Das Heimathaus Hervest an der Glück-Auf-Straße 376 wurde in vielen Stunden aufwändig saniert. Viele Männer verfügen über handwerkliche Expertise. Das zeigt sich an der herausgeputzten Gebäudesubstanz. © Claudia Engel
Altes Backhaus

Das Herz des Heimatvereins Hervest schlägt in einem neuen Haus

Heimatvereine hätscheln ihre Heimatliebe ganz bewusst. Der Heimatverein Hervest hat einen Weg gefunden, ein altes Haus auf Hochglanz zu bringen und Tradition und Moderne zu vereinen.

Es war das Jahr 2014 und dem Heimatverein Hervest war klar: „Wir müssen raus.“ Die Hervester Deele, der alte Bauernhof Schulte-Tenderich, Am Schreinberg 12, sollte nur noch bis zum 31.12.2020 Heimat der 448 Mitglieder des Heimatvereins für Veranstaltungen und Versammlungen sein. „Dass der Mietvertrag dann unweigerlich endet, war uns bewusst“, sagt Hans Fromm.

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Heimatverein Hervest im neuen Heim

„Mit seinen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen fand er an anderer Stelle im Dorf Hervest eine neue Heimat: Das alte Backhaus von Peter Meuser, dem langjährigen Dorfbäcker, bot sich nach dessen Ausscheiden aus dem Berufsleben als zentraler Treffpunkt für den Heimatverein Hervest an. Der Heimatverein Hervest brauchte dann noch sieben Jahre, bis er das Erdgeschoss beziehen konnte. Denn umfassende Sanierungsarbeiten waren nötig.

Handwerkliches Geschick und eine glückliche Hand

Seit diesem Jahr ist das schmucke alte Backhaus an der Glück-Auf-Straße 376 die neue Heimat des Heimatvereins. Der Vorstand ist glücklich und stolz, dass die Mitglieder in ungezählten ehrenamtlichen Stunden das historische und zum Teil marode Gebäude mit viel handwerklichem Können modernen Bedürfnissen angepasst haben.

HV-Vorsitzender Hans Fromm und sein Stellvertreter Volker Schulte-Bunert (r.) freuen sich, demnächst wieder Gäste im neuen Heimathaus begrüßen zu können.
HV-Vorsitzender Hans Fromm und sein Stellvertreter Volker Schulte-Bunert (r.) freuen sich, demnächst wieder Gäste im neuen Heimathaus begrüßen zu können. © Claudia Engel © Claudia Engel

Das Vertrauen in ein Urgestein des Dorfes, Bernd Oberheim, zahlte sich dabei ebenfalls aus. Als Bauleiter sorgte er mit wachem Auge und geschultem Organisationstalent für einen reibungslosen, termingerechten Ablauf auf der Baustelle. „Jetzt haben wir ein Haus, das die nächsten Generationen in Hervest begleiten wird.“

Loslegen konnte der Heimatverein Hervest aber erst, als großzügige Geldgeber und Spender assistierten: „Wir haben 195.900 Euro Zuschuss vom Land bekommen“, sagt Schatzmeister Günter Scheuch. Und: „Als wir 2015 das Haus von Peter Meuser übernommen haben, wurden 120.000 Euro aus Eigenmitteln in den Ausbau der untere Etage (jetzt Tagungsraum) und den Ausbau der Wohnung in der ersten Etage investiert. Peter Meuser hat ein Wohnrecht in der ersten Etage.“

Circa 240.000 Euro hat der Heimatverein insgesamt in den Ausbau der ehemaligen Backstube investiert. Vom Land gab es die Förderung von 195.900 Euro. Der Rest wurde aus Eigenmitteln finanziert. In diesen Betrag ist die Eigenleistung der Mitglieder eingeflossen.

Crowdfunding für ein Archiv mit 80.000 Einzelstücken

Was wäre ein Heimatverein ohne ein Museumsarchiv? Der rührige Heimatfreund Walter Biermann hat dem Verein umfassendes Material aus seinem Bestand übergeben: 80.000 Fotografien, Urkunden, Berichte und vieles andere mehr, das digitalisiert werden muss, wie Fromm und Scheuch sagen.

Für die Einrichtung dieses Archivs hat der Verein mit der Vereinten Volksbank eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Dabei kamen 4725 Euro zusammen. Günter Scheuch: „In diesem Betrag ist die Förderung der Vereinten Volksbank in Höhe von 1520 Euro enthalten.“ Jede Spende ab 5 Euro wurde von der Vereinten Volksbank mit 10 Euro gefördert. Daraus resultieren die bereits erwähnten 1520 Euro.

Geschichte an weitere Generationen weitergeben

Schatzmeister Günter Scheuch, Vorsitzender Hans Fromm und sein Stellvertreter Volker Schulte-Bunert sind sich sicher: „Im Heimathaus können wir so für kommende Generationen die Geschichte des Dorfes lebendig halten.“

Die Uhr vom ehemaligen Hotel Berken in Hervest mit ihren vier Glocken und dem Holzhäuschen fand an der Fassade des neuen Heimathauses in Hervest einen neuen Platz.
Die Uhr vom ehemaligen Hotel Berken in Hervest mit ihren vier Glocken und dem Holzhäuschen fand an der Fassade des neuen Heimathauses in Hervest einen neuen Platz. © Claudia Engel © Claudia Engel

Die alteingesessenen Hervester müssen trotz Angeboten für junge Menschen und Kinder und Jugendliche nicht auf ihr gewohntes Jahresprogramm verzichten: Klönabende etwa, das Treffen der Mittwochsgruppe, die Aktivitäten der Radfahrergruppe, das Heimat-, Spargel- und Erntefest, Adventskranz, Hauptversammlung und Silvesterfeier. „Für die Kinder im Dorf können wir uns vorstellen, ihnen zu zeigen, wie aus dem Korn Brot und Brötchen entstehen“, sagt der Vorstand.

Doch ohne zusätzliche Einnahmen zu den Mitgliedsbeiträgen kann der Heimatverein Hervest nicht überleben. Die Zukunftsplanung geht dahin, dass das Heimathaus für private Feiern und berufliche Treffen oder Tagungen gemietet werden kann: „Nicht für Polterabende, aber gerne für Geburtstage oder Ehejubiläen im Kreis von 25 bis 80 Personen“, so Hans Fromm.

Krawall im oder vor dem Haus kann der Verein nicht brauchen: „An unser Heimathaus grenzen in direkter Nachbarschaft Wohnhäuser an“, sieht sich der Heimatverein in der Verantwortung. Deshalb: „Die Mieter müssen mindestens 30 Jahre alt sein“, sagt der Vorstand klipp und klar.

Tag der offenen Tür nach der Bauabnahme

Dann aber kann im großen Veranstaltungsraum gut gefeiert werden. Hinter der Theke, wo Rolf Fischer mit Freude und Herzblut ehrenamtlich das Bier zapft oder die kühlen Getränke kredenzt, dürfte auch ein Caterer seinen Dienst machen, wenn die Mieter des Heimathauses das wünschen.

Die gute Seele hinter der Theke: Rolf Fischer hat den Überblick über die Getränke und bewirtet die Besucher.
Die gute Seele hinter der Theke: Rolf Fischer hat den Überblick über die Getränke und bewirtet die Besucher. © Claudia Engel © Claudia Engel

Und dann gibt’s über den großen Tagungsraum mit Theke hinaus auch noch die ehemalige gute Stube im Haus. Sie bietet bis zu 25 Gästen Platz. Wer Interesse hat, kann sich unter info@heimatverein.dorf-hervest.de per Mail an den Heimatverein wenden. Offiziell wird das Heimathaus mit einem Tag der offenen Tür für alle interessierten Bürger eröffnet. Das passiert aber erst nach der Bauabnahme durch die Stadt.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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