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Zum 14. Mal wird im November der „Unternehmer des Jahres“ in Dorsten gekürt. Diesmal fiel die Wahl auf Jörg Meyer, der in vierter Generation ein erfolgreiches Familienunternehmen führt.

von Christoph Winck

Dorsten

, 12.10.2018 / Lesedauer: 4 min

Wulfen - seit 1949 Standort der Eisengießerei der Franz Kleinken GmbH. Auch wenn die Keimzelle des Familienbetriebes seit 1904 am Westwall in der Mitte Dorstens liegt, ist das Wulfener Werk das Herzstück der Firma Kleinken. Mit einer bewegten Geschichte, nicht immer einfach für die Familie Meyer, die seit Jahrzehnten das Unternehmen leitet. Kurt Meyer, der Großvater von Jörg Meyer, hatte damals bei Kleinken eingeheiratet.

Vor zehn Jahren ist Jörg Meyer, damals 33 Jahre alt, in die Geschäftsführung beim Metallwerk Franz Kleinken eingetreten. Vier Jahre später übernahm er komplett das Zepter von Vater Udo Meyer, ist seit 2012 alleinverantwortlich als geschäftsführender Gesellschafter eines Familienunternehmens. Große Fußstapfen vom Urgroßvater, Opa und Vater, doch der 43-jährige Dorstener füllt sie aus. Und ist Dorstens Unternehmer des Jahres 2018.

Zum 14. Mal ehrt die Dorstener Zeitung den „Unternehmer des Jahres“. Eine unabhängige Jury hat die Wahl getroffen, am 16. November wird der Preis vor geladenen Gästen im Wulfener Gemeinschaftshaus vergeben. Im letzten Jahr ging die Auszeichnung an den Lembecker Lohnunternehmer Christoph Thier-Essing.

Jörg Meyer kennt sie auswendig, die Familiengeschichte. Und er weiß, wem er vieles zu verdanken hat: „Ich möchte das bitte erst mit meinem Vater Udo besprechen. Auch wenn er schon 76 ist und nur noch als Gesellschafter im Hintergrund wirkt, gehört ihm ein großer Teil dieser Auszeichnung.“ Das war die erste Reaktion von Jörg Meyer, als er von der Ehrung zum „Unternehmer des Jahres“ hörte. Wer aber hinter die Kulissen schaut, erkennt schnell: Schon längst hat der Junior das Sagen, führt ein Industrieunternehmen in einer schwierigen Branche durch internationale Gewässer.

Jörg Meyer ist der Unternehmer des Jahres in Dorsten

Jörg Meyer hat inzwischen das Sagen im Unternehmen, das zuvor sein Vater Udo erfolgreich geführt hat. „Ihm gebührt ein großer Teil der Auszeichnung“, sagt Dorstens Unternehmer des Jahres 2018. © Guido Bludau

Und hat zugegriffen, als sich die Chance ergab. Seit dem 1. November 2016 hat das Metallwerk Franz Kleinken die benachbarte M. Schneider GmbH übernommen. Manfred Schneider, einst selbst Lehrling bei Kleinken, hatte im Wulfener Gewerbegebiet Köhl, einen Steinwurf der Eisengießerei Kleinken entfernt, ein profitables Maschinenbau-Unternehmen mit 50 Mitarbeitern aufgebaut. Als feststand, dass die Schneider-Töchter den Betrieb nicht weiter führen werden, war Jörg Meyer zur Stelle.

Vater Udo lobt seinen Sohn für diesen Zukauf: „Ich hatte schon vor zehn Jahren bei Manfred Schneider angefragt, bin aber abgeblitzt. Schneider macht das gleiche wie wir am Standort am Westwall, aber alles mehrere Nummern größer.“

Gegossene Teile werden vor Ort weiterverarbeitet

Jörg Meyer griff 2016 zu. Der Zukauf von Schneider ist die größte Einzelinvestition in der über 100-jährigen Firmengeschichte. „Aber es passt genau. Wir können die am Burenkamp gegossenen Teile nun selbst weiterverarbeiten, unseren Kunden Produkte aus einer Hand liefern“, erklärt Jörg Meyer, warum der Deal für ihn ein zukunftsträchtiges Geschäft war. Alle Mitarbeiter wurden übernommen. „Wir möchten mit Ihnen in die Zukunft gehen“, sagte Jörg Meyer den Schneider-Angestellten, die vom Firmenverkauf nichts ahnten, nach der Übernahme.

Jörg Meyer ist der Unternehmer des Jahres in Dorsten

Mit dem Kauf der Firma Schneider können Gussteile der Firma Kleinken in Wulfen weiterverarbeitet werden. © Bludau

So ist die Verantwortung für den jungen Firmenchef, der in Dorsten mit Frau Nina und den sechsjährigen Zwillingen Nils und Nele am Goldbrink im einst großelterlichen Haus lebt, noch ein Stück größer geworden. In einem schwierigen Marktumfeld. „Bei den Lohn- und Produktionskosten in Deutschland haben wir keine Chance gegen die Serienfertigung in Billiglohnländern. Wir definieren uns über Qualität“, erklärt Meyer.

Und er weiß, dass das Metallwerk Franz Kleinken schon oft durch Täler geschritten ist. Als 1936 das Verwendungsverbot für Kupferlegierungen kam, was die Rüstungsindustrie der Nationalsozialisten förderte. Da wechselte Firmengründer Franz Kleinken, ursprünglich als Bauunternehmer aktiv, mit seiner Frau Huberta Kleinken zur Herstellung von Grauguss, also zur Eisengießerei.

Modernste Technik reduziert Emissionen

Oder als das Wulfener Werk wegen seiner Emissionen ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Investitionen in modernste Filtertechnik reduzierten die Staubemissionen, auch in den Lärmschutz wurde investiert. Aber das Problem der Gießerei-Gerüche hing lange wie ein Damokles-Schwert über dem Betrieb. 2008, Jörg Meyer war gerade vom Assistenten zum Geschäftsführer aufgestiegen, kam die standortrettende Investition: Biofilter im Wert von über zwei Millionen Euro sorgen seitdem für geruchsfreie Luft über Alt-Wulfen. Einem Zufall war es zu verdanken, dass Chemieingenieur Dr. Bickeböller die Lösung gefunden hatte.

Seit diesem Jahrtausend produziert das Metallwerk Kleinken vor allem Gussteile für Dampf- und Gasturbinen, für die Antriebstechnik sowie den Pumpen- und Getriebebau. Und ist dabei breit aufgestellt. „Mehr als zehn Prozent unseres Gesamtumsatzes soll kein Einzelkunde mit uns machen. Das gehört zur Firmenphilosophie“, erklärt der Firmenchef in vierter Generation.

Aber auch hinter anderen Produkten aus den Gussformen von Kleinken stecken spannende Geschichten. In einer Großbratpfanne von Kleinken werden zum Beispiel 10.000 Reibekuchen pro Stunde gebraten. Kleinken liefert Röstteller für Kaffeeröst-Maschinen. „Zwei von drei Tassen Kaffee in aller Welt stammen aus Kaffeebohnen, die in unseren Rösttellern geröstet wurden“, so Jörg Meyer. Das ist ein Wort.

Jörg Meyer hat starke Männer an seiner Seite

Das Metallwerk Kleinken mit der Eisengießerei in Wulfen, den Zerspanwerken am Westwall in Dorsten und bei Schneider in Wulfen macht 20 Millionen Euro Jahresumsatz. Knapp 200 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot. Der Laden läuft auch, weil Jörg Meyer starke Männer an seiner Seite hat. Frank Weber als Betriebsleiter in der Gießerei, Ulrich Althoff als Betriebsleiter bei Schneider und Martin Tillmann als Geschäftsführer. Und Vater Udo, der ab und an im Werk vorbeischaut.

„Wen einmal traf des Eisens Klang tief in sein Herz hinein, der will sein ganzes Leben lang ein Eisengießer sein“, zitiert Jörg Meyer die zweite Strophe des Gießer-Liedes. Bei seinem Vater und Großvater war das so, bei ihm selbst auch. Und natürlich hofft der „Unternehmer des Jahres“, dass auch Nils und Nele vom Klang des Eisens betört werden und irgendwann die fünfte Generation in der Unternehmensführung stellen.

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