Interview: Tobias Stockhoff über Verantwortung und die AfD im Stadtrat

dzKommunalwahl 2020

Tobias Stockhoff bleibt Bürgermeister in Dorsten. Im ersten Interview nach der Wiederwahl äußert er sich zu der Verantwortung, die das Wahlergebnis bedeutet, und zum Umgang mit der AfD.

Dorsten

, 16.09.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gab am Sonntag keine rauschende Party. Zwei Tage später geht Bürgermeister Tobias Stockhoff beinahe schon ehrfürchtig mit dem Wahlsieg um.

Herr Stockhoff, mit einem Ergebnis von 76,9 Prozent hatten Sie nicht gerechnet, haben Sie am Wahlabend gesagt. Womit hatten Sie denn gerechnet?

Gehofft habe ich auf den ersten Wahlgang. Still und heimlich habe ich gedacht, dass es schön wäre, das Ergebnis der Stichwahl von 2014 zu wiederholen, also 61,6 Prozent.

Sie sind ein Tiefstapler ...

Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass mehr Menschen den Grünen-Kandidaten wählen. Und ich hatte die Befürchtung, dass es doch mehr Stimmen für den AfD-Kandidaten geben könnte.

Haben Sie eine Erklärung für Ihr Ergebnis?

Da gibt es viele Faktoren: die Coronakrise, die bei allen Amtsinhabern, die das gut bewältigt haben, eine positive Rolle gespielt hat. In Dorsten sicherlich auch der Schug-Effekt. Wenn die SPD eine Kandidatin oder einen Kandidaten gehabt hätte, dann hätte vermutlich keine „7“ vorne gestanden. Aber auch unsere Wahlkampfstrategie war gut: online und in den Sozialen Medien, aber auch vor Ort. Die Menschen hatten, sicherlich auch Corona-bedingt, das Bedürfnis zu reden und Anregungen zu geben.

Wie haben Sie gefeiert?

Meine Parteikollegen haben die Auszählung beim Reiterverein in Östrich unter freiem Himmel verfolgt. Da bin ich um 22.30 Uhr noch hin, wir haben uns ausgetauscht, aber es war durch Corona anders als sonst. Schließlich noch ein Stündchen im privaten Rahmen, das war‘s dann.

Jetzt lesen

Macht die absolute Mehrheit im Rat das „Regieren“ für Sie einfacher?

Das Thema „Absolute Mehrheit“ löst bei allen großen Respekt aus. Ich bin mir mit unserem Fraktionsvorsitzenden Bernd Schwane einig: Da muss man noch mal eine ganz besondere Sensibilität entwickeln. Es wird in den nächsten fünf Jahren noch wichtiger werden, andere Meinungen, Ideen einzubinden, Kompromisse zu suchen. Was nicht heißt, dass es am Ende Konsens-Soße wird, aber ich glaube, dass man diese Mehrheit sehr verantwortungsvoll wahrnehmen muss.

Der Wähler hat entschieden ...

Ja, aber nicht jeder, der CDU gewählt hat, ist davon ausgegangen, dass es am Ende eine absolute Mehrheit gibt. Deshalb ist mit diesem Ergebnis eine große Verantwortung verbunden. Bei wichtigen Entscheidungen ist es immer gut, eine möglichst große Mehrheit zu haben.

Jetzt lesen

Die CDU und Sie lehnen extremistische Parteien ab, heißt es im Wahlprogramm. Zählt die AfD für Sie dazu?

Die AfD ist sicherlich eine Partei aus dem extremistischen Spektrum, insbesondere, wenn man sich handelnde Akteure anschaut. Deren Äußerungen sind sicherlich nicht als mitte-konservativ zu bezeichnen.

Diese AfD ist künftig mit drei Sitzen im Rat vertreten. Haben Sie schon eine Ahnung, was das für die Ratsarbeit bedeutet?

Um das ganz deutlich zu sagen: Ich habe den Wahlkampf der Parteien, die bislang im Rat waren, als sehr fair empfunden. Das heißt nicht, dass man nicht kritisch sein kann, aber der Umgang war menschlich. Das sollten wir auch in Zukunft so machen. Wenn dann einer meint, er müsste ausscheren, dann soll er das tun. Ich glaube, das wird die Bevölkerung sehr schnell wahrnehmen, die Mitarbeiter im Rathaus werden es merken, die Medien auch. Am Ende wollen die Menschen nicht, dass wir uns zerfleischen. Sie wollen, dass wir hart und kontrovers um Lösungen ringen, aber am Ende auch konstruktiv Lösungen finden.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt