Der Brücken-Irrtum von Dorsten: Wo Menschen sich in Lebensgefahr begeben

dzBrücke abgerissen

Die Stadt Dorsten will den Neubau einer Brücke verschieben, weil sie angeblich niemand vermisst. Doch Spaziergänger begeben sich an dieser Stelle immer wieder in Lebensgefahr.

Wulfen, Lembeck

, 08.10.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kleiner Trampelpfad führt von der Straße Kippheide recht steil hinunter zu den Bahngleisen und jenseits der Schienen wieder hinauf. Immer wieder sind hier offenbar Menschen unterwegs. Sie müssen gut zu Fuß sein - und vielleicht auch ein wenig lebensmüde. Denn regelmäßig kommen Züge vorbei.

Brücke wurde 2016 abgerissen

Früher stand an dieser Stelle eine Brücke aus Stein als Verbindung zwischen den Stadtteilen Wulfen und Lembeck. Doch die war baufällig, wurde 2015 für Autos und landwirtschaftlichen Verkehr gesperrt und ein Jahr später abgerissen.

Auch Daniel Eickmann-Gerland, einst evangelischer Pfarrer in Wulfen-Barkenberg, ist schon über die Gleise gelaufen. „Das soll man nicht machen“, sagte er vor wenigen Tagen in der Wulfen-Konferenz selbstkritisch. Aber der Umweg sei schon gewaltig. Mehrere Zuhörer pflichteten ihm bei, wohlwissend, dass Zäune und Hinweisschilder, die es ja gibt, bewusst ignoriert werden.

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Den Neubau der Brücke will die Stadt nun verschieben, weil das Geld knapp ist und es „beim Tiefbauamt keine Nachfrage nach einem Ersatzbau“ gegeben habe, sagt der Technische Beigeordnete Holger Lohse. Daraus schließt er, dass die Brücke wohl nicht so wichtig ist. Ob die Politik dies auch so sieht, wird sich schon am Dienstag (8. Oktober) im Bauausschuss zeigen.

Der Brücken-Irrtum von Dorsten: Wo Menschen sich in Lebensgefahr begeben

Zäune versperren eigentlich den Bereich, wo früher eine Brücke stand. © Bludau

Lohse jedenfalls macht Druck: „Sprechen sich der Bauausschuss und der Rat am Ende für den Neubau der Brücke im nächsten Jahr aus, müssen Verwaltung und Politik andere Stellen suchen, an denen sie die Mittel in 2020 stattdessen einsparen wollen.“ Es geht um 180.000 Euro.

Hinweise ans Eisenbahnbundesamt weitergeleitet

In der Verantwortung, für mehr Sicherheit an den Gleisen zu sorgen, sieht sich die Stadtverwaltung nicht. „Die Stadt Dorsten ist weder Eigentümerin noch Besitzerin der Schienen“, bestätigte Stadtsprecher Christoph Winkel am Montag. „Das Betreten und Überqueren von Bahngleisen ist grundsätzlich verboten.“

Die Hinweise, dass Menschen auch ohne Brücke die Gleise überqueren, sind nun an das Eisenbahnbundesamt weitergeleitet worden. Das wusste man vorher im Rathaus offenbar nicht. Außerdem sind im Bereich der alten Bahnbrücke Sackgassen-Schilder aufgestellt worden. Winkel: „Wir werden die Beschilderung nochmals überprüfen, damit es nicht zu unnötigen Wegen von Radfahrern und Fußgängern kommt.“

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