Das Baumhaus hat Geburtstag und schenkt Kindern ein Theaterstück

dzCornelia Funke

Vor zehn Jahren hat ein kleiner Verein einer großen Schriftstellerin ein Denkmal gesetzt. Im Cornelia-Funke-Baumhaus sind seither wieder Bücherwürmer und Leseratten gern gesehene Gäste.

Dorsten

, 17.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich erinnere mich noch ganz genau an das wunderbare Gefühl, das sich jedesmal zuverlässig einstellte, wenn ich mit meinem Vater die Wendeltreppe hinaufstieg und mich oben in einem Baumhaus voller Bücher wiederfand.“ Was Cornelia Funke als Dorstener Kind beim Büchereibesuch gefühlt hat, können Kinder und Erwachsene seit ziemlich genau zehn Jahren besonders gut nachempfinden.

Am 14. September 2010 wurde das Cornelia-Funke-Baumhaus eröffnet, mit einem Livestream nach New York, wo die weltbekannte Autorin erstmals aus ihrem damals brandneuen Roman „Reckless“ las. Sie war zur Eröffnung nicht in ihrer Heimatstadt und wird es auch zum 10. Geburtstag nicht sein. Umso lieber erinnern sich die Vorstandsmitglieder des Baumhaus-Vereins an diverse Besuche der berühmten Dorstenerin, die das Baumhaus nicht nur ideell, sondern immer wieder auch finanziell unterstützt hat.

Anni Kappenberg vom Netzwerk Dorsten liest vor begrüßte Cornelia Funke 2013 im Baumhaus.

Anni Kappenberg vom Netzwerk Dorsten liest vor begrüßte Cornelia Funke 2013 im Baumhaus. © Anke Klapsing-Reich (A)

Geburtsort der Idee war die Redaktion der Dorstener Zeitung

Als Anke Klapsing-Reich, zu der Zeit Redakteurin der Dorstener Zeitung, den damaligen Bürgermeister Lambert Lütkenhorst 2008 mit ihrer Idee angesteckt hatte, im ehemaligen Bibliotheksgebäude das Lesen wieder zum Mittelpunkt zu machen, nahm das Projekt Fahrt auf. Cornelia Funkes Dorstener Familie versprach Unterstützung, und die Autorin selbst empfing Lambert Lütkenhorst und seine Frau auf einer Urlaubsreise in Los Angeles und ließ sich ebenfalls für die Idee entflammen.

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Die Stelzen-Immobilie hat die Stadt seinerzeit an die Bauunternehmung IPE verkauft, die das Baumhaus umbaute und es dem Verein seither großzügig zur Nutzung überlässt. Seit zehn Jahren ist das Baumhaus nun ein Ort des Lesens und Vorlesens, an dem Lesungen, Schreibworkshops, Theater- und Literaturprojekte stattfinden.

Anke Klapsing-Reich und Lambert Lütkenhorst auf der Wendeltreppe, die zum Baumhaus führt.

Anke Klapsing-Reich und Lambert Lütkenhorst auf der Wendeltreppe, die zum Baumhaus führt. © Petra Berkenbusch

60 Zuschauer passen in den kleinen Veranstaltungsraum mit Bühne und moderner Ton- und Lichttechnik. Ein Arbeitsraum und kleinere Nebenräume ermöglichen konzentriertes Arbeiten in kleinen Gruppen. Schule, Vereine und Gruppen können dort eigene Projekte durchführen.

Baumhaus gründet zwei neue Theatergruppen

Nach der Corona-Pause laufen die Projekte im Baumhaus jetzt erst wieder vorsichtig an. Eine Erzähl- und eine Theatergruppe für Kinder ab acht Jahren sollen bald starten. „Weil größere Veranstaltungen hier derzeit noch nicht wieder möglich sind“, erklärt Lambert Lütkenhorst vom Förderverein, „haben wir auf eine Geburtstagsfeier verzichtet. Stattdessen schenken wir vom Baumhaus den Dorstener Kindern etwas.“ Auf Auftritte der „Tintenhühner“ und „Die schwarzen Prinzen“ müssen die Fans wohl noch ein wenig warten.

Am 29. September (Dienstag) um 16 Uhr gastiert das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel mit seinem Kinderstück „Gespensterjäger auf eisiger Spur“ in der St.-Ursula-Realschul-Aula. Ein Stück, das auf einem Buch von Cornelia Funke basiert. Von den 200 Karten, die in den freien Verkauf gelangt sind, sind bei der Stadtagentur noch welche zu haben. Sie kosten 6 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder.

Das Baumhaus ist gut vernetzt in ganz Dorsten

Die Aufführung wird möglich durch die Kooperation mit dem Amt für Schule und Weiterbildung und Unterstützung vom Arbeitskreis Jugend. Eine Vernetzung, die dem Baumhaus-Förderverein ein besonderes Anliegen ist. „Wir kooperieren mit vielen Dorstener Einrichtungen und Vereinen“, erklärt Anke Klapsing-Reich. VHS, Kulturbüro, Stadtbibliothek, Musikschule, Kulturkreis St. Marien, Verein für Orts- und Heimatkunde, das Netzwerk Dorsten liest vor - willkommene Mitstreiter im Sinne Cornelia Funkes, die davon überzeugt ist, dass „Lesen tausend Türen im Kopf und im Herzen aufmacht“.

Die ehemalige Schülerin des Gymnasiums hat dazu ihren Beitrag geleistet: Laut Wikipedia sind ihre international erfolgreichen Romane in einer Gesamtauflage von 20 Millionen Büchern in 37 Sprachen übersetzt worden.

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