Dirk Börger ist Schulleiter der Geschwister-Scholl-Hauptschule. © Anke Klapsing-Reich (A)
Coronavirus

Dorstener Schulleiter fordern individuelle Lösungen beim Sitzenbleiben

Eine Bildungsgewerkschaft fordert, das Sitzenbleiben auszusetzen. Dorstener Schulleiter werben bei dem Thema für eine differenzierte Betrachtungsweise. Denn die Probleme sind vielschichtig.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat unlängst deutlich gefordert, aufgrund der Corona-Umstände in diesem Schuljahr auf das Sitzenbleiben zu verzichten. Was halten die Schulen in Dorsten davon und was würde eine solche Regelung bewirken?

Für Dirk Börger, Leiter der Geschwister-Scholl-Hauptschule, ergibt sich in diesem Schuljahr ohnehin eine besondere Situation. Die Schule läuft aus und unterrichtet deshalb nur noch Schüler von Jahrgangsstufe acht bis zehn.

„In den Klassen neun und zehn vergeben wir Abschlüsse“, erklärt er. Deshalb sei hier eine genaue Bewertung und die Möglichkeit, die Klasse zu wiederholen, wichtig. Schüler, die die achte Klasse wiederholen, müssten die Schule verlassen, weil diese im kommenden Schuljahr nicht angeboten wird.

Digitale Ausstattung sorgt für Unterschiede

„Grundsätzlich finde ich die Forderung nicht gut. Ich würde lieber in Rücksprache mit den Eltern Vereinbarungen treffen“, meint Dirk Börger. Doch er weiß um die Schwierigkeiten, mit denen seine Schüler zu kämpfen haben. „Wenn die Kinder alles machen könnten, was wir ihnen anbieten, müssten sie auch die Leistung bringen“, stellt der Schulleiter klar. Die Schule bietet 20 Stunden Unterricht in der Woche über Videokonferenzen an und regelt den Rest über Aufgaben. Das funktioniere relativ gut.

Doch so einfach ist es nicht. „Nicht alle Kinder bei uns sind in der Lage, selbstständig zu lernen“, weiß Dirk Börger. Dazu sei die Ausstattung mit digitalen Endgeräten nicht in allen Familien optimal geregelt. „Teilweise fehlen noch Endgeräte, die eigentlich schon da sein sollten. Das sind unverschuldete Einschränkungen“, erklärt der Schulleiter. Deswegen müsse man individuelle Gegebenheiten berücksichtigen.

Inhaltliche Antwort statt Gewaltaktion

„Die Lösung ist sicher nicht, es bleiben alle sitzen oder es gehen alle mit“, stellt Susanne Bender, Schulleiterin der Neuen Schule, klar. An der Sekundarschule ist ein Sitzenbleiben grundsätzlich nur in Ausnahmefällen vorgesehen. „Sitzenbleiben ist für mich ohnehin immer mit einem Fragezeichen verbunden“, meint Susanne Bender.

Grundsätzlich müsse man aber eine inhaltliche Antwort auf das Problem finden, dass Unterrichtsstoff nicht wie gewohnt vermittelt werden kann. „Das wird man nicht mit einer kurzfristigen Gewaltaktion schaffen, sondern man braucht andere pädagogische Antworten“, ist Susanne Bender bewusst.

Susanne Bender ist Schulleiterin der Neuen Schule.
Susanne Bender ist Schulleiterin der Neuen Schule. © privat © privat

Das System sei kein Automatismus, den man durch das Drehen an zwei Stellschrauben wieder auf Kurs bringe. Es erfordere Anstrengungen, um die Lücken zu schließen.

Langfristige Konsequenzen drohen

Die Leiterin einer Dorstener Grundschule, die namentlich nicht genannt werden möchte, fordert ebenfalls eine differenzierte Betrachtung: „Man muss im Gespräch mit den Eltern gucken, ob es Sinn macht, zu wiederholen.“

Aus ihrer Sicht seien die Schüler der jüngeren Jahrgänge von den Einschränkungen stärker betroffen. Ein weiteres Problem könne sich ergeben, wenn sich durch Wiederholen Unterschiede in den Klassengrößen ergeben. „Dann werden die Klassen, in denen jetzt schon 28, 29 Kinder sind, zu groß“, weiß die Schulleiterin. Bei der knappen Personalsituation könne das Konsequenzen haben, die sich auf die nächsten Jahre auswirken.

Eltern gingen zum Teil recht unterschiedlich an die Sache heran. „Einige sagen: Mein Kind hat eine tolle Zeit, ein Jahr mehr oder weniger ist egal. Andere dagegen haben mit ihrem Kind gearbeitet und wollen nicht, dass wiederholt wird“, so die Pädagogin. Einzelfälle könne man immer lösen. Schwierig werde es, wenn eine Schule breiter getroffen sei.

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Bastian Becker

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