Hermann Twittenhoff erklärt, dass keine Schüler der Klassen 7 bis 13 das Angebot des Distanzunterrichts in der Gesamtschule nutzen. © Claudia Engel
Digitaler Unterricht

Distanzunterricht in der Schule: Kapazitäten und Ausstattung begrenzt

Das Angebot, dem Distanzunterricht in der Schule folgen zu können, ist auf alle Klassen ausgeweitet worden. In Dorsten nutzen das Angebot relativ wenige Schüler. Das hat verschiedene Gründe.

Seit Montag (1.2.) an können Schüler aller Klassen grundsätzlich auch in den Schulen am Distanzunterricht teilnehmen, wenn sie zu Hause nicht das Umfeld dafür haben. Die Unterstützung können die jeweiligen Schulen anbieten.

Hermann Twittenhoff, Schulleiter der Gesamtschule Wulfen, erklärt auf Nachfrage: „In den Jahrgängen 7 bis 13 ist kein Bedarf angemeldet worden. Kein Elternteil hat gesagt, dass die Verhältnisse zu Hause so schlecht sind, dass die Schüler kommen müssen. Umgekehrt hat kein Lehrer festgestellt, dass Schüler nicht am digitalen Unterricht teilnehmen.“

Rechner in der Schule sind knapp

Die schon vorher existierende Betreuung in den Klassen 5 und 6 wird weitergeführt. Die Anzahl der anwesenden Schüler bewege sich im niedrigen zweistelligen Bereich. Diese werden vor Ort durch das nicht-lehrende Personal, zum Beispiel Sozialpädagogen, betreut. Digitale Endgeräte für alle Schüler sind noch nicht vorhanden. Da die Gesamtschule die mobilen Geräte derzeit ausgeliehen hat, um zu gewährleisten, dass alle Kinder ein Gerät zur Verfügung haben, nutzen die Schüler die stationären Rechner in der Bibliothek.

„Wir haben dort 10 bis 15 Rechner, an denen die Schüler ins Netz können. Deshalb haben wir den Eltern gesagt, dass Schüler das Betreuungsangebot nur in Anspruch nehmen können, wenn sie ein mobiles Endgerät mitbringen“, schildert Hermann Twittenhoff die Situation. In Absprache mit der Schulpflegschaft habe die Schule ein sehr komplexes System des Distanzunterrichts entwickelt, jede zweite bis dritte Stunde wird in Videokonferenzen abgehalten, ansonsten kommunizieren die Lehrer mit den Schülern über Messengerdienste und Mails.

Angebot der Geschwister-Scholl-Schule wird kaum genutzt

Die Geschwister-Scholl-Schule hat etwa 20 Eltern angeboten, dem digitalen Unterricht in der Schule zu folgen. „Die Netzwerkleistung ist bei manchen nicht so gegeben, einige haben keinen eigenen Schreibtisch“, nennt Schulleiter Dirk Börger Gründe für die von den jeweiligen Klassenlehrern getroffene Einschätzung, dass die betreffenden Schüler zu Hause dem Unterricht nicht gut folgen können.

Allerdings wird das Angebot bis jetzt in überschaubarem Maße genutzt. „Zum jetzigen Zeitpunkt nehmen das nur zwei Kinder wahr. Jeder sitzt für sich in einem Klassenraum und nimmt an der Videokonferenz teil“, erklärt der Rektor. Er geht davon aus, dass noch mehr Schüler in die Schule kommen werden, wenn sie sehen, wie es bei den Mitschülern klappt. Wenn die Abschlussklassen zum Präsenzunterricht zurückkehren sollten, müsse man noch einmal bewerten, wie man die Räumlichkeiten aufteilen könne.

Grundschulen kennen Probleme des Distanzunterrichts vor Ort

In Grundschulen gibt es schon länger Betreuungsgruppen, in denen Schüler am Distanzunterricht teilnehmen können. „Das Problem in den Grundschulen ist, dass sie in der Regel kein WLAN haben. Wir sind eine Ausnahme“, gibt Herbert Rentmeister, Schulleiter der Agathaschule, zu bedenken. Da digitale Endgeräte fehlen, müssen Schüler, um den Videokonferenzen folgen zu können, eigene Geräte in die Schule mitbringen.

Herbert Rentmeister kennt an der Agathaschule die Schwierigkeiten des Distanzunterrichts vor Ort.
Herbert Rentmeister kennt an der Agathaschule die Schwierigkeiten des Distanzunterrichts vor Ort. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

„An einem Morgen hatten wir drei Schüler drin, dann ist das WLAN zusammengebrochen“, berichtet Herbert Rentmeister. Das Betreuungsangebot in der Schule nehmen etwa zehn Prozent der Schüler wahr. „Im Laufe der Zeit wurden die Gruppen größer“, stellt er fest. Die Kinder werden in der Schule nicht von Lehrern, sondern von anderen Mitarbeitern, zum Beispiel aus dem Offenen Ganztag, beaufsichtigt.

„Die Lehrer sind für das digitale Lernen verantwortlich. Das ist sehr zeitaufwändig, mit einem Zehn-Stunden-Tag kommt man nicht hin“, erklärt Herbert Rentmeister. Die Lehrer müssten dafür ausschließlich ihre privaten Endgeräte nutzen.

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Bastian Becker

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