Das sind die Unternehmer des Jahres 2019 in Dorsten

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Zum 15. Mal wird die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres“ in Dorsten verliehen, zum ersten Mal geht der Preis an Vater und Sohn. Weil sie bei allem Erfolg auch „Umweltaktivisten“ sind.

Dorsten

, 11.10.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Natur hat uns nach Dorsten geführt“, sagt Michael Brodmann. Das klingt im ersten Moment etwas merkwürdig. Denn der Firmensitz der Johann Spielmann GmbH befindet sich mitten in einem Industriegebiet.

Doch genau hier fanden Michael Brodmann (58) und sein Sohn Sebastian (33) vor einigen Jahren ideale Bedingungen vor. Für ein Produkt, das unter dem Namen „Stiftsquelle“ bekannt ist. Dorsten hat seit 2013 ein „eigenes“ Mineralwasser.

Familienunternehmen seit 125 Jahren

Die Johann Spielmann GmbH war seit der Gründung im Jahre 1894 immer ein Familienunternehmen, das seit einigen Jahren von Vater und Sohn Brodmann gemeinsam geführt wird. Als „ausgesprochen harmonisch“, beschreibt Michael Brodmann das berufliche Verhältnis. Das private ist es sowieso. „Ich sage aus meiner älteren Brille, wie ich Dinge sehe und Aussagen bewerte, er aus seiner Sicht. Es gibt da überhaupt kein Wettbewerbsdenken.“ Aber eine klare Aufgabenteilung.

Der Vater verantwortet den technischen Teil, der Sohn den kaufmännischen. Konflikte gibt es kaum, betonen beide ausdrücklich. „In der Regel akzeptiere ich seine Entscheidung, weil er die Erfahrung hat. Davon kann auch ich zehren“, sagt Sebastian Brodmann. Umgekehrt vertraut der Vater auch dem Urteilsvermögen seines Sohnes in finanziellen Dingen.

Preisverleihung am 15.11.

Fachkundige Jury

Die Preisverleihung vor mehr als 100 geladenen Gästen findet am 15. November (Freitag) ab 11 Uhr im Gemeinschaftshaus Wulfen statt. Zum 15. Mal vergibt die Dorstener Zeitung die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres“. In der Jury sind auch Vertreter der Stadt Dorsten, der IHK und der Handwerkskammer, der Vereinten Volksbank und der Sparkasse Vest sowie der Preisträger des Vorjahres.

Keine Erweiterung möglich gewesen

Einigkeit bestand auch zwischen Vater und Sohn, den Firmenstandort in Essen, den die Großeltern von Michael Brodmann vor 60 Jahren aufgebaut hatten, zu verlassen. „Unser Betrieb lag mittlerweile inmitten eines Wohngebietes und am Ende einer Sackgasse“, erklärt Michael Brodmann. „Das führte zu unglaublichen Belastungen für die Nachbarn und immer wieder auch zu Konflikten.“

Zehn Meter hinter einer Lärmschutzmauer standen Einfamilienhäuser, an eine Erweiterung des Betriebes war nicht zu denken. „Dann haben wir Wasser gesucht“, erklärt Brodmann senior, „immer mit der Option, welche Flächen haben wir dort.“ In Dorsten und nach unzähligen Probebohrungen fand Familie Brodmann die ideale Kombination aus Qualität und Quantität.

Das sind die Unternehmer des Jahres 2019 in Dorsten

Sebastian (l.) und Michael Brodmann haben in Dorsten den idealen Firmenstandort gefunden. © Julian Schäpertöns

Die ausreichende Wassermenge und den idealen Wassertyp, also extrem kochsalzarm, entdeckte ein Geologe damals im Industriegebiet Dorsten/Marl. Über ein Jahr wurde heimlich gebohrt, gepumpt und analysiert, „dann haben wir allen Mut zusammengenommen und uns für Dorsten entschieden. Das war die richtige Entscheidung.“

In Essen ist nicht viel geblieben

In Essen ist der Deckel auf den Brunnen. Einige alte Gebäude stehen noch, „aber nicht mehr lange“, sagt Sebastian Brodmann. Das Straßenschild, das einst auf den alten Betrieb hinwies, ist abmontiert worden. Nur die zwölf Meter hohe Werbeplane an einem Feuerwehrturm nebenan ist geblieben.

Und der Name. Die „Stiftsquelle“ wurde nach der „Stiftskirche“ auf dem kleinen Stoppenberg in Essen benannt. Sie steht noch immer in Sichtweite zum damaligen Betriebsgelände.

Das sind die Unternehmer des Jahres 2019 in Dorsten

Hunderttausende Flaschen werden täglich in Dorsten abgefüllt. © privat

In Dorsten ist alles anders, nicht nur der Ausblick. Größer vor allem ist es hier, erfolgreicher auch. Mehr als 100 Mitarbeiter arbeiten inzwischen an der Buerer Straße, hunderttausende Liter Wasser werden täglich an die Oberfläche gepumpt und - bis auf die Enteisung - unbehandelt abgefüllt. „Ein Naturprodukt ist das“, sagen Michael und Sebastian Brodmann beinahe ehrfürchtig.

Umwelt-Engagement schon seit vielen Jahren

Das Thema Nachhaltigkeit spielt deshalb eine immer größere Rolle - und hat auch nichts mit Greta oder anderen Öko-Aktivisten zu tun. „Das Umwelt-Engagement ist schon über 30 Jahre alt und vor allem meinem Vater zu verdanken“, sagt der Junior-Chef.

Schon damals wurden mit Regenwasser die Lkw gewaschen und die Toiletten gespült. „Alles in bescheidenem Rahmen, es hat sich nie gerechnet, aber mir hat es Spaß gemacht und die Mitarbeiter haben es mitgetragen“, sagt Michael Brodmann. Es geht ihm und seinem Sohn um das Bewusstsein, dass man „den Rohstoff Wasser schützen muss und dass man, wenn man ein Naturprodukt vermarktet und verkauft, sich auch dafür engagieren muss“.

„Wenn man ein Naturprodukt vermarktet und verkauft, muss man sich auch dafür engagieren.“
Michael und Sebastian Brodmann

Schon immer hat die Johann Spielmann GmbH nach eigenen Angaben neueste Technologien eingesetzt, die seinerzeit nicht verpflichtend waren, um das Unternehmen „ökologisch aufzubauen“. Einfach aus der inneren Überzeugung heraus: Wer der Natur etwas entnimmt, muss ihr auch im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas zurückgeben. Dieses Credo hat das Unternehmen in Dorsten mit noch mehr Nachdruck verfolgt.

Dass auf dem Betriebsgelände in Dorsten auch streng kontrolliertes Bio-Mineralwasser gefördert wird, ist ein Aspekt, der manch einen rätseln lässt: Ist Mineralwasser nicht ohnehin „bio“? Wird es tatsächlich besser, wenn man mehr Parameter untersuchen lässt?

Eine Bio-Zertifizierung ist vielschichtig

„Mit der Bio-Zertifizierung sind ja weitere Standards verbunden, beispielsweise eine Ausbildungsquote, die wir erfüllen müssen“, erklärt Sebastian Brodmann. „Wir müssen dokumentieren und transparent nachweisen, dass wir ökologischen Landbau fördern und aktiv einen Beitrag dazu leisten, die Grundwasser-Reserven vor Nitrateinträgen zu schützen, indem wir zum Beispiel Bauern mit Verbänden in Kontakt bringen.“

Die Johann Spielmann GmbH darf nur natürliche Quell-Kohlensäure und Papier aus nachwachsenden Rohstoffen für die Etiketten einsetzen. „Das ist alles auch mit Kosten verbunden, die das Geldverdienen an dieser Stelle erschweren“, räumt der Junior-Chef ein. Neben dem höheren Einkaufspreis muss auch die Technik umgerüstet werden, „da haben wir viel Lehrgeld bezahlt“, ergänzt der Vater.

Das sind die Unternehmer des Jahres 2019 in Dorsten

Mineralwasser in umweltfreundlichen Tetrapaks, auch das haben Michael und Sebastian Brodmann entwickelt. © Stefan Diebäcker

Einen „hohen Millionenbetrag“ hat die Johann Spielmann GmbH im letzten Jahr in ein Gebinde investiert, das im Wasserbereich „nicht ansatzweise vorhanden“ war. Tetrapaks aus nachwachsenden Rohstoffen machen es nach Ansicht der beiden Geschäftsführer möglich, „ohne schlechtes ökologisches Gewissen unterwegs Getränke zu konsumieren“.

Fuhrpark wird peu à peu umgerüstet

Mitarbeiter im Außendienst fahren Elektro-Autos, inzwischen ist der erste 40-Tonner der Stiftsquelle mit Gasantrieb auf den Straßen unterwegs. „Alle Fahrzeuge, die wir ersetzen müssen, werden einen umweltfreundlicheren Antrieb haben“, versprechen die Firmenchefs. Das nächste Projekt: eine neue Druckluftanlage mit Wärmerückgewinnung.

Für die unabhängige Jury, die sich einstimmig für Michael und Sebastian Brodmann als „Unternehmer des Jahres“ ausgesprochen hat, war das Umwelt-Engagement ein wesentliches Kriterium bei der Wahl des Preisträgers, aber nicht das einzige. Obwohl es sich nicht um einen Traditionsbetrieb mit langer Dorstener Vergangenheit handelt.

„Wir fühlen uns als Dorstener“

In Dorsten sind Michael und Sebastian Brodmann allerdings längst heimisch geworden. Nicht nur, weil sie berufsbedingt mehr Zeit an ihrem Arbeitsort verbringen als an ihrem Wohnort in Essen. Sie unterstützen zahlreiche Veranstaltungen in der Stadt, halten hier wie einst in Essen sogar einen Umweltpreis für denkbar. „Und wenn ich am Wochenende mit meiner Frau im Oldtimer unterwegs bin, dann vor allem in Dorsten“, sagt Michael Brodmann.

In jener Stadt also, die er schon in seiner Kindheit vor allem als Naherholungsgebiet kennengelernt hat. „Wir fühlen uns tatsächlich als Dorstener.“

Unternehmer des Jahres in Dorsten: Hermann Imping & Gerd Kleinespel (2005), Winfried Krukenberg (2006), Ralf Honsel (2007), Rüdiger und Volker Tüshaus (2008), Jürgen Salamon (2009), Josef Elvermann (2010), Stephan Reken (2011), Björn Freitag und Frank Rosin (2012), Christel Heiming-Mechlinski (2013), Gisbert Suden (2014), Clemens Borgmann (2015), Johannes Humbert (2016), Christoph Thier-Essing (2017) und Jörg Meyer (2018).
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