Einbrecher trainieren in abgeschiedenen Kleingärten das Schlösserknacken

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Sie kommen nachts, räumen seelenruhig die Lauben leer und üben, wie Schlösser geknackt werden: Kleingartenanlagen stehen bei Einbrechern hoch im Kurs. Die Pächter sind machtlos.

Dorsten

, 14.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Sein leicht angestaubtes, spießiges Image hat der Scherbergarten schon vor Jahren abgelegt. Es sind längst nicht mehr nur Rentner, die eine Parzelle mieten und sich unweit der Stadt eine grüne Oase schaffen. Kleingartenkultur ist weit mehr als ein paar Gartenzwerge und biedere Vereinsmeierei.

Auch Sabine und Johannes D., die eigentlich anders heißen, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchten, sind leidenschaftliche Kleingärtner. Das Paar hat eine Parzelle in Dorstens ältester Kleingartensiedlung Paters Bungert gepachtet und investiert viel Zeit und Geld in die Pflege ihres Rückzugsortes in der Feldmark.

In der Nacht zu Mittwoch haben Unbekannte das Idyll gestört. Mal wieder. Die Diebe brachen in die Parzelle ein, klauten mehrere Solarlampen, hochwertige Blumenkästen und versuchten, das Gerätehäuschen aufzuhebeln. Den Inhalt der Blumenkästen kippten sie auf die andere Seite des Zauns, der die Kleingartensiedlung vom Deich an Rapphoffs Mühlenbach trennt.

Einbrecher trainieren in abgeschiedenen Kleingärten das Schlösserknacken

In der Nacht zu Mittwoch nahmen Einbrecher aus einer Parzelle in Paters Bungert unter anderem hochwertige Blumenkästen mit und kippten den Inhalt über den Zaun. © Robert Wojtasik

Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit sind Kleingartenanlagen beliebte Ziele bei Einbrechern. Sie würden sogar als eine Art Trainingsgelände genutzt, hat Michael Vogt vom Dorstener Bezirksverband der Kleingärtner von der Polizei erfahren: „Die üben dort in aller Ruhe, wie man Gartentore und Schlösser aufbricht. Vom Verband aus haben wir leider keine Möglichkeit, großartig etwas dagegen zu tun“, sagt der Geschäftsführer des Bezirksverbands.

„Vor einiger Zeit wurde uns schon die Schubkarre geklaut“, sagt Kleingärtnerin Sabine D. „Seitdem haben wir die neue angekettet.“ Auch das Gerätehäuschen ist mit einem Vorhängeschloss gesichert, an dem sich die Diebe auf ihrem jüngsten Raubzug die Zähne ausbissen. „Einem Nachbarn wurde auch schon eine Gartenliege gestohlen. Das Problem mit den Einbrechern haben wir seit Jahren“, sagt D. „Jetzt reicht‘s uns.“ Sie erstattete am Mittwoch Anzeige.

Pöbler, Müll und Hundekot auf dem Deich

Aber nicht nur Einbrecher machen Kleingärtnern in Paters Bungert zu schaffen. Sabine D. berichtet von Passanten auf dem Deich, die ihren Müll einfach unten an den Zaun schmeißen, Kleingärtner anpöbeln und Hunde frei laufen lassen, die dann an den Zaun direkt am Beet koten. „Vom Deich aus können sich die Leute außerdem ganz genau anschauen, wie die Parzellen aussehen und wo es möglicherweise etwas zu holen gibt“, sagt D.

Die beiden Kleingärtner wünschen sich, dass der Deich nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht wird. Es ist nämlich nicht besonders schwierig, vom Deich aus über den nicht allzu hohen Zaun in die Parzellen einzudringen.

Bei dem Deich handele es sich um eine Betriebsanlage des Lippeverbands, sagt Anne-Kathrin Lappe, Pressesprecherin des Lippeverbands. Der Weg werde gebraucht, gepflegt und begutachtet und der Lippeverband halte die Zugänge auch permanent geschlossen. „Sollten sich jemand dennoch Zutritt verschaffen, ist das widerrechtlich.“

Einbrecher trainieren in abgeschiedenen Kleingärten das Schlösserknacken

Der Deich entlang der Kleingartensiedlung Paters Bungert ist Betriebsgelände des Lippeverbands und darf eigentlich nicht betreten werden. © Robert Wojtasik

Kleingärtner sind allgemein relativ machtlos gegen die ständigen Einbrüche. „Das ist ein ganz allgemeines Problem, dass alle neun Kleingartenanlagen in Dorsten betrifft“, sagt Michael Vogt vom Dorstener Bezirksverband. „Man kann seine Laube verrammeln, wie man will, dann gehen die eben übers Dach rein. Meist werden zuerst die Schubkarren geklaut, die dann direkt genutzt werden, um sie mit anderem Diebesgut zu füllen.“

Die Kleingartensiedlung als Trainingsgelände für Einbrecher

Wirklich wertvolle Dinge sind in den allermeisten Gartenlauben nicht zu holen. „Meistens werden Gartengeräte oder elektronische Werkzeuge gestohlen“, sagt Polizeisprecher Michael Franz. „Und die werden dann bei Ebay oder auf dem Flohmarkt verkauft.“ In der Regel sei davon auszugehen, dass es sich um örtliche Täter handele, die „unbedarft und ohne großen Zeitdruck agieren und mitnehmen, was sie mitnehmen können“.

Sabine und Johannes D. denken nun darüber nach, ihre Parzelle per Videokamera zu überwachen. Das sei auch erlaubt, sagt Polizeisprecher Franz. Man müsse nur, wie bei Wohnhäusern auch, „fein säuberlich darauf achten, dass keine öffentlichen Gehwege gefilmt werden“.

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