Die Weichen für das Überleben der Hafenbahn in Dorsten sind gestellt

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Ein Teil des Südstrangs der Hafenbahn im Gewerbegebiet Dorsten-Ost wurde zwar gekappt. Aber: Das drohende Aus der gesamten Strecke ist vom Tisch. Einen Unternehmer freut das besonders.

Dorsten

, 13.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Prellbock riegelt im Industriegebiet Dorsten-Ost seit ein paar Wochen an der Rudolf-Diesel-Straße in Richtung Coca-Cola-Werk einen kleinen Teil des südlichen Gleisstrangs der Dorstener Hafenbahn ab, die Gleise über die Straße sind gekappt.

Doch wer nun glaubt, dass nun etwa auch das in der Vergangenheit immer mal wieder hinaufbeschworene mögliche Aus für das gesamte drei Kilometer lange Hafenbahn-Streckennetz drohen könnte, der irrt gewaltig.

Bugdoll wird bleiben können

„Den wichtigen Nordstrang will keiner aufgeben“, betont Josef Hadick, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Windor“ - weder Politik noch Verwaltung. Und das heißt: Die Firma Bugdoll, die die nördliche Hafenbahn-Strecke vor zehn Jahren vom Grundstückeigentümer „ipe“ gepachtet und mit Windor einen Infrastrukturvertrag zur Nutzung des städtischen Streckenabschnitts abgeschlossen hatte, wird weiter ihr Betriebsgelände an der Rudolf-Diesel-Straße behalten können.

Auch über das Jahr 2022 hinaus. Dann nämlich läuft der Infrastruktur-Vertrag aus. „Wir gehen nun in die Verhandlungen und werden Lösungen finden“, so Haddick, der davon ausgeht, dass das Unternehmen auch „in der kommenden Generation“ ihren Sitz in der Lippestadt behalten wird.

Die Weichen für das Überleben der Hafenbahn in Dorsten sind gestellt

Ein Teil des Südstrangs an der Rudolf-Diesel-Straße wurde gekappt, die Gleisfläche wurde an die Anlieger übertragen. © Michael Klein

Firmenchef Martin Bugdoll ist froh über die Entwicklung, denn „der Standort ist Gold wert“, erklärt er. Sein Unternehmen ist im Auftrag der Bundesbahn vorwiegend nachts in ganz NRW mit mehreren Dieselloks und anderen Schienenfahrzeugen unterwegs, die bei Gleisbauarbeiten eingesetzt werden.

Das Geschäft wird demnächst noch mehr boomen, denn die Bahn hat kürzlich eine Modernisierungsoffensive für ihr Schienennetz angekündigt. Martin Bugdoll kann also auf weitere Aufträge hoffen.

„Emotionen im Spiel“

Noch vor vier Jahren war die Zukunft des Betriebs auf den Prüfstand geraten, der Grund: Teile von Stadt und Politik trugen sich mit dem Gedanken, die Strecke stillzulegen. Sie scheuten die Kosten für die Sanierung des maroden Streckennetzes, das zum größten Teil der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor gehört und das viele Jahre immer nur notdürftig geflickt worden war.

Inzwischen hat bei den Entscheidungsträgern ein Umdenken eingesetzt, was die Wichtigkeit der Strecke angeht, „damals waren wohl auch einige Emotionen im Spiel“, so Josef Hadick. Sogar die mögliche Verlängerung des Nordstrangs in Richtung Speditionshafen könnte Thema werden.

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Denn auch dieser Option würden sich Politik und Stadt nicht verschließen wollen, „abhängig von den ökonomischen wie ökologischen Entwicklungen“, so Josef Hadick. Meint: Wer weiß, ob nicht irgendwann wieder mehr Güter als heute auf dem Schienenweg statt auf der Straße oder auf dem Wasser transportiert werden müssen.

Eine Menge Geld nötig

Fest steht aber weiter: Für die Renovierung der Gleise muss eine Menge Geld in die Hand genommen werden, unlängst noch hat es einen Schienenbruch und Spurverwerfungen geben. „Wir haben der Politik klar gemacht, dass wir ohne eine grundlegende Sanierung auf Dauer nur Geld verbrennen“, so Jürgen Bendisch, der bei Windor federführend für die Hafenbahn ist. Statt der derzeitigen Holzschwellen befürwortet er den Einsatz von Beton, „das ist aber erst mal teurer, hält aber länger“. Noch in diesem Jahr wird sich die Politik mit dem Thema beschäftigen.

Um Fördermittel bemühen

Nach seinen Aussagen wolle sich die Stadt dabei um Fördermittel bemühen, „uns sind zwei, drei Programme bekannt“, die für solche Zwecke aufgelegt worden seien. Grundvoraussetzung aber meistens: Es müssen Güter auf derart geförderten Strecken transportiert werden, was in Dorsten (noch) nicht der Fall ist.

Von einer Förderung abhängig sei auch, ob die Sanierung auf einmal angegangen werden kann, „oder als Acht-Jahres-Plan, jedes Jahr 200 bis 300 Meter“. Der Unterhaltungsaufwand wird jedenfalls kein Pappenstiel: Bendisch geht von 1,3 Millionen Umbaukosten aus, hinzukommen 600.000 Euro für eine mögliche Verlängerung des Nordstrangs.

  • In den Anfangsjahren der Hafenbahn, die vor 50 Jahren eingeweiht wurde, gab es noch einen regen Güterverkehr auf der Strecke, doch im Laufe der Zeit verlagerten sich Frachtguttransporte immer mehr auf die Straße. Auch heute betonen noch fast alle der an den Gleisen liegenden Unternehmen, dass sie keinen Gleisanschluss benötigen, so Windor-Geschäftsführer Josef Haddick.
  • Deswegen schlug Windor der Politik vor, den kleineren 500-Meter-Südstrang an der Rudolf-Diesel-Straße zu kappen und die dortigen Gleis-Grundstücke den Anliegern zu übertragen. Vor allem bei der Coca-Cola-Abfüllanlage, an deren weiterem geschäftlichen Gedeihen die Stadt großes Interesse hat, macht das Sinn. „Da läuft das Gleis mitten durchs Gelände und behinderte bislang die Bewegungsmöglichkeiten, jetzt hat das Unternehmen größere Entwicklungschancen.“
  • Übrigens: Von der Strecken-Sperrung des Südstrangs nicht betroffen ist der Schienenbus-Betrieb von Rainer Plichta, „seine Fahrzeuge können und sollen auch weiterhin die Strecke nutzen“, so Windor-Gechäftsführer Hadick.
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