Familie Wolters hatte Pech: Gleich zwei Tests aus einer Schnellteststelle waren falsch-positiv. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Dorstener Familie hat das Vertrauen in die Schnelltests verloren

Eigentlich wollte die 93-Jährige nur zum Friseur. Der Schnelltest der voll geimpften Seniorin fiel negativ aus. Aber einen Tag später rief das Gesundheitsamt an und verordnete Quarantäne.

Bei der Dorstener Familie Wolters wird so bald niemand mehr einen Schnelltest machen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. „Keine zehn Pferde kriegen mich dahin“, schimpft Burkhard Wolters, nachdem es in seinem näheren Umfeld in den letzten Wochen zwei falsch-positive Schnelltests gegeben hat. Das Vertrauen in die Test sei bei ihm dahin, berichtet er.

Vor allem nach dem Vorgang, in dessen Mittelpunkt seine pflegebedürftige Schwiegermutter stand. Die 93-Jährige, längst zweimal geimpft, hatte für den 30. April einen Friseurbesuch geplant. Ihr Impfschutz entband vor zwei Wochen noch nicht von der Testpflicht, also unterzog sie sich in einer Teststelle in der Innenstadt einem Schnelltest. „Sie bekam die Bescheinigung mit einem negativen Testergebnis und nahm ihren Friseurtermin wahr“, erzählt Burkhard Wolters.

Einen Tag später wurde aus negativ überraschend positiv

Am nächsten Tag dann der Schock: Das Gesundheitsamt meldete sich bei der alten Dame, nachdem die Teststelle dorthin ein positives Ergebnis übermittelt hatte. Die Negativ-Bescheinigung sei ein Irrtum gewesen. Wolters: „Montags wurde dann beim Arzt ein PCR-Test gemacht, der erwartungsgemäß negativ ausfiel.“ Als dieses Ergebnis vorlag, war die amtliche Quarantäneverfügung allerdings schon unterwegs. Bis die offiziell wieder aufgehoben wurde, war die Seniorin schon fast eine Woche in Quarantäne.

„Das muss doch irgendwie schneller und vernünftiger gehen“, moniert Burkhard Wolters. Geht es inzwischen auch, denn neuerdings entbindet der negative PCR-Test automatisch von der Quarantäne. Und die Zweifach-Impfung vielfach von der Testpflicht. Das war beim Fall seiner Schwiegermutter vor zwei Wochen noch nicht so.

Zweimal falsch-positiv in der gleichen Teststelle

Dass sowohl die Schwiegermutter wie wenige Tage zuvor auch die Schwägerin in der gleichen Teststelle ein falsch-positives Ergebnis erhalten haben, stärkt das Vertrauen von Burkhard Wolters in das Motto „Testen, testen, testen“ nicht. Ein wenig versöhnlich stimmt ihn indes, dass die Zuverlässigkeit der Tests in den letzten Wochen enorm zugenommen habe.

Für die bislang durchaus übliche 98-Prozent-Mindestmarke bei der Spezifität hat Wolters nämlich für eine vierköpfige Familie (zwei berufstätige Eltern und zwei Schulkinder) einmal hochgerechnet, dass die sich bei zwei Tests pro Woche pro Person binnen eines Jahres acht falsch-positive Ergebnisse einhandeln würde.

Für die verbesserte Aussagekraft der Tests sprechen übrigens die Zahlen des Kreises: Von den fast 9.000 Schnelltests, die täglich im Kreis gemacht werden, sind demnach nur 0,04 Prozent falsch-positiv. Familie Wolters ist dennoch skeptisch.

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Petra Berkenbusch

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