Die Jagd nach dem „Pferde-Ripper“ von Dorsten, den es wohl nie gab

dzÜberraschende Wende

„Eine Vielzahl von Hinweisen“ hat die Polizei auf der Suche nach dem „Pferde-Ripper“ von Dorsten erhalten. Doch den hat es anscheinend nie gegeben. Es bleiben Fragen.

Dorsten

, 06.10.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Polizeibeamten, die das tote Pferd von Familie Büning am 26. September auf der kleinen Weide an der Borkener Straße in Augenschein nahmen, war die Sache klar. „Übelste Tierquälerei“ schrieben sie später in ihren Bericht. Der Stute sei der Unterbauch „komplett aufgeschnitten“ worden. „Neben weiteren Schnittverletzungen“ sei dem Pferd „unter anderem ein Ohr abgetrennt“ worden.

Kein Fragezeichen, kein Konjunktiv - die Beamten vor Ort waren sich wie andere Augenzeugen ihrer Sache sicher. Jetzt wurden ihre Eindrücke durch das Veterinäruntersuchungsamt in Münster widerlegt: „Es haben sich keine Hinweise auf eine menschliche Gewalteinwirkung ergeben. Die Verletzungen wurden möglicherweise nach dem Tod des Pferdes durch Tiere verursacht.“

Polizei bekam „eine Vielzahl von Hinweisen“

Wie kann man sich so täuschen, selbst auf den ersten Blick, im Schockzustand vielleicht? Und welche Tiere sollen die Stute nach ihrem Tod angefressen haben? „Sicherlich kein Wolf“, sagt Polizeisprecherin Ramona Hörst, die auch passionierte Jägerin ist. Füchse? Oder etwa Lotti, das elf Jahre alte Hängebauchschwein, das auch auf der Weide lebte und mittlerweile woanders untergebracht ist? Es fällt schwer, das zu glauben.

„Eine Vielzahl von Hinweisen“ hatte die Polizei in den letzten Tagen erhalten, bestätigte Ramona Hörst am Dienstag. Den vermeintlichen Pferde-Ripper hatte allerdings niemand gesehen. Wie auch, wenn es ihn nicht gab. Aber von Spaziergängern war zum Beispiel die Rede, die „auffällig“ an der Weide entlanggingen. Und von Autofahrern, die besonders langsam an der Wiese vorbeifuhren.

Extreme Aufgeregtheit unter Tierbesitzern

Alles Hirngespinste offenbar. Ramona Hörst spricht von einer „extremen Aufgeregtheit unter Tierbesitzern“ in Dorsten. Das Wort „Hysterie“ vermeidet sie. Jetzt allerdings sei die Erleichterung in der Öffentlichkeit groß, dass es eine „natürliche“ Erklärung für den Tod von Bahila gibt.

Erleichtert ist auch die Polizei, die bei ihrer Arbeit ungern öffentlichen Druck spürt. Und den gab es. Auch überregionale Medien haben über den Pferdetod berichtet, einige die weinende Besitzerin vor laufender Kamera interviewt, andere den entstellten Tierkörper im Bild gezeigt. Das erzeugt Mitleid, macht wütend.

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Den Druck haben indirekt wohl auch Freunde der Familie erhöht, indem sie ein gut gemeintes „Belohnungs-Konto“ für sachdienliche Hinweise eingerichtet hatten. 2070 Euro waren bis Dienstag auf dieses Konto eingezahlt worden, berichtete Initiatorin Verena van Fülpen. Was nun mit dem Geld passiert, solle Familie Büning entscheiden.

Doch zunächst wird sie auch die neuen Erkenntnisse erst einmal verarbeiten müssen.

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