Demenzkranke brauchen auch in Coronazeiten Sicherheit und ein Lächeln

dzCoronavirus

Damit ihre Demenz-Patienten sich nicht vor den ungewohnten Schutzmasken erschrecken, hat Ergotherapeutin Michaela Felsner ein Lächeln auf die Maske drucken lassen.

10.05.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lage ist unübersichtlich, das Leben komplizierter als sonst, der Fortgang der Coronakrise ungewiss. Schon, wer geistig fit ist, tut sich gerade schwer damit, sich an neue Regeln des Zusammenlebens zu gewöhnen und sich mit den Einschränkungen abzufinden, die das Virus der ganzen Welt beschert hat.

Ein Ankerpunkt in einem selbstbestimmten Leben

Für Menschen mit Demenz, die die aktuelle Situation nicht verstehen und nachvollziehen können, sind die Auswirkungen häufig noch belastender. Besuche werden weniger, lieb gewonnene Kontakte sind auf Eis gelegt, vertraute Menschen müssen auf Abstand gehen. Michaela Felsner ist seit 20 Jahren Ergotherapeutin und hat sich spezialisiert auf die Versorgung von Demenzpatienten. Seit anderthalb Jahren ist die Lembeckerin selbstständig. Ihre Firma heißt „Anker.Punkt“ und will ihren dementiell erkrankten Patienten genau dies sein: Ein Ankerpunkt in einem selbstbestimmten Leben, das den Erkrankten immer weiter entgleitet.

Viele Demenz-Patienten verstehen die aktuelle Lage gar nicht

Michaela Felsner besucht ihre Patienten normalerweise in Pflegeheimen oder zu Hause. Die Besuche in den Pflegeeinrichtungen fallen wegen der Infektionsgefahr schon seit einiger Zeit weg, aber die Hausbesuche bleiben und lassen sie spüren, wie die Coronakrise bei ihren Patienten und ihren Angehörigen Ängste und Fragen aufwirft. „Die Patienten wissen zum Teil gar nicht, was gerade los ist“, berichtet die Therapeutin. Bei manchen fällt die Tagespflege weg, bei anderen der tägliche Kurzbesuch der Nachbarin.“ Andere dürfen die Enkel oder Urenkel nicht sehen, die womöglich im gleichen Haus wohnen.

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Dann kommt auch noch die vertraute Therapeutin mit Mundschutz, sieht so ganz anders aus als sonst, lacht gar nicht. Das hat Michaela Felsner auf die Idee gebracht, einen ganz speziellen Mundschutz zu entwerfen. „Ich habe mein eigenes Lächeln auf dem Mundschutz.“ Sie hat ein Foto von ihrem Lächeln auf Stoff drucken lassen und sich zwei Prototypen nähen lassen. Inzwischen hat sie ihr eigenes durch ein generalisiertes Lächeln ersetzt, damit’s für jeden passt.

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Auch Angehörige stehen vor besonderen Herausforderungen

Aus der spontanen Einzel-Idee ist mehr geworden: Inzwischen hat Michaela Felsner schon 100 freundliche Stoffmasken mit einem „Allzwecklächeln“ hergestellt, die von ihren Mitarbeitern getragen, aber auch an Kindergärten und Pflegeheime weitergereicht und verkauft worden sind. Felsner wird bei einigen Patienten von Betreuungsassistenten unterstützt, die dafür ausgebildet sind, Menschen mit Demenz zu aktivieren, zum Beispiel durch das Malen oder Spielen, die Begleitung bei Ausflügen oder Spaziergängen.

Michaela Felsner mit dem Anker.Andenkenkoffer, den Angehörige in einem Workshop erstellen, um sich gemeinsam mit dem Erkrankten zu erinnern.

Michaela Felsner mit dem Anker.Andenkenkoffer, den Angehörige in einem Workshop erstellen, um sich gemeinsam mit dem Erkrankten zu erinnern. © privat

Auch in diesen Bereichen sind gerade strenge Grenzen gesetzt. „Das ist auch für die Angehörigen eine besondere Herausforderung“, sagt Michaela Felsner.

Neue Rituale können die ungewohnte Situation beruhigen

Sie hat ein paar Tipps für Familienmitglieder parat, um ihren dementen Familienmitgliedern einen Ersatz für lieb gewonnene Rituale zu bieten: „Schaffen Sie neue Rituale, vereinbaren Sie zum Beispiel ein tägliches Telefonat zur gleichen Uhrzeit. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, sich zum Telefonieren in die Nähe des Fensters zu stellen, aus dem der demente Angehörige hinausschauen kann.“ Dass Besuche in Pflegeheimen jetzt wieder erlaubt sind, wird für viele Familie sehr entlastend sein.

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Wie auch in „normalen“ Zeiten gelte es auch jetzt, die pflegenden Angehörigen nicht aus dem Blick zu verlieren, die ebenfalls durch die Krise Entbehrungen in Kauf nehmen müssen. Damit die auch mal durchatmen können und ein bisschen Zeit für sich haben, hält die Ergotherapeutin auch weiterhin an ihren Hausbesuchen fest. Und wie immer kommt sie mit einem Lächeln ...

Gratis-Masken für gute Ideen

Wo können die lächelnden Gesichter Freude bereiten?
  • Rund um ihre Anker.Punkt Smile Maske lobt Michaela Felsner einen kleinen Wettbewerb aus.
  • Die drei pfiffigsten Ideen für die Nutzung des Smile-Mund-Nase-Schutzes will die Therapeutin mit einer Gratis-Maske belohnen.
  • Gute Ideen können per E-Mail an ankerpunkt@felsner.de vorgestellt werden (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)
  • Wer eine Anker.Punkt Smile-Maske (12 Euro) kaufen möchte, kann sie bei Michaela Felsner telefonisch, 0176 57733440, oder per E-Mail bestellen.
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