Die Geschichte von St. Josef fing vor 100 Jahren in einer Notkirche an

Jubiläum in Hervest

Viele Geburtstagsfeiern müssen in der Coronakrise ausfallen, auch die der Hervester Kirchengemeinde St. Josef. Die wird an diesem Samstag stolze 100 Jahre alt.

Hervest

, 11.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
St. Josef Dorsten-Hervest

Der Franke-Bau in Hervest, wie er sich heute präsentiert. © St. Josef

Es ist genau 100 Jahre her, dass in der Hervester Notkirche der erste Gottesdienst gefeiert wurde. Der 11. April gilt als Gründungsdatum der Gemeinde St. Josef. Die Anfänge gehen noch weiter zurück. Norbert Holz, der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, hat die Geschichte zusammengetragen.

Durch den Bau der Schachtanlage Fürst Leopold stiegen die Einwohnerzahl und der Bedarf für ein Gotteshaus in Hervest. Am 11. Juli 1919 beschlossen einige Männer deshalb die Gründung eines Kirchbauvereins.

Grundsteinlegung an der Burgsdorffstraße

Am 30. November 1919 wurde auf dem Kirchengrundstück an der Burgsdorffstraße der Grundstein gelegt. Der Zeche wurde eine geeignete Baracke abgekauft. Die Kosten für die Notkirche beliefen sich auf 67.961 Mark oder 5.642 Goldmark.

Am Weißen Sonntag, dem 11. April 1920, zelebrierte Pfarrer Vissing von der Muttergemeinde in Dorf Hervest gemeinsam mit dem für St. Josef ernannten Kaplan Eiter und dem Rektor von St. Marien ein feierliches Leviten-Hochamt. Somit war die von St. Paulus abgepfarrte Gemeinde St. Josef gegründet.

Notkirche St. Josef

Eine Bergbaubaracke war die Grundlage für die 1920 erbaute Notkirche. Sie hielt immerhin zehn Jahre. © St. Josef

Schnell bildeten sich Vereine in der Gemeinde mit ihren 2200 Mitgliedern wie der Jünglings-, der Elisabeth- oder der Mütterverein sowie die Jungfrauenkongregation. Der Kirchenchor hatte sich schon im Jahr zuvor gegründet.

Zehn Jahre diente die Notkirche ihrer Bestimmung. Aufgrund der leichten Bauweise der ursprünglichen Baracke wurde sie baufällig und musste letztendlich polizeilich geschlossen werden. Eine Übergangslösung wurde im Saal der nahe gelegenen Josefschule gefunden.

Im Frühjahr 1930 begannen die ersten Arbeiten an der neuen Josefskirche. Das neue Gotteshaus sollte 120.000 Reichsmark kosten. Dieses Geld hätte nur für eine Kirche ohne Turm gereicht. Wegen der großen Geldknappheit gingen Bittschriften an den Bischof von Münster um Genehmigung einer Diözesankollekte sowie an andere Einrichtungen.

Baumeister Franke entwarf eine Kirche mit Turm und Keller

Die Briefe fanden ein derart großes Echo, dass schließlich eine Kirche mit Turm gebaut werden konnte. Unter Leitung des Baumeisters Franke aus Gelsenkirchen entstand das neue Kirchengebäude mit einer Besonderheit: Die Kirche ist unterkellert (dient heute als Jugendtreff der offenen Tür). Die feierliche Einweihung fand am 18. Dezember 1930 statt.

St. Josef Hervest-Dorsten

Obwohl das Geld knapp war, konnte sich die Gemeinde einen Turm leisten. © St. Josef

In St. Josef entwickelte sich bis in die heutige Zeit – nicht zuletzt durch die vielen Vereine und deren zahlreiche Mitglieder – ein intensives Gemeindeleben.

St. Josef Hervest-Dorsten

So präsentierte sich das Gotteshaus von innen. © St. Josef

Am 11. März 2017 fusionierten in Hervest die Gemeinden St. Paulus, St. Marien und St. Josef. Die Josefskirche wurde zur Pfarrkirche der neuen Gemeinde St. Paulus, die aktuell 5600 Mitglieder zählt, von denen rund 2800 aus St. Josef stammen.

Zum Jubiläum wird gesammelt: „100 Jahre - 101 Geschichten“

Obwohl wegen der Coronakrise das 100. Jubiläum aktuell nicht gefeiert werden kann, gibt es eine Aktion „100 Jahre – 101 Geschichten“, an der sich jedes Gemeindemitglied und alle, die sich St. Josef verbunden fühlen, beteiligen können.

Ab Ostern kann sich jeder, der eine Geschichte zur Josefsgemeinde und/oder ihrer Kirche erzählen möchte, beteiligen. Beiträge können Schönes, Lustiges, Nachdenkliches, Trauriges oder tolle Erlebnisse bei Gottesdiensten, Festen und Feiern, bei Pfarrfesten oder im Kinder- und Jugendtreff oder in den Verbänden beinhalten. Texte und Fotos können per Mail namentlich gekennzeichnet an das Pfarrbüro (stpaulus-hervest@bistum-muenster.de) geschickt werden - auch per Post oder Einwurf in den Briefkasten: Pfarrbüro St. Paulus, Burgsdorffstraße 154, 46284 Dorsten. Die Beiträge werden gesammelt und nach Pfingsten in der Josefskirche ausgestellt. Einsendeschluss ist der 31. Mai 2020.

Die bisherigen Pfarrer

August Eiter war der erste Pfarrer und blieb 18 Jahre
  • 1920 bis 1938 August Eiter
  • 1938 bis 1949 Aloys Böing
  • 1949 bis 1972 Heinrich Wedi
  • 1972 bis 2002 Erich Bordewick
  • 2002 bis 2009 Henryk Walczak
  • 2009 bis 2014 Lars Hofmann
  • seit 2014 August Hüsing (seit 2017 Leitender Pfarrer der fusionierten Gemeinde St. Paulus)
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