Dorstener (67) gesteht Kindesmissbrauch

dzLandgericht Essen

Kehrtwende am Essener Landgericht: Im Prozess um Kindesmissbrauch und Kinderpornografie legte ein 67-jähriger Mann aus Dorsten doch noch ein Geständnis ab. Trotzdem droht ihm Gefängnis.

Essen/Dorsten

, 02.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Mädchen war schon ein paar Stunden im Gericht, wartete ängstlich auf den Moment, in dem es die Richter in den Zeugenstand rufen würden. Doch dann kam alles ganz anders. Im Prozess um Kindesmissbrauch am Essener Landgericht hat der angeklagte Dorstener am Mittwoch doch noch ein Geständnis abgelegt. Auf die Aussage der heute Elfjährigen konnte danach verzichtet werden.

„Ich gebe alles zu“

„Ich gebe alles zu“, sagte der 67-Jährige den Richtern. Zu Hintergründen und Motiven könne er jedoch nicht viel sagen: „Ich weiß es nicht – es war eine Dummheit.“ Er habe das Mädchen aber auf jeden Fall zu nichts gezwungen.

Seine Frau sei damals zwar auch in der Wohnung gewesen, allerdings im Schlafzimmer. „Sie hat dort Fernsehen geguckt.“ Ob sie von den Vorwürfen wisse? „Ja, aber sie glaubt das alles nicht.“ Und sie halte auch weiter zu ihm.

Missbrauch in Großaufnahme

Bislang hatte der Angeklagte allerdings auch immer alles bestritten – trotz erdrückender Indizien. Auf seinem Handy gibt es einen Film, der die Missbrauchs-Szene in Großaufnahme zeigt, die GPS-Daten stimmen mit denen seiner Wohnung überein.

Auch das Speichern zahlreicher kinderpornografischer Dateien hat der Dorstener zugegeben. Pädophile Neigungen streitet er allerdings ab. Von sexueller Erregung könne keine Rede sein, erklärte er den Richtern.

Angeklagter akzeptiert Gefängnisstrafe

Wie es nun für ihn weitergeht, steht auch schon so gut wie fest: Dem Mann aus Holsterhausen drohen drei bis zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Auf diese Spanne hatte sich der Angeklagte mit Richtern und Staatsanwältin vor seinem Geständnis verständigt.

Für die Mutter der Elfjährigen sind die Taten des Angeklagten immer noch unfassbar. Sie hatte ihm blind vertraut, kämpfte am Mittwoch immer wieder mit den Tränen. Als der Angeklagte davon erzählte, dass er ihre Tochter auch in der Badeanstalt fotografiert habe, rannte sie völlig entsetzt aus dem Saal.

Tochter trug plötzlich viel zu große Sachen

„Er war für sie ein Opa-Ersatz“, sagte sie den Richtern. Und: „Für die Seele eines Kindes gibt es keine Strafe, die das wiedergutmachen kann.“

Sie hatte ihre Tochter Ende 2018 in die Obhut des Angeklagten – eines langjährigen Freundes ihrer Mutter – gegeben, als es in ihrer eigenen Familie große Probleme gab. Dass irgendetwas nicht stimmen konnte, hatte sie befürchtet, als ihre Tochter den Angeklagten plötzlich nicht mehr besuchen und schon gar nicht mit ihm Schwimmen gehen wollte.

Außerdem habe sie plötzlich viel zu große Kleidungsstücke getragen. „Nichts war mehr körperbetont“, so die Mutter. Der Prozess wird fortgesetzt.

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