Dorstens „Super-Blitzer“ bescherte der Stadt Rekordeinnahmen

dzJagd auf Raser

Die Stadt Dorsten hat im Jahr 2018 mehr Raser erwischt und mehr Geld kassiert als jemals zuvor. Grund ist vor allem ein „Super-Blitzer“. Das finden angeblich viele Menschen gut.

Dorsten

, 14.02.2019 / Lesedauer: 3 min

180.000 Euro hat der dunkelblaue VW Caddy gekostet, der der Schrecken aller Autofahrer ist, die zu schnell auf Dorstens Straßen unterwegs sind. Denn das Wunderwerk der Technik misst nicht nur auf einer Fahrbahn die Geschwindigkeit, sondern in beide Fahrtrichtungen. Ein Messgerät befindet sich im Heck, das andere hinter der Windschutzscheibe.

450.000 Euro im vergangenen Jahr kassiert

Seit Oktober 2017 sind somit zwei Radarwagen in Dorsten unterwegs, das ältere Modell kommt vorzugsweise am Abend, in der Nacht und an Wochenenden zum Einsatz. Das hat sich offenbar bezahlt gemacht. Stadtsprecher Ludger Böhne nannte auf Anfrage die Gesamtsumme: 450.131,50 Euro - „die höchste Summe, die jemals in Dorsten registriert wurde“. Die Zahlen im Detail:

  • 21.415 Geschwindigkeitsverstöße wurden im vergangenen Jahr in Dorsten festgestellt.
  • 849 Raser waren so schnell unterwegs, dass sie statt einer Verwarnung ein Bußgeld zahlen mussten.
  • 46 Verkehrsteilnehmer waren so schnell, dass sie den Führerschein abgeben mussten.
  • Bei weiteren 1300 Verkehrsteilnehmern wurde aus einer Verwarnung ein Bußgeldbescheid, weil sie nach der ersten Aufforderung nicht bezahlt haben (hier sind allerdings auch Parksünder mitgezählt).

Vorbei scheinen die Zeiten, als die Stadt wegen Personalengpässen oder Pannenzeiten des alten Radarwagens keine Raser jagen konnte. Böhne legte zwei Vergleichszahlen vor. „Im Jahr 2013 gab es 9110 Verstöße gegen das Tempolimit (=206.000 Euro), die Zahl ging bis 2017 mit leichten Schwankungen auf 6453 zurück (=136.451 Euro).“

Dorstens „Super-Blitzer“ bescherte der Stadt Rekordeinnahmen

Ein Messgerät für den Gegenverkehr befindet sich hinter der Windschutzscheibe des Radarwagens. © Stefan Diebäcker

Jetzt hat die Stadt nicht nur technisch, sondern mit dem Kommunalen Ordnungsdienst auch personell aufgerüstet. Ertappte Verkehrssünder finden das gar nicht lustig, andererseits fordern laut Böhne viele Bürger diese Kontrollen ein. „Die Beschwerden über Raserei sind deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig erreicht die Stadt auch Dank für den Einsatz der beiden Radarwagen.“

Kritik, aber auch viel Lob für die Blitzer

Exemplarisch nennt Böhne eine Diskussion in einer Dorstener Facebook-Gruppe: Dort hatte sich vor einigen Wochen eine Autofahrerin beschwert, dass sie bei erlaubtem Tempo 30 auf der Hauptstraße in Holsterhausen mit deutlich über 40 km/h geblitzt wurde. „Die meisten Gäste der Gruppe hatten für die Beschwerde wenig Verständnis“, so Böhne. „Auch der kritisierte Kontrollpunkt – kurz vor einem Wechsel von Tempo 30 auf Tempo 50 – wurde von den Bürgern als richtig empfunden.“

Es handelte sich um eine Stelle, an der Fußgänger auf der ansonsten kurvenreichen Strecke mit ausreichend Sicht in beide Fahrtrichtungen die Fahrbahn queren können.

Nicht überall darf geblitzt werden

Die Stadt ist nämlich nicht frei in der Auswahl der Messstellen. Blitzen darf sie in Absprache mit der Polizei nur dort, wo nach vorhergehenden Erhebungen die zulässige Geschwindigkeit deutlich und von einer Mehrzahl der Autofahrer überschritten wird oder an besonderen Gefahrpunkten wie Schulen, Kindergärten oder Altenheimen. Rund 160 zugelassene Messstellen gibt es in Dorsten.

Lesen Sie jetzt