Live-Übertragung aus dem Ratssaal? Die Stadt Dorsten prüft jetzt, ob und unter welchen Bedingungen das möglich wäre. © Stadt Dorsten
Kommunalpolitik

Dorsten prüft „Politik-Fernsehen“, aber es gibt schon jetzt Bedenken

Die Stadtverwaltung in Dorsten prüft, ob Ratssitzungen künftig live übertragen werden können. Und schon gibt es Bedenken, obwohl eine Nachbarstadt seit Jahren „Politik-Fernsehen“ macht.

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass der Stadtrat darüber diskutiert, ob Ratssitzungen, vielleicht sogar alle Ausschusssitzungen, live übertragen werden sollten, um mehr Öffentlichkeit herzustellen. In der Vergangenheit wurde das Thema immer sehr schnell abgebügelt, doch jetzt wird es konkret wie nie.

Die Stadtverwaltung wird auf Wunsch der SPD nämlich prüfen, unter welchen Bedingungen solche Übertragungen, live und später auch als Aufzeichnung verfügbar, möglich sein könnten. Und dabei geht es nicht nur um Kosten und Technik.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Friedhelm Fragemann muss die „Pflege demokratischer Kommunikation“ künftig auch digital erfolgen, damit sich die Zuschauer „ein besseres und umfassenderes Bild von den unterschiedlichen Positionen der Parteien machen können“.

CDU äußert Bedenken

Fragemann weiß mit seinem neuerlichen Vorstoß die Grünen, die FDP und Die FRAKTION feat. Die Linke hinter sich, die auch Gefallen finden am Dorstener „Politik-Fernsehen“. CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd Schwane berichtete indes von Bedenken einiger Parteikollegen, die ihre Persönlichkeitsrechte gefährdet sehen, wenn ihr Gesicht und ihre Aussagen ungeschützt im Internet kursieren.

Schwane, ein Jurist und wie Fragemann kein Freund und Kenner der Sozialen Medien, dürfte das auch auf sich selbst bezogen haben. Denn meist ist es der Fraktionsvorsitzende selbst, der im Rat das Wort im Namen der CDU ergreift. Da lohnt ein Blick über die Stadtgrenze nach Bottrop, wo Ratssitzungen seit beinahe einem Jahrzehnt übertragen werden.

Viele Anfragen in den letzten Jahren

„Der Antrag kam 2011 von der CDU“, erinnert sich der stellvertretende Pressesprecher der Stadt Bottrop, Ulrich Schulze. „Und er wurde einstimmig angenommen.“ In den letzten Jahren hat Schulze eine Vielzahl von Anfragen aus anderen Städten bekommen. Ihm ist dabei aufgefallen, dass das Thema von unterschiedlichen Parteien angestoßen wurde. „Man kann nicht sagen, dass manche Parteien immer dafür und andere immer dagegen sind.“

Was der stellvertretende Pressesprecher den Interessenten stets sagt: „Die Kosten sind überschaubar. Wir stellen 5.000 Euro in den städtischen Haushalt ein.“ Ein externer Dienstleiter liefert die Technik für die Sitzung und wählt zwei Kameraeinstellungen. Aber eben keine „Totale“. „Wer nicht gesehen werden möchte, sagt das, dann wird die Übertragung notfalls unterbrochen. Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) weist stets explizit darauf hin.“

92 Live-Zuschauer bei der letzten Sitzung

Die letzte Ratssitzung in Bottrop haben laut Schulze 92 Zuschauer live verfolgt, und noch ein paar mehr haben sich später die Aufzeichnung auf der Homepage der Stadt angeschaut. Schulze glaubt, dass es in den ersten Jahren sogar noch etwas mehr Zuschauer waren. Zum Vergleich: In die Dorstener Ratssitzung „verirren“ sich meist nur einige wenige Zuhörer. Dass der Große Sitzungssaal aus allen Nähten platzt, war zum letzten Mal der Fall, als die Wichernschule geschlossen wurde. Das war vor sechs Jahren.

Übrigens: Die Ratssitzungen in Bottrop dauern wegen der Live-Übertragungen „eher etwas länger“, meint Ulrich Schulze. Was vielleicht nicht nur mit den Themen, sondern auch mit dem Wissen um ein (Online-)Publikum zu tun haben könnte…

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
Zur Autorenseite
Stefan Diebäcker

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.