Dorstener CD-Dieb muss nach Ausraster im Media Markt in die geschlossene Psychiatrie

dzLandgericht Essen

Dieser Fall ist traurig: Ein junger Dorstener hört Stimmen, reißt sich büschelweise Haare aus und läuft mit Messern durch die Gegend. Jetzt muss er in die geschlossene Psychiatrie.

Dorsten Essen

, 14.05.2019, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein erst 21 Jahre alter Mann aus Dorsten ist am Dienstag auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Für die Richter ist er eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Es war ein CD-Diebstahl im Media Markt, der alles ins Rollen brachte. Der Angeklagte war am 17. November 2018 von einem Ladendetektiv dabei ertappt worden, wie er die zwei CDs des Rappers „Eminem“ klauen wollte. Die Sicherheitsetiketten hatte er mit einem Messer entfernt.

Als er kurz darauf angesprochen wurde, gab es ein Gerangel. Das Messer hatte der Dorstener noch in der Hand. Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskamera soll zu sehen sein, wie der 21-Jährige dabei eine Stichbewegung in Richtung Ladendetektiv macht.

Richter: Eine Gefahr für die Allgemeinheit

„Er hat versucht, zuzustechen“, sagte Richter Nils Feldhaus bei der Urteilsbegründung der 7. Strafkammer des Landgerichts Essen. Und: „Es kann nicht verantwortet werden, dass er in Freiheit entlassen wird.“ Eine Bewährungsstrafe sei deshalb ausgeschlossen – obwohl der Angeklagte nicht vorbestraft sei.

Hintergrund der Tat ist eine schwere psychische Erkrankung. Der Angeklagte leidet unter paranoider Schizophrenie, hört Stimmen. Wenn er seine Medikamente einnimmt, soll zwar alles okay sein. Doch genau die setzt er immer wieder ab.

Nach seiner Festnahme kamen selbst die Gefängnismitarbeiter nicht mit ihm klar. Der 21-Jährige hatte sich in seiner Zelle büschelweise Haare ausgerissen, ließ niemanden an sich heran. Daraufhin war er kurzerhand in das Justizkrankenhaus in Fröndenberg verlegt worden.

Von dort geht es nun direkt weiter in die geschlossene Psychiatrie. Die Richter haben zwar auch eine Haftstrafe von 15 Monaten ausgesprochen, doch die kommt wegen der parallel angeordneten Unterbringung nicht zum Tragen.

„Er lässt niemanden in sich hineingucken"

Traurig: Auch vor Gericht war niemand da, um den 21-Jährigen zu begleiten. Als die Richter ihn fragten, ob jemand von seiner Familie informiert werden soll, dass er jetzt umgehend in die geschlossene Psychiatrie verlegt wird, antwortete er: „Nein. Ist schon okay so.“

Was genau im Kopf des Dorsteners vorgeht, ist nicht ganz klar. „Er ist wie eine Blackbox“, so Richter Feldhaus. „Er lässt niemanden richtig hineingucken.“ Auch den vom Gericht beauftragten Psychiater nicht. Die Erkrankung ist schon in der Jugend ausgebrochen. Seitdem war der 21-Jährige bereits mehrfach in der Psychiatrie.

Bei den Stimmen, die er hört, soll es sich zwar nicht um Befehle handeln, doch eine soll ihm zuletzt gesagt haben: „Du wirst lebendig begraben.“

Was er mit der CD eigentlich wollte, ist unklar. Einen CD-Spieler hatte der Dorstener auf jeden Fall nicht. Zur Tatzeit war er obdachlos.

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