Unterricht zu Hause klappt auch nach einem Jahr Pandemie mal besser, mal schlechter. Das frustriert alle Betroffenen gleichermaßen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Schulumfrage

Digitaler Unterricht zu Hause: Frust bei Lehrern, Eltern und Schülern

Überlastete und überforderte Lehrer, gestresste Eltern und dazwischen die Schüler. Beim digitalen Unterricht hapert es auch nach einem Jahr Pandemie noch mächtig, wie unsere Umfrage zeigt.

Wie die NRW-Landesregierung und ihre Vertretungen vor Ort, die Bezirksregierungen, sich öffentliche Corona-Kommunikation ihrer Schulen vorstellen, kann man in einer Handreichung nachlesen, die vor ein paar Monaten von der Bezirksregierung Münster verschickt wurde.

Darin werden den Schulleitungen vorformulierte Allgemeinplätze angetragen wie „Die enge Absprache zwischen Schule, Schulträger, Gesundheitsamt und Bezirksregierung hat sich zum Schutz aller Beteiligten bewährt“ oder „Das Distanzlernen eröffnet uns neue Möglichkeiten, die wir auch nach der Corona-Pandemie weiterentwickeln wollen“.

An unserer nicht repräsentativen Online-Umfrage zum Thema „Wie digital sind unsere Schulen?“ beteiligten sich 300 Dorstener, hauptsächlich Eltern schulpflichtiger Kinder, aber auch Lehrer und Schüler. Im gesamten Verbreitungsgebiet waren es mehr als 2.200.

Die Umfrage-Teilnehmer hatten auch Gelegenheit, sich schriftlich zu äußern. Einige gingen vor allem mit der Politik hart ins Gericht.

Lehrkaft prangert Schönfärberei an

Eine Dorstener Lehrkaft prangert Schönfärberei an: „Mich ärgert kolossal, dass unsere Bildungsministerin so tut, als ob alles gut läuft und man alles für uns tut. Das ist keineswegs der Fall. Man wird eigentlich total hängen gelassen.“

Fast 80 Prozent der Umfrageteilnehmer aus Dorsten sind der Meinung, die Politik tue nicht oder eher nicht genug, um guten digitalen Unterricht zu ermöglichen.

Eine andere Lehrkraft findet es „traurig, dass in den Medien Lehrer dargestellt werden, als wären sie zu faul oder zu dumm, sich in digitalen Unterricht einzuarbeiten.“ Das Gegenteil sei der Fall.

Das Distanzlernen scheitere an den häuslichen Voraussetzungen der Schüler, schreibt eine andere Dorstener Lehrkraft: „Viele haben keine Geräte oder WLAN, um Videokonferenzen zu absolvieren. Viele Eltern interessiert das auch überhaupt nicht. Andere weigern sich aus Datenschutzgründen, ihre Kinder teilnehmen zu lassen.“ Die Politik habe hier rechtssichere Regelungen versäumt.

Schüler: Mehr Fortbildungen für Lehrer

Eine Schülerin oder Schüler über 16 Jahre schreibt: „Die meisten Lehrer und Lehrerinnen an meiner Schule sind völlig überfordert mit dem Homeschooling“ und erster Ansatzpunkt sollte die Fortbildung der Lehrer sein. In einem anderen Schülerbeitrag wird die Motivation einiger Lehrer infrage gestellt: „Die meisten Lehrer setzen sich mit den technischen Möglichkeiten kaum bis gar nicht auseinander und somit leidet auch die Qualität des Unterrichts. Das sind zumindest die Erfahrungen, die ich gemacht habe.“

Eltern: Teils „tolle Lehrer“, aber auch unterforderte Kinder

Und die Eltern? Beklagen teils Unterforderung ihrer Kinder im Distanzunterricht: „Mein Sohn ist meist nach 10 bis 15 Minuten fertig mit den Aufgaben.“ Bezweifeln, dass im Homeschooling so viel Wissen vermittelt wird wie im Präsenzunterricht. Schlagen vor, flexible Ferientage zu streichen und die Sommerferien später beginnen zu lassen, um versäumten Stoff nachzuholen.

Ein Elternteil einer Grundschülerin ist froh, dass die Tochter „in der einzigen Klasse ist, die Online-Unterricht macht. Das liegt nur an dem tollen Lehrer. Die anderen Lehrer sind wohl nicht so fit am PC. Sie sollten dringend Schulungen machen.“

Ein anderer Elternteil schreibt: Bei digitalem Unterricht wird völlig vergessen, dass Kinder im Grundschulalter ohne Hilfen der Eltern nicht in der Lage sind, daran teilzunehmen.“ Berufstätige Eltern hätten aber nicht die Zeit, permanent dem Kind beim Homeschooling zu helfen. Das sorge für zusätzlichen Stress, wenn der Präsenzunterricht ausgesetzt ist.

Andere betonen, dass soziales Umfeld und Alter der Schulkinder ganz entscheidend seien. Vieles lasse sich kaum allgemeingültig beantworten, worin dann auch die Schwierigkeit für die Politik liege.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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