Mit einer bewegenden Trauerfeier wurde im Juli an die vier Dorstener Drogentote des Jahres gedacht. © Caritas
Coronavirus

Dorstens Drogenabhängige sind auch in der Pandemie nicht allein

Das Café Kick der Caritas hat auch in den Corona-Lockdowns den Kontakt zu den drogenabhängigen Klienten nicht abreißen lassen. Jetzt hofft man auf mehr Normalität durchs Impfen.

Das Impfen gegen Corona ist in aller Munde. Auch im Café Kick ist es ein großes Thema. „Wir versuchen tagtäglich, für unsere Klienten Impftermine zu ergattern“, berichtet Einrichtungsleiterin Christiane Koning, „waren damit aber bisher nicht so erfolgreich wie erhofft.“

Ein großer Teil ihrer drogenabhängigen Stammgäste sei wegen diverser Vorerkrankungen impfberechtigt. „COPD, Nierenleiden und Diabetes sind bei unseren Klienten nicht selten“, berichtet die Diplom-Sozialarbeiterin, die gleichzeitig erfreut zur Kenntnis nimmt, dass ihre Klienten inzwischen aber auch Impfangebote von ihren Hausärzten erhalten.

Suchtkranke haben ein geschwächtes Immunsystem

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat sich erst vor wenigen Tagen für eine Priorisierung von Drogenabhängigen in der Corona-Impfkampagne ausgesprochen.

Christiane Koning, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin des Cafés Kick der Caritas am Westgraben. © privat © privat

„Menschen mit Suchterkrankungen haben ein deutlich geschwächtes Immunsystem und sind daher besonders gefährdet für einen schweren Covid-19-Verlauf“, sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschlands. Von den Mitarbeitern der Caritas, die täglich mit Menschen aus dieser Gruppe zu tun haben, erhält sie für ihre Forderung große Zustimmung.

Christiane Koning wünscht sich natürlich, das Café Kick bald wieder in den „Normalbetrieb“ schicken zu können, ist gleichzeitig aber sehr zufrieden, wie Klienten und Mitarbeiter bisher den Pandemie-Betrieb gemeistert haben. „Beim ersten Lockdown im März 2020 konnten wir zwar kein Frühstück mehr anbieten und keinen Kaffee ausschenken“, blickt sie im Jahresbericht ihrer Einrichtung zurück, „aber wir wollten unsere Klienten auf keinen Fall ohne Hilfe dastehen lassen.“

Für Hilfesuchende blieb die Tür stets geöffnet

Also gab es auf der Grundlage eines Hygienekonzeptes weiterhin eine offene Tür für jeden Hilfesuchenden. Ab dem 24. August durften sich dann wieder sechs Besucher gleichzeitig im Café aufhalten, derzeit sind lediglich vier erlaubt.

Mithilfe der Young Caritas haben die Mitarbeiter der Suchtberatung, des Cafés Kick und der psychosozialen Betreuung drogenkranker Menschen Care-Pakete zusammenstellen können. © privat © privat

Durch den Wegfall des kostenlosen Frühstücks im Café Kick und bei den Franziskanern, das Einstellen der Tafel und des Mittagstisches der Gemeinde St. Agatha und nicht zuletzt durch die Hamsterkäufe in den Supermärkten war es für die Klienten schwierig, an günstige Grundnahrungsmittel zu kommen. Manche Vorerkrankte trauten sich gar nicht mehr aus dem Haus, sie wurden mit Lebensmitteltüten versorgt, die dank einer großzügigen Spende der Young Caritas Dorsten gefüllt werden und bei Hausbesuchen oder im Café Kick abgegeben werden konnten.

Warmes Essen zur Abholung und frei Haus geliefert

Bis heute werden die Lebensmittelhilfen weitergeführt. Sabine Cremer von der Gemeindecaritas hat eine Spende der Aktion Mensch akquirieren können, die es sogar ermöglich hat, für bedürftige Menschen einmal in der Woche ein warmes Mittagessen von „Essen auf Rädern“ vom Alten- und Pflegeheim St. Anna zu organisieren. Circa 20 bis 30 warme Essen wurden seitdem jeden Montag und jeden letzten Donnerstag im Monat ausgegeben – am Fenster zum Hinterhof. Wer es nicht zum Westgraben schaffte, bekam das Essen nach Hause geliefert.

Christiane Koning: „Bis November 2020 haben wir selbst zweimal wöchentlich den Lebensmitteleinkauf organisiert. Dann wurde aber eine Kooperation mit einem lokalen Supermarkt und der Tagesstätte für psychisch Kranke der Caritas organisiert. Alle zwei Wochen stellt uns dieser Supermarkt nun die Lebensmittel zusammen, die ein Mitarbeiter und ein Klient der Tagesstätte dann mit dem Bulli abholen, uns bringen und in den Keller befördern. So haben wir weiterhin für alle bedürftigen Bürger genug Lebensmittel, um die größte Not abzufedern.“

Im Café Kick sorgt ein spezieller Tisch für frische Luft

Die Essens- und die Lebensmittelausgabe helfen dabei, den Kontakt zu den rund 70 „Stammkunden“ zu halten und ihnen weiterhin das Gefühl zu geben, dass jemand für sie da ist und ihnen hilft, die Krise zu meistern.

Von Covid-19-Erkrankungen seien ihre Klienten verschont geblieben, berichtet Koning. „Viele haben sich aus Angst sehr zurückgezogen, und die anderen haben sich sehr diszipliniert an die Regeln gehalten. Wir sind richtig stolz auf das vorbildliche Verhalten unserer Leute.“ Die Mitarbeiter würden inzwischen regelmäßig getestet. Auch an einer Teststrategie fürs Café werde gearbeitet.

Mit der Strategie für virenfreie Luft ist man im Café Kick schon weiter: Seit Dezember gibt es dort einen Rauchabzugstisch, der in kurzer Zeit die Raumluft austauscht.

Bewegender Gottesdienst zum Gedenken an vier Drogentote

Auch der alljährliche Gedenktag für die Drogentoten fiel in die Zeit des ersten Lockdowns. 35 Personen, Klienten, Mitarbeiter und Angehörige der vier Drogentoten – so viele wie schon lange nicht mehr – nahmen im Juli an einem bewegenden ökumenischen Gedenkgottesdienst mit Pater Heribert und Pfarrerin Bongers in der Kapelle des Franziskanerklosters teil, legten zur Erinnerung Gedenksteine und Blumen nieder.

Auch die psychosoziale Betreuung von Menschen, deren Drogensucht mithilfe von Medikamenten behandelt wird (Substitution), hat ein turbulentes Jahr hinter sich, nicht nur wegen Corona. Der Tod von Dr. Heike Wenig riss eine große Lücke in die Versorgung. Zusätzliche Unsicherheit brachte der bevorstehende Ruhestand von Dr. Teupe. Inzwischen sorgen die Ärzte Dr. Alfred Glowania und Oleg Jaschik für Kontinuität in der Betreuung von 86 Substituierten.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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