Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Das tun Zahnärzte, um ihren Patienten die Angst zu nehmen

dzZahnarztangst

Der Gang zum Zahnarzt ist für viele Menschen mit Angst verbunden. Was tun Dorstener Zahnärzte, um ihren Patienten die Angst zu nehmen?

Dorsten

, 12.01.2019 / Lesedauer: 4 min

„Das Gefühl, ausgeliefert auf diesem Stuhl, links und rechts Menschen mit Geräten, die seltsame Geräusche machen, und das dann direkt vor dem Gesicht. Damit geht es schon los – von Spritze und Bohrer sowie den kleinen Stiften bei der Wurzelkanalbehandlung will ich gar nicht erst reden“, schreibt der Hervester Johannes Holzberg auf unsere Frage „Angst vor dem Zahnarzt – Wovor fürchtet ihr euch am meisten?“ bei Facebook. Die Angst vor Spritzen treibt auch andere Leser um. „Die Spritzen beim Zahnarzt sind mit Abstand die unangenehmsten“, meint eine Leserin.

Der Ursprung der Angst liegt meist in der Kindheit

Mit der Angst vor dem Zahnarzt werden die Dorstener Mediziner in ihrem Alltag häufig konfrontiert. „Viele Menschen sind vor dem Zahnarztbesuch aufgeregt. Von manchen höre ich, dass sie die Nacht vorher schlecht geschlafen haben“, erzählt Klaus Hövelmann. „Bei vielen ist die Angst vor Bohrer und Co. so groß, dass sie jahrelang gar nicht zum Zahnarzt gehen. Der Ursprung von Zahnarztangst liegt bei den meisten Patienten in der Kindheit, weil sie schlechte Erfahrungen mit unsensiblen Zahnärzten gemacht haben“, sagt Zahnarzt Luca Schlotmann. Der Meinung ist auch sein Kollege Oliver Moritz. „Wenn die Behandlung in Kinder- oder Jugendtagen ein traumatisches Erlebnis war, macht es aus diesem Kind von da an einen Angstpatienten.“

Schwierig sei es, wenn die Angst der Eltern auf die Kinder übertragen werde, sagt Oliver Moritz. „Da wird das Kennenlernen des Kindes und der erste Zahnarztbesuch schon schwierig, wenn er denn überhaupt rechtzeitig stattfindet. Gerade ängstliche Eltern sollten ihre angstmachenden Erfahrungen nicht auf den Nachwuchs reflektieren und die Kinder zu den angebotenen Vorsorgeuntersuchungen anmelden, bevor das Karies anfällige Kindergebiss behandlungsbedürftig ist.“

Erstes Gespräch abseits des Zahnarztstuhls

Wie viele Angstpatienten es deutschlandweit gibt, ist ungewiss. Auch die Dorstener Zahnärzte können keine genaue Zahl der Angstpatienten sagen. „Die Anzahl der normalen Angstpatienten in meiner Praxis würde ich auf 40 Prozent schätzen. Echte dentophobe Patienten gibt es weniger, etwa fünf Prozent“, schätzt Oliver Moritz.

Den Menschen die Angst zu nehmen, ist für die Dorstener Zahnärzte in ihrem Alltag essenziell. „Kommen Angstpatienten ohne akute Schmerzen in meine Praxis, versuche ich zunächst, Vertrauen aufzubauen und zurückzuholen. Es ist sicher irgendwann verloren gegangen. Wobei? Was ist schief gelaufen? Was müssen wir tun? Was erwartet der Patient? Was sind seine Nöte? Zuhören, Zuwendung, Empathie und ein schlüssiges Sanierungskonzept, das ist sicher der Schlüssel zum Erfolg und zur Erlangung eines vertrauenden, weniger ängstlichen, mitwirkenden Patienten“, sagt Oliver Moritz. „Der Patient muss mitgenommen werden auf seinem Weg und ihn motiviert und freiwillig gehen.“

Auch bei Luca Schlotmann ist der ersten Behandlung ein Kennenlerngespräch vorgeschaltet, das abseits des Zahnarzt-Stuhls erfolgt. „Der Patient muss Vertrauen zu uns aufbauen, sich verstanden und mit seinen Ängsten ernst genommen fühlen. Wenn der Patient nach dem Gespräch einverstanden ist, führen wir dann noch eine kurze Untersuchung mit Röntgenaufnahmen durch und machen Fotos in unserem Meisterlabor.“

Gefühl von Vertrautheit soll entstehen

Die Atmosphäre in ihren Praxen haben die Dorstener Ärzte im Blick. Klaus Hövelmann hat bei der Gestaltung seiner Praxis darauf geachtet, dass sie gemütlich eingerichtet ist. „Kein Klinikambiente“ sollte entstehen. Auch Luca Schlotmann betont: „Unsere Patienten sollen den Besuch nicht mit furchteinflößenden Assoziationen, sondern mit einem Gefühl von Behaglichkeit, Vertrautheit, Sicherheit und Wohlfühlen verbinden. Daher erinnert beim Betreten der Praxisklinik zunächst nur wenig an eine Zahnarztpraxis: Mithilfe von Zitrusdüften und einer gemütlichen, hotelähnlichen Einrichtung soll bei den Patienten erst gar keine Angst aufkommen.“ Ganz entscheidend sei die herzliche und offene Art aller Mitarbeiter, sagt Luca Schlotmann. „Das ganze Umfeld ist wichtig. Dazu gehört auch der Umgangston zwischen Zahnarzt und Personal“, ist auch Klaus Hövelmann überzeugt.

Viele Zahnärzte greifen bei Angstpatienten auf eine Narkose als Behandlungsmethode zurück. Weitere anerkannte Behandlungsmethoden sind die Lachgastherapie, bei der durch Lachgas die Angst der Patienten unterdrückt werden soll, oder auch die Hypnotherapie, die Patienten in einen tranceartigen Zustand versetzt. „Die leichte Betäubung mit Lachgas ist eine ideale und sichere Methode für kürzere Zahnbehandlungen. Es schmeckt ein wenig süßlich, wirkt schmerzstillend und ist entspannend. So werden alle Ängste gelöst und Unwohlsein und andere unangenehme Empfindungen verschwinden im Nu“, sagt Luca Schlotmann.

Oliver Moritz sieht Lachgas als eine Lösung an, wenn sich ein Kind trotz aller Bemühungen nicht beruhigen lässt oder renitent ist. Aber: „Das Problem ist, dass das Kind/der Patient somit keine positive Erfahrung mit einer dann womöglich auch ohne Narkose schmerzfreien Behandlung machen kann. Die Angst wurde quasi nur schlafen gelegt. Das Kind konnte keine positive – womöglich wider Erwarten positive – Erfahrung machen und hat nichts dazugelernt.“

Am 29. Januar findet in der Praxis Schlotmann, Platz der Deutschen Einheit 8, von 19 bis 21 Uhr ein Info-Abend zum Thema „Angstfrei zum Zahnarzt – Verständnis und Entspannung“ statt. Anmeldung: Tel. 61900
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt