Für Alfred Glowania ist der einzige Weg aus der Pandemie das Impfen. In seiner fachinternistischen Praxis in Dorsten versucht er, auch Impfskeptiker davon zu überzeugen. © Manuela Hollstegge
Coronavirus

Dorstener Arzt: „Impfen und Impfpflicht sind die Wege aus der Pandemie“

Die fachinternistische Praxis am Südwall wird von Anfragen rund um Impfungen überrannt. Internist Alfred Glowania impft daher auch samstags und fordert eine Impfpflicht.

Es ist warm in der fachinternistischen Praxis am Südwall. Die Sprechstundenhilfen am Empfang geben alles, das Telefon steht kaum still. Während eine Mitarbeiterin des Praxis-Teams versucht, das dringend von einer Patientin für ihren Sohn benötigte PCR-Ergebnis vom Labor zu bekommen, versucht die andere, einen Patienten am Telefon zu beruhigen. Er hat seinen Impftermin in der Praxis verpasst, da entweder er oder die Praxis ein falsches Datum eingetragen haben.

„Unser Personal am Empfang ist total überlastet – sie erhalten viele Anfragen wegen Impfungen, aktuell gibt es natürlich viele Fragen bezüglich Boostern, aber auch zu Corona selber und den aktuell geltenden Regelungen. Das ist schon deutlich mehr Aufwand“, sagt Internist Alfred Glowania.

Aber auch er selber muss viele Fragen beantworten. So kämen Impfskeptiker ganz gezielt in seine Sprechstunde. „In der Regel kann man sie mit Argumenten überzeugen“, so Glowania. Oft helfe es, von einem Arzt, bei dem man seit Jahren in Behandlung sei, noch einmal zu hören, dass eine Impfung die richtige Entscheidung sei.

Dem Dorstener Internisten ist aber auch klar: „Manche kriegt man nicht.“ Neben Anhängern von Verschwörungstheorien seien das insbesondere solche, für die die Impfung eine Intervention ins Immunsystem, in die ganze Genetik, darstelle.

Neue Impfstoffe könnten Skeptiker noch überzeugen

Diese hätten Angst vor Langzeitfolgen für ihren Körper. Glowania glaubt, dass man solche Menschen eventuell in einigen Monaten von einer Impfung mit bislang nicht zugelassenen Totimpfstoffen ähnlich einer Grippeimpfung überzeugt bekomme.

In ungeahntem Tempo geht die Impfkampagne voran. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Für Alfred Glowania ist das Impfen der einzige Weg aus der Pandemie. „Wir haben die Kapazitäten für das Impfen noch einmal erhöht“, sagt er. Dazu gehöre einerseits, dass man einen zweiten Impftag im gemeinsam mit anderen Praxen betriebenen Impfzentrum an der Borkener Straße eingeführt habe.

Andererseits habe er sich persönlich dafür entschieden, samstags zwischen 8 und 10 Uhr in seiner Praxis Impfungen durchzuführen. Mehrere Ärzte folgen diesem Beispiel und bieten mehr Termine oder Sondertermine an. „Anders kommen wir aus so einer Pandemie nicht raus. Man hätte schon längst die Impfpflicht einführen müssen“, so der Arzt, der auch schon einige Fälle von Long Covid in seiner Praxis hatte.

„In der Politik wird viel zu wenig entschieden“

Der Politik fehle die Beschlussfähigkeit, es werde viel zu wenig entschieden. Die Demokratie sollte seiner Meinung nach keine Entschuldigung für das zu langsame Einführen einer Impfpflicht sein – schließlich seien bislang über 100.000 Menschen im Rahmen einer Corona-Infektion gestorben. Mehr Impfstoff wünscht sich Glowania indes nicht. Man habe schlicht keine Kapazitäten, um noch mehr zu impfen.

Im Praxisalltag sei Corona inzwischen eine Infektionskrankheit unter vielen geworden. „Der Anfang war schlimm, weil wir noch nichts über die Krankheit wussten und viel organisiert werden musste, aber inzwischen sind wir hier eingespielt, die Panik ist weg und das Personal bleibt auch bei positiven Patienten ganz ruhig“, erzählt Alfred Glowania.

Er ist der Meinung, dass neben den Impfungen eine weitreichende 2G-Regelung zur Bekämpfung der vierten Welle sinnvoll sei. „2G-Plus braucht man eher nicht. Das Virus kann zwar immer übertragen werden, aber die Übertragung zwischen zwei Geimpften ist doch eher unwahrscheinlich“, so der Internist.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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