jähriger Mann aus Bottrop, erschien nicht, obwohl er sich laut Anklage der Körperverletzung und Beleidigung schuldig gemacht haben soll.

Am 5. Dezember 2019 war der Bottroper deswegen erstmals zum Dorstener Gericht zitiert worden. Seinerzeit musste die Richterin Wachleute anfordern, weil es im Gerichtssaal übermäßig turbulent zuging.

Schuldfähigkeit sollte überprüft werden

Weil der Angeklagte einschlägig vorbestraft sein soll, wie die Staatsanwältin feststellte, sollte seine Schuldfähigkeit überprüft werden. Dem hat sich der 32-Jährige aber entzogen. Die Professorin für Psychologie ließ er nicht an sich heran.

Wegen Drogendelikten ist der Mann vorbestraft. Und im Kokainrausch soll der Bottroper im August 2018 auf dem Hof eines Lembecker Landwirtes eine Körperverletzung begangen haben und ausfallend geworden sein.

Schafe sollten nach Mondkalender geschlachtet werden

Der 32-Jährige hatte, wie es Brauch seiner Religionsgemeinschaft ist, drei Schlachtschafe zur Abholung auf dem Gehöft bestellt. Geschlachtet werden sollten die Tiere nach dem Mondkalender. „Es war bei der Bestellung noch nicht klar, an welchem Tag das Opferfest ist. Das geht immer nach dem Mond“, sagte der 32-Jährige bei seiner ersten Verhandlung in Dorsten. Der Landwirt aus Lembeck hatte bei der telefonischen Bestellung durch den Bottroper dessen ungeachtet einen Dienstag für die Übergabe der Tiere vermerkt. Doch der Kunde erschien am Montag.

Landwirtin beleidigt und verletzt

Und dann ging es zur Sache: Weil er die Schafe nicht bekam, soll der Angeklagte die Landwirtin beleidigt und verletzt haben. Für die Tätlichkeiten kassierte der Kunde einen Platzverweis. Den ignorierte er zunächst, langte durchs Fenster des Kassenhäuschens auf dem Hof und zerstörte wutentbrannt ein Telefon.

Daraufhin eilte der Landwirt mit Schlachtermesser in der Hand und blutigen Spuren auf seiner Arbeitsbekleidung seiner Schwägerin zur Hilfe. Der stürmische Auftritt des Schlachters habe ihn zutiefst erschrocken, verteidigte sich der Angeklagte in seiner ersten Verhandlung und räumte reumütig ein, dass er sich daneben benommen habe.

Urteil in Abwesenheit ausgesprochen

Das Geständnis reichte dem Gericht am Mittwoch aus, ihn zu einem Jahr Haft zu verurteilen. Gegen das Urteil kann der Angeklagte Einspruch erheben. Rührt er sich nicht, wird das Urteil vollstreckt. Der Lembecker Landwirt schimpfte: „Der Mann ist eine Gefahr für die Allgemeinheit.“

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