Dorstens Bürgermeister pflegt wieder die Bürgernähe - aber mit Abstand

dzCoronavirus

Nach der Corona-bedingten Zwangspause bietet Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff wieder Sprechstunden in den Stadtteilen an. Die Themen sind dieselben, und doch ist einiges anders.

Dorsten

, 04.06.2020, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Heimspiel für den Bürgermeister an diesem Mittwochnachmittag auf dem Gelände des Heimatvereins Wulfen. Tobias Stockhoff ist Wulfener und mit nahezu jedem der 20 Gäste per „Du“. Sie sind gekommen, um Probleme anzusprechen, zu diskutieren - oder einfach nur zuzuhören.

Jeder Ortsteil in jedem Quartal

Auch Stockhoff hört zu - und das schon seit seinem Amtsantritt Mitte 2014. „Zwischen 200 und 250“ solcher Bürgersprechstunden hat er seitdem absolviert, schätzt er. „Jeder Ortsteil - inklusive Barkenberg - ist pro Quartal einmal an der Reihe.“ Das macht fast 50 Termine pro Jahr. Stockhoff will ein Bürgermeister zum Anfassen sein, nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes. Doch mit dem „Anfassen“ ist das so eine Sache in Zeiten der Corona-Pandemie.

Bürgermeister Tobias Stockhoff bei der Bürgersprechstunde in Wulfen.

Hinter einem Spuckschutz, aber nicht in Deckung: Bürgermeister Tobias Stockhoff bei der Bürgersprechstunde in Wulfen. © Stefan Diebäcker

Stockhoff sitzt an einem runden Tisch unter dem Vordach des Wulfener Heimathauses. Ein Spuckschutz ist aufgebaut und teilt die Tischoberfläche, diesseits und jenseits steht eine Flasche mit Handdesinfektionsmittel bereit. Der Stuhl ihm gegenüber bleibt zunächst aber leer und ist auch nur für den Fall dort hingestellt worden, wenn jemand ein persönliches Anliegen hat, das die übrigen Gäste nichts angeht. Dann gibt es zum Ende der Sprechstunde eine Art Privataudienz.

Ortsteile in der Coronakrise zusammengefasst

Das sommerliche Wetter an diesem Nachmittag macht die Abstandsregel einfach. Die Zuhörer sitzen oder stehen in weitem Rund auf der Terrasse. Masken braucht hier draußen niemand. Aus Wulfen, aber auch aus Barkenberg und Deuten sind sie gekommen. Wegen der Coronakrise hat Stockhoff die Ortsteile zusammengefasst, um die Zahl der Termine insgesamt überschaubar zu halten.

Die Themen allerdings haben sich nicht geändert. „Früher war Baumpflege ein Topthema in allen Ortsteilen“, sagt Stockhoff, „aber das hat sich entspannt.“ Jetzt geht es in den vor allem um Verkehrsprobleme, aber in Wulfen auch um den stockenden Glasfaser-Ausbau, der vor allem die Deutener nervt.

Verkehrsthemen kommen immer auf den Tisch

Die Parksituation am Bahnhof bringt ein Wulfener zur Sprache, einen anderen ärgert der Staub am Napoelonsweg. Die Pflastersteine an der Straße „Auf der Brey“ sind Thema, ebenso ist es eine Hecke am Surick/Ecke Barkenberger Allee, die Autofahrern die Sicht nimmt.

Zur Sache

Die nächsten Termine

Tobias Stockhoff setzt seine Bürgermeister-vor-Ort-Termine fort. Am 15. Juni (Montag) lädt der Bürgermeister von 16 bis 18 Uhr auf den Heimathof des Heimatvereins Lembeck (Ecke Krusenhof/Zur Reithalle) zu Gesprächen zu allen Themen der Stadt und der Stadtteile Lembeck und Rhade ein. Am 17. Juni (Mittwoch) folgt von 17 bis 19 Uhr der Bürgermeister-vor-Ort-Termin im Alten Rathaus auf dem Marktplatz in der Altstadt. Hier ist der Bürgermeister zu allen Themen der Stadt, der Altstadt sowie rund um Altendorf-Ulfkotte und die Feldmark ansprechbar.

Die „Elterntaxis“ an der Wittenbrinkschule nerven einen Anwohner, parkende Lkw an der Marktallee kritisiert eine Autofahrerin, die schon „brenzlige Situationen“ erlebt hat.

Stockhoff weiß auf fast alles eine Antwort oder verspricht, dass sich die Stadtverwaltung zeitnah kümmert. Derweil schreibt seine Stellvertreterin Christel Briefs fleißig mit. Sie ist schon seit Längerem eine Art Protokollführerin bei den Sprechstunden, damit kein Problem, kein Ärgernis verloren geht. Sonst kommt es ziemlich wahrscheinlich bei der nächsten Sprechstunde wieder auf den Tisch.

Die B 58 bleibt ein Dauerbrenner

So wie die Verkehrslage auf der B 58. Viele Anwohner fürchten, dass die Situation unerträglich wird, wenn in einigen Jahren das Industriegebiet Große Heide auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Wulfen erschlossen ist. Die kontroverse und emotionale Diskussion am Mittwochnachmittag wird wohl nicht die letzte zu diesem Thema gewesen sein.

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Aber es gibt auch versöhnliche Töne. Der ehemalige Pfarrer Daniel Eickmann-Gerland findet es „bemerkenswert“, wie in der Coronakrise die politische Arbeit in Dorsten über alle Ratsfraktionen hinweg vonstatten geht. „Man hatte nicht den Eindruck, dass bald Wahlen anstehen. Das hat sehr gut getan.“

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