Viele heiratswillige Paare haben wegen der Corona-Einschränkungen ihren Hochzeitstermin verschoben. Manche sogar schon mehrfach. © picture alliance/dpa
Paare im Stand-by-Modus

Dorstener Hochzeitspaare lassen sich von Corona nicht unterkriegen

Sie haben gebangt und sie haben gelitten, manche haben es im kleinsten Kreis durchgezogen und andere haben wieder und wieder verschoben: Viele Hochzeitspaare sind im Corona-Stress.

Jedes Jahr schließen in Dorsten rund 350 Paare den Bund fürs Leben. Dieser Zahl hat die Corona-Pandemie offenbar nichts anhaben können. Nach Auskunft des Standesamts entsprechen die bisherigen Zahlen diesem Trend.

Den standesamtlichen Trauungen haben die Einschränkungen offenbar nicht so viel anhaben können, aber viele Paare warten bis heute darauf, das große Fest aus Anlass der Eheschließung oder ihre kirchliche Trauung endlich nachholen zu können.

Im Pfarrbüro von St. Agatha weiß man, dass viele Paare sich mit Plänen noch zurückhalten und vereinzelte Paare seit mehr als einem Jahr auf „Stand-by“ stehen. Da aber die Gastronomie nach wie vor große Gesellschaften nur mit Einschränkungen bewirten kann, besteht immer noch keine Planungssicherheit.

Die kleinste Hochzeit war dennoch eine ganz besondere

In der Maschinenhalle Fürst Leopold ist der Trauungsbetrieb dagegen auch während der bisherigen Pandemie-Zeit munter weitergegangen. Wie Gerd Schute, Standesbeamter bei diesen Trauungen und Vorsitzender des Bergbauvereins, berichtet, ist die Zahl der Trauungen stabil geblieben. „Die meisten Paare haben sich mit den jeweils gültigen Regeln arrangieren können“, berichtet Schute. „Es gab nur ein paar Verschiebungen auf den Herbst 2021 oder das kommende Jahr.“

Gerd Schute ist als Standesbeamter in der Maschinenhalle im Einsatz. © Archiv © Archiv

Dabei gab es Zeiten im ersten Lockdown, in denen der Standesbeamte und das Brautpaar bei der Zeremonie ganz allein waren. „Eine ganz besondere Atmosphäre“, erinnert sich Schute an die 255. Trauung im Industriedenkmal am 4. April 2020.

Derzeit darf jedes Brautpaar außer den Trauzeugen und einem Fotografen 20 Gäste mitbringen, bei der nächsten Lockerungsstufe, voraussichtlich ab 11. Juni, dürfen es sogar 45 sein. Die 3-G-Regel (geimpft, getestet, genesen) gilt ebenso wie die Maskenpflicht.

Manche Paare haben ihre Hochzeit schon mehrmals verlegt

Diese Regeln gelten auch für die Trauorte Wasserschloss Lembeck und Altes Rathaus am Marktplatz. Auf dem Kanalschiff „Klabautermann“ darf die Hochzeitsgesellschaft mit und ohne Corona nicht größer sein als zwölf Personen.

Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach einem großem Fest und Planungssicherheit erlebt auch Jan Scheitsteger vom Restaurant im Schloss Rasefeld seine Kunden: „Mutige Paare peilen eine Party im August an. Skeptische zweifeln an ihren womöglich schon aus dem Vorjahr verlegten Terminen in diesem Sommer.“

Schloss Raesfeld im Kreis Borken darf derzeit 100 Hochzeitsgäste draußen bewirten, 50 drinnen. Scheitsteger: „Es darf ein Essen geben, aber keine Party, also kein DJ, kein Tanz. Alle Hochzeitsgäste müssen getestet sein.“ Das hätten sich viele Brautpaare verständlicherweise anders vorgestellt. Es gebe aber auch Paare, die relativ spontan planen und im Juni 2021 fragen, ob für sie im Juli noch ein Termin frei sei. „Wir erleben im Kontakt mit unseren Kunden einen breiten Querschnitt der Risikobereitschaft.“

Auch der Partyservice leidet unter den vielen Absagen

Eva Schulte-Tendrich vom bekannten Hervester Partyservice ist gerade erst eine Absage für eine Feier im Juli ins Haus geflattert. „Die Gastgeber wollten angesichts der immer noch nicht absehbaren Inzidenzwerte kein Risiko eingehen“, berichtet sie. So bleiben die Buffets, die ausgeliefert werden, weiterhin überschaubar. An Feierlichkeiten auf der eigenen Deele in Hervest sei derzeit noch gar nicht zu denken.

Für den Hochzeitsplaner Hans Schuster gab es keine Pause, er hat Buchungen bis ins Jahr 2023. © Foto: Klein © Foto: Klein

Hochzeitsplaner Hans Schuster und sein Nightaffairs-Team stecken dagegen bis über beide Ohren in Arbeit: „Wir arbeiten einen großen Buchungsrückstau ab, denn viele Paare mussten ihre Hochzeitspläne wegen Corona ändern.“ Manches habe stattfinden können, vieles nicht. Jetzt sei die Auftragslage für 2022 und 2023 schon recht gut. Schuster hat die Brautpaare, die bei ihm „Rundum-Sorglos-Pakete“ für den schönsten Tag im Leben bestellt haben, in der Pandemie weiter betreut. Schritt für Schritt habe man geschaut, was sich realisieren lasse.

Hochzeitsplaner hat in diesem Jahr kaum noch Termine frei

Seine Mitarbeiter hat er alle bei vollem Lohn behalten: „Jetzt kann das eingespielte Team gleich wieder durchstarten“, freut er sich. Freie Termine fürs Heiraten in diesem Jahr? Am 10. Juli und am 18. Dezember hätte die Agentur noch was frei in der Galerie der Traumfänger auf Fürst Leopold.

Während viele spektakuläre Hochzeitsfeiern bei „wedding & more“ wegen der Prominenz der Paare unter großen Diskretion geplant werden, geht Hans Schuster mit einer Eheschließung ganz offen um: Im Oktober wird er seiner Lebensgefährtin Julia das Ja-Wort geben, Bürgermeister Tobias Stockhoff wird der Standesbeamte sein und – sofern die Corona-Lage es zulässt – soll anschließend mit rund 200 Gästen eine große Polterhochzeit gefeiert werden. Geplant war dieses Fest eigentlich für den 19. Juni, aber das Paar hat sich wie viele andere zu einer Verlegung entschlossen.

Im kommenden Jahr soll es dann im kleineren Kreis noch zu einer Trauungszeremonie nach Mallorca gehen, die Atmosphäre an so einem besonderen Ort haben die Schusters bereits mehrfach genießen dürfen – 2022 dann auch als Brautpaar.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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