Noch sind längst nicht alle Wohnungen im Neubaugebiet am Wesel-Datteln-Kanal vermietet. © Claudia Engel
Mietspiegel 2021

Dorsten ist das Sauerland an der Lippe: Das hat mit den Mieten zu tun

Wer zur Miete wohnt, der zahlt. Mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens geben die Dorstener für ihre Wohnungsmieten aus. Sie sind aber längst nicht so arm dran wie andere Städter.

Die Caritas hat am Kanal im Stadtteil Hardt 65 Wohnungen gebaut. Wer so hochwertig wohnen und leben möchte, zahlt einen vergleichsweise hohen Preis: 11,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Damit liegt der Mietpreis für die wertig ausgestatteten und nach neuesten Energiestandards gebauten Wohnblocks auf der Hardt über dem Durchschnitt in Dorsten. Auswärtige Mieter wissen die Toplage trotz der Top-Preise aber besonders zu schätzen.

Das Mietniveau in Dorsten stellt sich ansonsten auf den ersten flüchtigen Blick in den gerade vorgelegten Mietspiegel 2021 eher moderat dar. Anders als in den umliegenden Großstädten zahlen die Dorstener zwischen 4,95 und 7,70 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche Kaltmiete. Im Preisvergleich schneidet die Stadt laut Immowelt gut ab. Demnach befindet sich die Lippestadt auf dem Mietpreis-Niveau des Sauerlandes. Und gehört somit „zum Kreis der günstigsten deutschen Mittelstädte“.

Allerdings: In diese Durchschnittspreise sind verschiedene Parameter wie Lage und Sonderausstattung noch nicht eingeflossen, so dass Ausreißer nach oben sehr wahrscheinlich sind. Der Gutachterausschuss hat das in seinem jetzt vorgelegten Mietspiegel für 2021 erläutert.

Laut Gutachterausschuss handelt es sich bei der ausgewiesenen Vergleichsmiete um die Nettokaltmiete ohne umlagefähige Betriebskosten gemäß Betriebskostenverordnung (zum Beispiel Grundsteuer,

Wasserversorgung, Entwässerung, Heizung, Straßenreinigung und Müll,

Sach- und Haftpflichtversicherung u.a.m.). Sie bezieht sich auf die Mieten,

die in den letzten sechs Jahren (2015 bis 2020) entsprechend § 558 Abs. 2

neu vereinbart oder, von Erhöhungen nach § 560 BGB (Betriebskostenpauschale) abgesehen, angepasst worden sind.

Als Grundlage für das Zahlenwerk diente eine Umfrage unter Dorstener Vermietern. Mit zirka 2000 Rückläufen war so laut Gutachterausschuss eine solide Basis für eine statistische Auswertung möglich. „Die ist keine Fortschreibung des bislang gültigen Mietspiegels von 2018, sondern ein vollständiges neues Abbild des Dorstener Mietwohnungsmarktes“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne.

Ein direkter Vergleich zu den Zahlen von 2018 ist nicht möglich

Böhne weist darauf hin, dass ein direkter Vergleich zum alten Mietspiegel aus dem Jahr 2018 wegen der neuen Struktur und einem Betrachtungszeitraum von sechs statt vier Jahren nicht möglich sei. „Es können keine Aussagen zu Mietpreisveränderungen gemacht werden“, so der Stadtsprecher. Gleichwohl werden es Mieter sicher gespürt haben, wie viel ihnen in den letzten sechs Jahren am Anfang des Monats nach Abzug der Miete und der Nebenkosten zum Leben übrig bleibt.

NRW-Mieterbund-Vorsitzender Hans-Jochem Witzke hat in einem Interview mit der Funke-Gruppe gesagt, dass „die viel zu hohen Mieten in Deutschland weiter gestiegen sind“ und fast die Hälfte aller Mieter im Land „mehr als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens für ihre Warmmiete bezahlen“. Forscher sähen darin eine „finanzielle Überlastung“ der Menschen.

Die Dorstener sind laut den neuesten Erkenntnissen im Mietspiegel 2021 verhältnismäßig gut dran. Die Vergleichsmiete wird in zwei Schritten ermittelt: Auf der Basis von vier Baujahrs-Klassen wird ein lage- und objekttypischer Ausgangswert mit Hilfe von Faktoren festgelegt. Dieser wird dann durch ein Punktmodell mit den speziellen Eigenschaften der jeweiligen Wohnung angepasst.

Die Lage hat, das wissen die Mieter auf der Hardt oder in der Altstadt, maßgeblichen Einfluss auf die Miethöhe. Eine herausragende Rolle spielt dabei die Infrastruktur. Verkehrsanbindung, Anbindung an Kindergärten und Schulen, medizinische Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten zählen. So ist Wohnen in Dorsten in der Altstadt und auf der Hardt, in der Feldmark, in Hervest, Holsterhausen und Wulfen kostspieliger als in Altendorf-Ulfkotte, Barkenberg, Deuten, Lembeck, Östrich und Rhade.

260 Wohnungen hat Belvona am Himmelsberg und an der Dimker Allee von der Altro Mondo übernommen, dazu den Wohnungsbestand in Tönsholt. © Guido Bludau © Guido Bludau

Dorsten hat allerdings kaum herausragend „sehr einfache“ oder „sehr gute“ Wohnlagen. Das trifft laut Gutachterausschuss lediglich auf zehn Prozent der Mietwohnungen zu.

Der Mietspiegel „Dorsten 2021“ spiegelt das Niveau der Dorstener Mietabschlüsse wider und ist ab sofort online einzusehen sowie in Kürze auch in gedruckter Form erhältlich.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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