Dorstener Frauen streiken für mehr Rechte in der Kirche

dzKirche in Dorsten

Die KFD St. Antonius und die KFD St. Bonifatius beteiligen sich an der deutschlandweiten Aktion „Maria 2.0“. Am 12. Mai werden sie nicht in den Gottesdienst gehen, sondern streiken.

Dorsten

, 01.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Pastoralreferentin Annegret Lewin, Margret Rother und viele andere Frauen der KFD St. Antonius sowie der KFD St. Bonifatius werden am Sonntagmorgen (12. Mai) dem Gottesdienst fern bleiben. Stattdessen versammeln sie sich um 10.30 Uhr vor der Bonifatiuskirche und beteiligen sich an der Aktion „Maria 2.0“.

Angestoßen wurde diese durch Frauen aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster. Sie kritisieren die Rolle der Frau in der Kirche, wollen sich nicht länger unterdrücken lassen und rufen zum Kirchenstreik auf. Inzwischen beteiligen sich Frauen, aber auch Männer in ganz Deutschland an der Aktion. Auch in Schermbeck und Grafenwald wird gestreikt.

Aus der Kirche austreten wollen die Frauen nicht

„Entweder man tritt aus, das wollen wir nicht, oder man setzt sich dafür ein, dass sich etwas ändert“, sagt Margret Rother von der KFD. Gemeinsam mit Pastoralreferentin Annegret Lewin und rund zehn weiteren Frauen traf sie sich am Montag, um zu besprechen, wie man den Forderungen in Dorsten Nachdruck verleihen kann.

„Es ist ein künstliches Armhalten der Kirche, wenn Frauen nur das machen können, was Männer ihnen erlauben“, so Rother. Die anderen Frauen nicken zustimmend. Sie stehen vollkommen hinter den sehr klaren Forderungen, die die Initiatoren von Maria 2.0 formuliert haben.

Frauen fordern unter anderem die Aufhebung des Pflichtzölibats

Dazu gehört einerseits das Thema Missbrauch (kein Amt mehr für Personen, die missbraucht oder Missbrauch geduldet haben sowie die Überstellung der Täter an weltliche Gerichte), aber andererseits auch die Rolle der Frau in der Kirche. So fordern die Frauen den Zugang zu allen Ämtern (Rother: „Es kann nicht sein, dass Frauen keine Diakone werden dürfen“), die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie eine moderne Einstellung der Kirche zur Sexualität. Lewin: „Über Jahrhunderte wurde das Thema Sexualität in der Kirche tabuisiert. Wir brauchen jedoch einen normalen, selbstverständlichen Umgang damit.“

Und eine der anderen KFD-Frauen ergänzt: „Die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in der Kirche haben das Fass zum Überlaufen gebracht und waren nur durch die Macht der Männer dort möglich.“

Dorstener Frauen wollen keine ganze Woche streiken

Eigentlich rufen die Initiatoren aus Münster die Frauen dazu auf, eine ganze Woche (vom 11. bis 18. Mai) zu streiken - also die Kirche nicht zu betreten und keinen Dienst zu verrichten. So radikal wollen die Dorstener Frauen aber nicht sein. „Wir haben Erstkommunion, aber auch das Mittagessen für Senioren und und und ... Da würde der Streik die Falschen treffen. Die Härte haben wir noch nicht“, so Margret Rother.

Daher werden sie sich „nur“ am 12. Mai vor dem Kirchplatz versammeln, gemeinsam Lieder singen und ihre Forderungen vortragen. Sie hoffen darauf, dass viele Frauen, gerne aber auch Männer, sie dabei unterstützen. Daher werden sie in den kommenden Tagen Plakate aufhängen und in den Gottesdiensten Flyer verteilen. Auch die Online-Petition zu diesem Thema wollen die Frauen in Dorsten publik machen.

„Wir müssen zeigen, dass wir uns das nicht länger gefallen lassen“

„Die Kirche ist im Aufbruch. Es ist wichtig, darüber zu sprechen, was wir Frauen alles leisten, und wie wenig wir mitbestimmen dürfen“, sagt Margret Rother. Das sehen die anderen Frauen am langen Tisch im Pfarrheim St. Antonius am Montag zwar auch so, Hoffnung, dass sich zu ihren Lebzeiten konkret etwas ändern wird, haben sie jedoch nicht wirklich. „Und trotzdem müssen wir zeigen, dass wir uns das nicht länger gefallen lassen und alles einfach so hinnehmen“, machen die Dorstener Frauen deutlich.

  • Die KFD-Frauen treten am 12. Mai (Sonntag) in den Kirchenstreik. Sie versammeln sich um 10.30 Uhr vor der Bonifatiuskirche (Annettestraße). Alle, die sich mit ihren Forderungen identifizieren können, sind eingeladen, ebenfalls ein Zeichen zu setzen.
  • Mehr Informationen zur Aktion Maria 2.0 gibt es bei Facebook oder auf der Internetseite.
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