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Für viele Grundschüler war und ist die Schulmilch ein ständiger Begleiter. Seit Sommer wird sie von der EU nur noch eingeschränkt gefördert. So gehen die Schulen in Dorsten mit dem Thema um.

Dorsten

, 12.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Fast jeder kennt sie aus der eigenen Schulzeit: die Schulmilch. Während einige Kinder damals Tafeldienst hatten, hatten andere eben Milchdienst. Meistens zu zweit ging es beim Pausenklingeln zum Hausmeister, um die Kiste mit Erdbeer-, Vanille- und klassischer Milch sowie Kakao abzuholen. Hin und wieder sammelte die Klassenlehrerin einen festen Betrag ein, mit dem die Eltern zur Finanzierung des Schulmilchprogramms beitrugen.

Den anderen Teil der Kosten trug lange die Europäische Union. Der ursprüngliche Zweck des Programms war es, Kinder und Jugendliche aus der Mangelernährung zu holen. Heute beruft sich die EU auf die gesunden Anteile der Milch. Lange Zeit waren Milch, Kakao, Vanille- und Erdbeermilch Teil des Programms.

Das Schulmilchprogramm wurde eingeschränkt

Das hat sich jedoch geändert. Heute leiden Kinder eher an Übergewicht denn an Mangelernährung. Der hohe Zuckeranteil ist zu einem Problem geworden. Die EU beschloss deshalb, ab dem Schuljahr 2018/2019 nur noch Milch und Kakao mit einem Zuckeranteil von bis zu sieben Prozent zu fördern.

„Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, findet Merle Schmidt-Gahlen, Ernährungsberaterin bei Promeda in Dorsten. Die Milchvariationen für Kinder zu fördern, sei absolut nicht sinnvoll: „Im Endeffekt sind Vanille- und Erdbeermilch ja reine Milch mit Zucker. Wenn wir so viel von gesunder Ernährung sprechen, gibt es einfach keinen Grund, das zu unterstützen.“

Nicht alle Schulen sind Teil des Programms

Ähnliche Gedanken haben sich die Verantwortlichen der Wilhelm-Lehmbruck-Schule gemacht. Sie waren der EU dabei jedoch um einiges voraus, denn die Schulmilch wird dort bereits seit einiger Zeit nicht mehr angeboten, berichtet die Schulsekretärin: „Das war damals ein gemeinsamer Beschluss wegen des hohen Zuckergehalts in den Getränken. Da haben sich dann auch die Eltern für stark gemacht.“ Zudem seien die Milchsorten bei den Kindern in den vergangenen Jahren ohnehin immer unbeliebter geworden.

Die Schulmilch steht auch in Dorsten auf dem Prüfstand

Die Kinder an der Albert-Schweitzer-Schule zapfen ihr Wasser am Automaten. © privat

Ähnlich sieht es auch an der Albert-Schweitzer-Schule aus. Schon lange wird die Schulmilch hier nicht mehr angeboten, berichtet Schulleiterin Burgi Beste: „Dadurch, dass die gesunde Ernährung ein wichtiger Baustein in unserem Schulkonzept ist, wollten wir zuckerhaltige Getränke nicht weiter unterstützen. Kein Kind hat sich da jemals drüber beschwert.“

Die Agatha- und die Augustaschule bieten ebenfalls keine Schulmilch mehr an. Hier war jedoch in erster Linie der hohe Aufwand, der mit der Organisation des Programms verbunden ist, ausschlaggebend, berichten die Verantwortlichen. Der hohe Zuckergehalt war nur ein zusätzlicher Schwachpunkt.

Die Schulmilch steht auch in Dorsten auf dem Prüfstand

Die 1A der Agathaschule trinkt keine Schulmilch. Sie bringen lieber ihre eigenen Getränke mit © Johanna Wiening

Reiner Saft ist ebenfalls ungesund

Statt der früher beliebten Schulmilch geben Eltern ihren Kindern oft andere Getränke mit, berichten die Verantwortlichen mehrerer Grundschulen. Doch auch das ist für das Kind oft ungesund, erklärt Merle Schmidt-Gahlen: „Ein reiner Saft hat teilweise sogar noch mehr Kalorien als die Milch, das ist also ebenfalls ungesund.“

Das beste Alternativ-Getränk zur Milch ist auch heute nach wie vor das Wasser. Die Wilhelm-Lehmbruck-Schule, die Agathaschule, die Albert-Schweitzer-Schule und die Augustaschule bieten aus unterschiedlichen Gründen für ihre Kinder keine Schulmilch mehr an. An allen fünf Schulen haben die Kinder stattdessen die Möglichkeit, Wasser zu bekommen.

Aufklärung ersetzt die Abschaffung

Und auch in den anderen Dorstener Grundschulen gibt es in vielen Klassen Wasserkisten. Dennoch hat sich beispielsweise die Urbanusschule in Rhade dazu entschieden, weiterhin verschiedene Milchsorten anzubieten. Auch Vanille- und Erdbeermilch sind noch im Programm. Lehrer Frank Röger erläutert: „Wir klären bei uns natürlich auch über gesunde Ernährung auf und legen darauf natürlich auch Wert. Aber letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was er daraus macht. Es bekommen ja auch nicht alle Kinder eine Schulmilch, viele bringen auch von zu Hause etwas mit.“

So wie die Urbanusschule halten es viele Dorstener Grundschulen. Die Schulmilch wird meist weiter angeboten und auch die Erdbeer- und Vanillemilch findet sich (zu einem höheren Preis) weiter im Sortiment. Statt auf Abschaffung setzen die Dorstener Schulen wie die Pestalozzi- oder die Don-Bosco-Schule auf Aufklärung in Sachen gesunde Ernährung.

Milch ist eigentlich ein Nahrungsmittel

Was dabei jedoch oft nicht bewusst ist: Die Milch ist kein Ersatz-Getränk. Merle Schmidt-Gahlen erklärt: „Milch wird im Gegensatz zu Wasser, Apfelschorle und Co nicht als Getränk, sondern als Nahrungsmittel angesehen. Sie ersetzt also nicht das Wasser, sondern eine Zwischenmahlzeit.“ Ein weiteres Getränk braucht das Kind also eigentlich trotzdem.

Dass das für die Eltern nicht so einfach ist, kann die Ernährungsberaterin verstehen: „Natürlich ist es immer einfacher, dem Kind eine Fanta mitzugeben, die einfach schmeckt. Wenn man es aber richtig vorlebt und von Anfang an nur Wasser mitgibt, gibt es auch selten Ärger.“

Die gesunden Alternativen, wenn das Wasser nicht schmeckt

Wenn den Kindern das reine Wasser nicht schmeckt, gibt es noch eine Alternative, die weitaus gesünder ist als die Schulmilch: die Schorle. Zum Vergleich: Eine handelsübliche Schulmilch (250 ml) hat 162 Kalorien, die gleiche Menge Apfelschorle dagegen nur 68. Der Tipp von Merle Schmidt-Gahlen: „Man kann bei der Schorle schrittweise den Gehalt des Apfelsaftes reduzieren. Das merken die Kinder meist sowieso nicht.“

Und wer kreativ sein möchte, für den hat Merle Schmidt-Gahlen auch eine Anregung: „Man kann morgens vor der Schule gemeinsam mit den Kindern zum Beispiel eine Orange in das Getränk schneiden. Das sieht lustig aus und ist selbst gemacht, da wird es direkt lieber getrunken und ist dazu noch gesund.“

Ein Punkt ist der Ernährungsberaterin besonders wichtig: „Die Milch muss nicht verteufelt werden, sie ist immernoch ein gutes Nahrungsmittel. Aber sie ersetzt eben eine Mahlzeit und nicht die Apfelschorle und stammt aus einer Zeit, in der Kinder aus der Mangelernährung geholt werden mussten. Dieses Problem haben wir heute wohl nicht mehr.“

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