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Dorstens Politik hinkt digital noch kräftig hinterher

dzFacebook & Co.

Knapp zwei Jahre sind es noch bis zur Kommunalwahl. Der Wettbewerb um Wähler wird nicht nur auf der Straße geführt. Doch besonders digital sind die Parteien und Politiker in Dorsten nicht.

Dorsten

, 10.11.2018 / Lesedauer: 4 min

In politischen Debatten sind sich Friedhelm Fragemann und Bernd Schwane nicht immer grün. Doch wenn es um soziale Netzwerke geht, sprechen der SPD-Fraktionsvorsitzende und sein Pendant bei der CDU dieselbe Sprache: „Damit will ich nichts zu tun haben.“

Fragemann und Schwane und viele andere Politiker in Dorsten ziehen das persönliche Gespräch auf der Straße, bei Versammlungen oder am Info-Stand einem Facebook-Post oder einer Kommentierung in den sozialen Netzwerken vor. Twittern wie Donald Trump? Das halten sie für abwegig. Aber ist das der richtige Weg, um möglichst viele Menschen im digitalen Zeitalter zu erreichen?

CDU und SPD haben wenige Facebook-Freunde

Nur eine Handvoll Ratsmitglieder, beispielsweise die beiden Christdemokraten Johannes Götte und Stephan Dierkes und Thorsten Huxel (Grüne), mischen sich in die Diskussionen auf Facebook ein, versuchen zu erklären oder Pauschalvorwürfe und falsche Darstellungen zu widerlegen. Die CDU und die anderen Parteien in Dorsten erreichen die Menschen auf dieser Plattform kaum. Die Union hat knapp 500 Freunde, SPD und FDP haben knapp 400 Anhänger. Zum Vergleich: Der AfD-Stadtverband, erst vor einem Monat gegründet, hat über 700 Sympathisanten, Die Linke über 1300. Die Grünen sind bislang nicht auf Facebook vertreten, die UBP hat ein Kreisverband-Profil.

Dorstens Politik hinkt digital noch kräftig hinterher

Im Wahlkampf (hier die Grünen mit Susanne Fraund im Jahr 2014) gehen Dorstens Politiker verstärkt auf die Straße. Doch das wird 2020 nicht reichen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. © Ralf Pieper

Für das Wahlergebnis muss das noch nichts heißen. CDU-Pressesprecher Ludger Samson teilte im Namen von Parteichef Ludger Föcker, der kein Facebook- oder Instagram-Profil hat, auf Anfrage mit: „Uns ist bewusst, dass ein überwiegender Teil gerade der jungen Menschen – wenn überhaupt – besser über die sozialen Netzwerke zu erreichen ist. Daher fahren wir seit Jahren eine Doppelstrategie.“

Die lautet: Einige bedienen die sozialen Netzwerke, einige arbeiten „Old School“. Ihre vor acht Monate überarbeitete und „gut gepflegte“ Homepage bezeichnet die CDU als „topaktuell“. Der letzte Eintrag unter „Aktuelles“ ist vom 18. Oktober (Stand 9. November).

„Es kommt auch auf die Persönlichkeit der Politiker an“

SPD-Parteichefin Jennifer Schug hat einen persönlichen Facebook-Account und äußert sich dort politisch und privat. „Ich glaube tatsächlich, dass die Wähler in unserer heutigen Zeit immer stärker die Persönlichkeit eines Politikers wählen und ein gesteigertes Interesse daran haben zu wissen, wer die Person ist, die sie und ihre Interessen vor Ort vertreten soll“, sagt sie. Die Sozialdemokraten haben ein neues Team im Stadtverband zusammengestellt, dass sich intensiv mit den „Soziale Medien“ beschäftigt. „Außerdem haben wir mit der Planung einer komplett neuen und modernen Homepage begonnen und hoffen, diese Mitte des nächsten Jahres online stellen zu können.“ Schon jetzt ist die Homepage der SPD und einiger Ortsvereine deutlich aktueller als die anderer Parteien.

Dorstens Politik hinkt digital noch kräftig hinterher

SPD-Parteichefin Jennifer Schug (M., hier mit Friederike Haase und Nadine Zawada) hat sich schon vor ihrer Wahl politisch und privat engagiert, u.a. für den Erhalt der Wichernschule. © Claudia Engel

Die SPD in Dorsten arbeitet laut Schug an einer „digitalen Strategie“ im Hinblick auf die Kommunalwahl 2020, aber „Facebook kann und darf nur ein Bereich unseres Wahlkampfes sein. Sicherlich kommt die Politik heute nicht mehr an Facebook vorbei, aber für mich persönlich muss ein Kommunalpolitiker vor allem in seiner Stadt, vor Ort, eingebunden und aktiv sein. Und hier sollte er Ansprechpartner sein.“

Bei der FDP ist Parteichef Lutz Ludwig („Ich habe ein Facebook-Profil und nutze dies tagesaktuell auch für politische Inhalte und Themen“) auch Administrator der Homepage. „Die FDP hat im Jahr 2017 intensiv auf die sozialen Netzwerke gesetzt. Die Möglichkeiten, eine ähnliche Strategie im Kommunalwahlkampf umzusetzen, wird in Betracht gezogen und von unseren Mitgliedern diskutiert.“

„Wertvolle Feedbacks in Gesprächen und Diskussionen“

Fraktionsvorsitzender Tristan Zielinski richtet den Fokus „stärker auf persönliche Gespräche“, wie er sagt. „Gerade in Dorsten bieten sich beispielsweise durch Stadtteilkonferenzen und Sprechstunden die Möglichkeiten, wertvolles Feedback und Anregungen für die inhaltlich-sachliche Arbeit im Stadtrat zu bekommen.“

UBP-Sprecherin Nadja Plessmann hat seit einigen Jahren ein Facebook-Profil: „Ich schaue täglich hinein und poste ab und zu auch etwas zu aktuellen Themen.“ An der Homepage der Partei werde gerade gearbeitet. Zur künftigen Digital-Strategie gab es laut Plessmann „viele Gespräche im Kreis. Genaueres kann und möchte ich jetzt noch nicht weitergeben“. Die Grünen äußerten sich auf Anfrage nicht.

„Ohne WhatsApp geht es kaum“

WhatsApp spielt übrigens für alle befragten Politiker eine große Rolle. Auch die „Facebook-Verweigerer“ wie Friedhelm Fragemann und Bernd Schwane kennen sich damit aus, sind nach eigenen Angaben in mehreren Gruppen vertreten, sprechen aber dort überwiegend Termine ab. CDU-Chef Ludger Föcker („Ich bin in zig Gruppen“) sagt: „Da findet weniger ausführliche Kommunikation statt, vielmehr dient dieser Dienst als Newsbörse und zur schnellen Abstimmung, ob und wer sich zu welchem Thema äußern soll. Ohne WhatsApp ist eine Parteikommunikation nach innen kaum noch vorstellbar.“

  • Die Stadtverwaltung verzichtet vor allem aus personellen Gründen auf einen eigenen Facebook-Auftritt. Soziale Netzwerke seien „ein wesentlicher Teil der Kommunikation“, bestätigt Stadtsprecher Ludger Böhne, allerdings bedürfe eine eigene Seite einer intensiven Betreuung. „In Dorsten gibt es etliche große und gut moderierte Gruppen in den sozialen Netzwerken. Dort werden häufig auch die städtischen Mitteilungen veröffentlicht und diskutiert, sodass der Informationsfluss gesichert ist.“
  • Bürgermeister Tobias Stockhoff gibt auf Facebook unermüdlich den „Erklärbär“, denn er wird auch überproportional häufig auf unterschiedliche Themen angesprochen. Stockhoff verdeutlicht dann als Politiker und erster Repräsentant der Stadt nicht nur politische Entscheidungen, sondern als Leiter der Stadtverwaltung sehr häufig auch Behördenhandeln.
  • Für seine Rathaus-Mitarbeiter gibt es keinen „Digital-Kodex“, aber: Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, muss sich loyal gegenüber seinem Arbeitgeber äußern und bei der Wahl von Themen und Worten abwägen, ob sie mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung in Einklang zu bringen sind.
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