Prozess: Dorstener hinterließ Spur der Verwüstung

dzLandgericht Essen

Ein psychisch kranker Mann (36) aus Holsterhausen rastet immer wieder aus. In Geschäften, im Jobcenter, in der Sparkasse. Für Nachbarn und Polizisten war er der reinste Albtraum. Nun wird er ärztlich behandelt und nimmt Medikamente. Ihm droht die Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie.

Dorsten

, 28.10.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es braucht schon ein bisschen Phantasie, um sich diesen Mann als unberechenbar und aggressiv vorzustellen. Wer den 36-jährigen Holsterhausener vor Gericht erlebt, sieht einen Mann, der ruhig und konzentriert antwortet, um Entschuldigung bittet und nach Erklärungen sucht. Doch das ist offenbar erst der Fall, seit er sich in der geschlossenen Psychiatrie befindet und mit Medikamenten behandelt wird.

Selbst die Polizei hatte Respekt

Zu Beginn des Jahres war der ehemalige Tierpfleger offenbar kaum unter Kontrolle zu bekommen. Selbst die Polizei hatte Respekt. „Die Geschichten, die ich von meinen Kollegen gehört hatte, waren beängstigend“, sagte ein Beamter am Dienstag als Zeuge vor der 1. Strafkammer des Essener Landgerichts. „Sie haben mir gesagt: Sei vorsichtig. Der ist unberechenbar.“

Der Polizeibeamte war am 26. März 2020 ins Jobcenter gerufen worden. Angeblich sollte dort ein Kunde randaliert haben. Als er an der Bismarckstraße eintraf, sah er den 36-Jährigen, der im Schneidersitz im Foyer saß. Vor sich ein viereckiger Aschenbecheraufsatz. „Er hat Zigarettenkippen sortiert“, so der Beamte vor Gericht. Dabei habe er von Kunst gesprochen – und von Suizidgedanken.

„Er kam volle Lotte auf mich zugelaufen“

Kaum hatte er den 36-Jährigen nach draußen gebeten, eskalierte die Situation. „Er ging mit erhobenen Fäusten auf mich los.“ Mehrfach habe er in dieser Situation seinen Schlagstock einsetzen müssen „Später kam er dann volle Lotte auf mich zugelaufen und hat mir aus vollem Lauf ins Gesicht gespuckt.“

Einen weiteren Ausraster soll es im Foyer der Sparkassenfiliale am Hellweg in Hervest gegeben haben. Dort soll der 36-Jährige im März alles kurz und klein geschlagen haben. Die Kameras waren herausgerissen, die Scheiben der Automaten eingeschlagen, das Klimagerät zertrümmert, die Decke zerstört. „Es war verheerend“, sagte ein Mitarbeiter den Essener Richtern am Dienstag. „Alles war komplett zerlegt.“

Als Bandit zur Gamescom

Wie durcheinander die Gedanken des mutmaßlichen Täters damals waren, zeigt auch ein versuchter Diebstahl im Frischmarkt Jansen an der Hauptstraße in Holsterhausen. Dort hatte die Polizei unter anderem einen selbstgebastelten Schlagstock in seinem Rucksack gefunden. Was er damit wollte? „Ich wollte an diesem Tag noch zur Gamescom nach Köln“, sagte er den Richtern. Der Stock sei Teil seiner geplanten Verkleidung gewesen, die er sich für den Besuch ausgedacht habe. Als was er denn gehen wollte? „Als Raider aus Borderlands.“ Dabei handelt es sich offenbar um eine Art Banditen aus einem Computerspiel.

Dem 36-Jährigen droht die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie - zum Schutz der Allgemeinheit.

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