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Darum sind Gewerbetreibende am Burenkamp gegen die Schließung des Bahnübergangs

dzBahnübergang Burenkamp

Die beabsichtigte Schließung des Bahnübergangs am Burenkamp in Wulfen sorgt bei den Gewerbetreibenden am Brauturm und Burenkamp für Aufruhr. Und nicht nur bei ihnen.

Wulfen

, 13.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Jörg Meyer, Geschäftsführer des Metallwerkes Kleinken, hoffte bis vergangene Woche, dass die Deutsche Bahn Netz AG den Gewerbetreibenden am Brauturm und am Burenkamp ein „Schlupfloch“ am Bahnübergang Burenkamp lässt. Umso enttäuschter ist Jörg Meyer, dass die Bahn dieses ursprüngliche Lösungsangebot an die Geschäftsleute verworfen hat. „Die beabsichtigte Schließung des Bahnübergangs am Burenkamp ist unschön“, sagte er auf unsere Anfrage.

Die Deutsche Bahn Netz AG plant, den Bahnübergang am Burenkamp für immer zu schließen. Aus Kostengründen. Und weil die Bahn „die Sicherheit erhöhen und den Lieferverkehr zu den anliegenden Firmen verbessern“ möchte. Aus sechs möglichen Lösungen hat die Bahn aus Sicht der Geschäftsleute im Gewerbegebiet Wulfen die für sie schlechteste herausgesucht.

Darum sind Gewerbetreibende am Burenkamp gegen die Schließung des Bahnübergangs

Jörg Meyer, Geschäftsführer im Metallwerk Kleinken in Wulfen, ärgert sich über die Pläne der Bahn. © Guido Bludau

Das Metallwerk Kleinken ist diesseits des Bahnübergangs An der Gießerei in Wulfen zu Hause und unterhält jenseits des Bahnübergangs Burenkamp mehrere Lagerhallen. „Wir haben kräftig investiert und 2016 die benachbarte Maschinenbaufirma Schneider übernommen“, erklärt der Kleinken-Geschäftsführer. Die Bahn Netz AG habe ihm in mehreren Gesprächen signalisiert, dass „unser innerbetrieblicher Werksverkehr zur Betriebsstätte und Lagerhalle auf kürzestem Weg“ aufrechterhalten werden könne.

Neben dem Werksverkehr gibt es regen Pkw-Verkehr

In beide Richtungen des Burenkamps herrsche neben dem Werksverkehr von Kleinken aber auch reger Kfz-Verkehr, wie Beobachter am Bahnübergang regelmäßig feststellen können, wenn sich die Schranke senkt. Dann stauen sich die Pkw und Lkw bis zurück zur Hervester Straße, bis der Zug der Nordwestbahn vorbeigefahren ist. Viele Deutener nutzen den direkten Weg zum Rewe-Markt, aber auch die Wulfener Gewerbetreibenden im Westen des Gebietes nehmen die Angebote am Brauturm regelmäßig in Anspruch.

Den Verkehr am Burenkamp hält die Bahn aber nicht für besonders beachtlich, wie sie in ihren Planungsunterlagen verdeutlicht hat. Die Bahn Netz AG geht davon aus, dass dem Verkehr Umwege über die anderen beiden Bahnübergange in Wulfen zuzumuten seien. In ihren Plänen, die zurzeit bei der Bezirksregierung Münster und der Stadt Dorsten offenliegen, schreibt sie von „640 Meter bis maximal circa 1880 Meter Umweg über die nahe gelegenen Bahnübergang-Anlagen Köhler Straße und Weseler Straße (B 58)“.

Der Umweg schlägt sich in der Bilanz nieder

Was für die Bahn nicht die Welt kostet, macht für die Gewerbetreibenden den Unterschied in der Bilanz: „Die Umwege sind für uns ein Riesenaufwand. Das ist mit höheren Kosten für uns verbunden“, sagte Jörg Meyer.

Wie vom Donner gerührt reagierte auch die Geschäftsführerin der Firma Heiming am Burenkamp, Christel Heiming-Mechlinski: „Das gibt‘s doch nicht“, sagte die Wulfenerin auf die Nachricht, dass der Bahnübergang geschlossen werden soll. Aus ihrer Sicht sei das „Wirtschaftsverhinderung“. Denn mit der Schließung des Bahnübergangs sei das Gewerbegebiet abgetrennt vom Rest der Welt.

Darum sind Gewerbetreibende am Burenkamp gegen die Schließung des Bahnübergangs

Christel Heiming-Mechlinski ist eine der Leidtragenden. © Rüdiger Eggert

„Wir haben viele Gespräche mit der Bahn und auch der Stadt Dorsten geführt, damit ein zusätzlicher Weg für die Firmen im Gewerbegebiet geschaffen wird“, so Heiming-Mechlinski. Dass die Bahn sich nun gegen die Interessen der Gewerbetreibenden entschieden habe, wertet die Wulfener Geschäftsfrau als „Katastrophe“: „Wir werden in jedem Fall Einspruch gegen die beabsichtigte Schließung des Bahnübergangs Burenkamp einlegen“, kündigte Heiming-Mechlinski an.

Schließung für das Jahr 2020 geplant

Ein Jahr Zeit gibt die DB Netz AG dem Bahnübergang noch. Allerdings hat die Bezirksregierung in Münster das letzte Wort. Wie Regierungssprecherin Ulla Lütkehermölle sagte, würden beim Planfeststellungsverfahren, das ihre Behörde führt, alle Einwände und Argumente und das Für und Wider für die von der Bahn Netz AG favorisierten Schließungsvariante geprüft.

„Die Planfeststellungsbehörde versucht dabei als Moderatorin, im Wege einer gründlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen und Argumenten möglichst einvernehmliche Lösungen zu finden. Damit wird eine tragfähige Grundlage für eine transparente Entscheidung geschaffen“, so Lütkehermölle.

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Auf das Verfahren setzt auch Max Schürmann, direkter Anlieger des Burenkamp-Bahnübergangs in Wulfen. Schürmann kann nicht nachvollziehen, warum die Bahn zunächst noch mit großem Aufwand einen Eichenwald nahe des Bahnüberganges Burenkamp beseitigt habe, um diesen Bahnübergang, wie ursprünglich beabsichtigt, auszubauen.

„Als im vergangenen Jahr die Kabelarbeiten und Betonschachtarbeiten begannen, wurde die Einrichtung eines neuen Bahnübergangs, zirka 40 Meter nördlich vom jetzigen Bahnübergang, bereits mit großem Aufwand vorbereitet. Zigtausende Euro wurden dafür verbaut. Diese baulichen Arbeiten sind nun obsolet geworden. Diese Wegführung wäre für Pkw sowie Fahrräder und Fußgänger eine Möglichkeit, die jedoch gänzlich verworfen wird“, kritisiert Schürmann.

Eine Verkehrszählung könnte Sinn machen

Ihm sei unverständlich, dass in den Planungsunterlagen „nur von ganz geringen Nutzern des Bahnübergangs ausgegangen wird“. „Eine Zählung könnte Klarheit schaffen“, regt Schürmann an. Für die Zukunft nach der Schließung des Bahnübergangs, den die Bahn 2020 anstrebt, sieht Schürmann schwarz: „Besteht der Bahnübergang nicht mehr, müssen mindestens Wege von mehr als einem Kilometer in Kauf genommen werden. Insbesondere der Umweg über die Hervester Straße macht den Verkehr noch dichter, denn Anlieferungen für das Nahversorgungszentrum am Brauturm können dann nur noch über die Hervester Straße erfolgen.“

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