Unfallschwerpunkt Borkener Straße? Eine harte Nuss für Verkehrsplaner

dzBorkener Straße

Der Unfall an der Borkener Straße vom vergangenen Mittwoch beschäftigt die Anwohner. Ist die Ortsdurchfahrt ein Unfallschwerpunkt? Aus Sicht der Verkehrsplanung ist die Lage verzwickt.

Holsterhausen

, 08.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein 81-jähriger Fahrradfahrer ist am Mittwoch bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw schwer verletzt worden. Die 36-jährige Autofahrerin hatte den Radfahrer übersehen, der laut Polizeibericht von rechts kam und in Richtung Innenstadt unterwegs war, also auf der falschen Seite fuhr.

Auf der Facebook-Seite der Dorstener Zeitung wird seitdem diskutiert, ob dieser Bereich der Borkener Straße in Höhe des Netto-Marktes ein Unfallschwerpunkt ist. „Die ganzen Parkplatzausfahrten auf diesem Teilstück der Borkener Straße sind so verdammt schwer einzusehen, dass es schon einem Lottogewinn gleichzusetzen ist, wenn man da heile wegkommt“, schreibt ein Leser und erhält dafür breite Zustimmung.

Laut Polizei kein gleich gleichgelagerter Fall in 2017 und 2018

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, habe es in den vergangenen beiden Jahren in diesem Bereich „keinen gleichgelagerten Unfall gegeben, der damit zu tun hatte, dass jemand vom Parkplatz gefahren ist“. Bei dem Unfall am Mittwoch habe sich die Autofahrerin behutsam vom Parkplatz auf die Straße vorgetastet. Den von rechts kommenden Radfahrer habe sie nicht gesehen.

Ein anderer Leser und laut eigener Aussage direkter Anwohner schreibt, er erlebe dort „jeden Tag gefährliche Situationen“. Autos würden teilweise mit 80 km/h und schneller über die Borkener Straße brettern. Sein Vorschlag: Bodenschwellen. „30er-Zonen bringen nichts!“

Bodenschwellen sind laut Stadtsprecher Ludger Böhne jedoch „auf einer stark von Schwerlastverkehr genutzten Bundesstraße nicht möglich. Insbesondere für direkte Anwohner würde dies die Lärmentwicklung ins Unerträgliche steigern. Außerdem würden Bodenschwellen eilige Fahrten von Feuerwehr und Rettungswagen behindern.“

Ausfahrender Verkehrsteilnehmer ist zu besonderer Vorsicht verpflichtet

Die Rechtsprechung sei eindeutig: „Da es im Straßenverkehr durch vielfältige Umstände zu Sichtbehinderungen bei Ausfahrten kommen kann, ist der ausfahrende Verkehrsteilnehmer in solchen Situationen zu besonderer Vorsicht verpflichtet. Nötigenfalls, so bekräftigen Gerichte immer wieder, muss er sich sogar einweisen lassen.“

Grundsätzlich erfüllt die Borkener Straße in der Ortsdurchfahrt Holsterhausen zwei Funktionen, die laut Stadt verkehrsplanerisch nur schwer miteinander in Einklang zu bringen sind: „Es handelt sich einerseits um eine Bundesstraße und damit um eine überregionale Verbindungsstraße mit durchfließendem Verkehr. Zugleich ist sie mit ihrem hohen Besatz an Infrastruktur (Läden, Arztpraxen, Kirchengemeinde, Tankstelle, Discounter, Kino) auch eine örtliche Geschäftsstraße mit zu- und abfahrenden Verkehren. Diese doppelte Bedeutung und der damit verbundene Verkehr erfordert von allen Verkehrsteilnehmern ständig besondere Vorsicht und Rücksichtnahme.“

Auch was die parkenden Autos betrifft, ist die Situation verzwickt: „Natürlich behindern parkende Autos auf dem Seitenstreifen ebenfalls die Einsicht“, so Böhne. Die Alternative, sprich die Beseitigung von Parkplätzen, würde in Holsterhausen bei Kunden und Geschäftsleuten aber gleichermaßen auf wenig Gegenliebe stoßen.

Auch ein Entfernen von Straßenbäumen, die natürlich die Einsicht in die Straße beim Verlassen eines Parkplatzes behinderten, sei keine Option. „Gerade an einer solchen Straße sind Bäume unverzichtbar“. Gründe für den Erhalt seien Feinstaubbindung, Lärmschutz, Umwandlung von CO2 in Sauerstoff und Schattenspenden im Sommer.

Fahrradfahrer sollten immer auf der richtigen Seite fahren“

Der Stadtsprecher appelliert: „Insbesondere Fahrradfahrer sollten hier grundsätzlich auf der ‚richtigen‘ Seite fahren und immer bedenken, dass ein- und ausfahrende Autos an Einmündungen und Parkplätzen eine hochkomplexe Situation überschauen müssen, dabei nicht unbedingt an ‚Geisterfahrer‘ auf dem Radweg denken. Umgekehrt sollten Autofahrer die in Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung geforderte ständige Vorsicht und Rücksichtnahme in besonderem Maße walten lassen.“

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