Der Rhader König im Interview: Wie drei Kegelbrüder den Königsschuss planten

dzInterview

Rolf Ritterbach räumt Montag den Schützenthron in Rhade. Im Abschieds-Interview erzählt der amtierende König von Absprachen unter Kegelbrüdern und „Pipi in den Augen“.

Rhade

, 26.07.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein riesiger Fallschirm über dem Schützenplatz im Rhader Forstpark spendete Schutz vor der unerbittlichen Sonne. Mehrere „Rauchen verboten“-Schilder standen als dringend nötige Sicherheitshinweise auf dem Gelände, damit es nicht aus Versehen zu einem Flächenbrand kommen möge. Und die Feuerwehr sorgte mit einer Wasserspende dafür, dass der trockene Waldboden immerhin ein bisschen angenässt war.

Ja, es war heiß in Rhade beim letzten Schützenfest vor einem Jahr. Und ja, es war auch ein heißes Königsschießen, dem Rolf Ritterbach um 14.10 Uhr mit dem 269. Schuss ein Ende setzte.

War der Schuss auf den Vogel seinerzeit eigentlich von langer Hand geplant?

Wenn man nach zwei Versuchen von „langer Hand geplant“ sagen kann, dann ja. Zufällig auf keinen Fall, es war schon der feste Wille dahinter. Wir sind ja zu dritt aus ein und demselben Kegelverein angetreten, jeder fest entschlossen, den letzten Rest des Vogels abzuschießen. Wichtig war nur, einer von uns – egal in welcher Konstellation. Alle Aufgaben und Positionen waren abgestimmt.

Viele Könige sind, wenn der Vogel gefallen ist, von den vielen Eindrücken zunächst überwältigt und realisieren erst später, was passiert ist. Wie war das bei Ihnen?

Ja, das war bei mir sicher ähnlich. Fühlte ich mich eben noch total fokussiert auf die Sache, war ich, als der Vogel am Boden lag, plötzlich völlig frei von jedem Gedanken und funktionierte wie ferngesteuert. Ich war einfach überwältigt von den Dingen, die in kurzer Zeit auf mich niederprasselten. Gratulanten, Fotografen, Musik und du stehst da und denkst nur: „Was geht hier jetzt ab?“

Als dann unsere Nationalhymne erklang, hatte ich vor Stolz ein klein wenig Pipi in den Augen. Realisiert habe ich das ganze erst in der Woche nach dem Schützenfest.

Wer waren Ihre stärksten Konkurrenten?

Wir waren zu fünft im Schießstand und in zwei Lager getrennt. Zwei junge Wilde (Alexander Wuttke und Leon Hosh), beide so um die 20, und wir drei Kegelbrüder. Ich habe immer wieder nur dafür gebetet, dass die Jungs uns nicht den Tag vermiesen, weil für uns, hätte es keinen dritten Versuch gegeben. Das hatten wir so abgesprochen.

Erinnern Sie sich noch an die erste Amtshandlung?

Das war der Besuch beim Königsschießen mit anschließendem Königsfest bei unseren Offizieren, direkt am Dienstag nach Schützenfest.

Wie haben Sie das Schützenfest danach als neuer König wahrgenommen?

Ich denke wie alle anderen Thronmitglieder auch. Wahnsinn, wie einem alle mit Rat und Tat zu Seite stehen und Hilfestellung geben. Ein dickes Lob an unsere Offiziere und den Vorstand. Ihr seid SPITZE!

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen König und Königin?

Sehr gut. Aber die möchte ich gar nicht so hervorheben. Viel mehr war es eine super Teamarbeit von allen Thronmitgliedern.

Der Rhader König im Interview: Wie drei Kegelbrüder den Königsschuss planten

Das Rhader Königspaar mit den Ehrenherren Klaus Ordowski (Ehemann der Königin ) und Uwe Tenbrink (Ehemann der Ehrendame Dagmar) sowie die Ehrendamen Dagmar Tenbrink und Martina Ritterbach (Ehefrau des Königs) . © Schützenverein Rhade

Im Rückblick gesehen: Was hat Ihnen während der Regentschaft am meisten Freude bereitet?

Die Herzlichkeit, mit der wir bei allen Anlässen empfangen wurden, und zu erleben, mit welchem Engagement die Menschen bei der Sache sind, wenn es darum geht, so ein Schützenfest zu planen und zu organisieren.

Würden Sie irgendwann gerne erneut König werden?

Ich denke nicht! Wenn Rhade am Schützenfestmontag einen neuen König hat, endet meine Amtszeit und ich hänge meinem Nachfolger die Königskette genau so stolz um den Hals, wie ich sie 2018 angenommen habe.


Welche Tipps können Sie dem neuen König geben?

Wenn man als König die Kirche im Dorf lässt, treibt es niemanden in den Ruin. Wir für uns haben sofort nach dem Entschluss ein Sparbuch angelegt, auf das wir monatlich einen festen Betrag angespart haben. Als dann der Vogel fiel, war für´s Erste gesorgt. Alle Unkosten wurden zu gleichen Teilen von jedem Einzelnen übernommen.


Außerdem rate ich: Genieße dieses Jahr. Es gibt einige Verpflichtungen, die sich am Ende als Vergnügen herausstellen werden, und die du mit Freude erfüllen wirst. Und: Geh nicht mit zu hohen Erwartungen in das Königsschießen. Umso leichter verkraftest du es, wenn es nichts wird mit der Königswürde.

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