Coronavirus: Dorstener Unternehmen stellen Produktion um und liefern Spuckschutz

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Einige Dorstener Unternehmen haben ihre Produktion kurzfristig umgestellt. Sie fertigen jetzt Hilfsmittel zur Bekämpfung der Corona-Krise. Die Nachfrage ist riesig.

Dorsten

, 27.03.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitarbeiter der Lembecker Tischlerei Timmermann haben zuletzt kuriose Beobachtungen gemacht. Um die eigenen Angestellten vor dem Coronavirus zu schützen, hätten Unternehmen teilweise selbst einen provisorischen Spuckschutz zusammengezimmert. „Mit Besenstiel und Klarsichtfolie“, wie Jan Schlüter berichtet, der sich bei Timmermann ums Marketing und Produktdesign kümmert.

Die Tischlerei erkannte den Bedarf und stellte die Produktion kurzerhand um. Die hauseigene Fräse wurde umgerüstet und jede Menge Acryglas bestellt. Daraus fertigen die Mitarbeiter derzeit zwischen 15 und 20 Spuckschutze pro Tag.

So läuft zumindest die Maschine in schweren Zeiten weiter. Kürzlich kam eine Lkw-Ladung mit Möbeln für ein Altenheim zurück. Das durften die Arbeiter für die Montage nicht betreten. „Wir machen 60 bis 70 Prozent im Gesundheitsbereich“, sagt Jan Schlüter, „da liegt vieles auf Eis und zieht sich in die Länge.“

Bei Timmermann in Lembeck wurden am Donnerstag rund 20 solcher Hygieneschilder produziert. Die hauseigene Fräse wurde für die Produktion umgerüstet.

Bei Timmermann in Lembeck wurden am Donnerstag rund 20 solcher Hygieneschilder produziert. Die hauseigene Fräse wurde für die Produktion umgerüstet. © privat

Mit Hilfsmitteln für den Corona-Schutz muss es dafür umso schneller gehen. Deshalb gilt: „Abholung 24 Stunden nach Bestellung“, so Schlüter. Ist eine Abholung nicht möglich, liefert Timmermann die Hilfsmittel in der Region kostenfrei aus. Die ersten gingen etwa an die Volksbank Schermbeck, einen Physiotherapeuten in Lembeck sowie mehrere Arztpraxen. Bald dürfte sich allerdings die Materialfrage stellen. „Das Acrylglas wird langsam knapp“, so Schlüter.

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Die Lager von Rexin im Gewerbegebiet Fürst Leopold sind noch gut gefüllt. Auch der Kunststoffhändler stellt seit einigen Tagen Spuckschutze aus Plexiglas her. Die hauseigenen Fräsen laufen teilweise 24 Stunden durch.

Absatz finden die Hilfsmittel in kleineren Mengen bei Apotheken, Ärzten, Tankstellen und im Einzelhandel, wie Rexin-Geschäftsführerin Melanie Schwarz berichtet. „Aber auch Großbestellungen von Sparkassen, Banken und städtischen Ämtern konnten wir verzeichnen.“ Bisher veräußerte Rexin deutschlandweit Spuckschutze im vierstelligen Bereich. „Die Nachfrage ist weiterhin groß“, so Schwarz.

Das Kerngeschäft leidet

Rexins Kerngeschäft sind eigentlich Bausätze für Terrassendächer. „Aufgrund der Corona-Krise ist es auch für uns schwierig, unserem normalen Arbeitsalltag nachzugehen“, sagt Melanie Schwarz. Menschen seien zurzeit vorsichtig, die Bestellungen gingen zurück. Um möglichst auf Kurzarbeit zu verzichten und Arbeitsplätze zu sichern, stelle man nun die Spuckschutze her: „Ein sinnvolles Produkt, das die Ausbreitung der Krankheit verhindert und die Gesundheit schützt.“

Bei der Glaserei Gawlina werden Privatkunden mit Glas-Bestellungen derzeit hinten angestellt. „Die haben aber alle Verständnis, dass wir jetzt für die Gesellschaft da sind“, sagt Robin Gawlina. Denn auch an der Gelsenkirchener Straße läuft die Spuckschutz-Produktion seit Tagen auf Hochtouren.

Auch die Glaserei Gawlina ist in die Spuckschutz-Produktion eingestiegen. Hier montieren zwei Mitarbeiter gerade eine solche Vorrichtung.

Auch die Glaserei Gawlina ist in die Spuckschutz-Produktion eingestiegen. Hier montieren zwei Mitarbeiter gerade eine solche Vorrichtung. © privat

Die Glaserei hat Honsels Lebensmittel- und Getränkemärkte mit den Schutzvorrichtungen ausgestattet sowie Drogerien in Dorsten, Gelsenkirchen und Haltern. „Wir haben uns auch gleich Standardmaße überlegt, damit wir in Masse zum Beispiel für Physiotherapeuten oder Zahnärzte produzieren können“, sagt Robin Gawlina.

Einen Material-Engpass gibt es bei Gawlina nicht. Der Lieferant kommt teilweise noch abends um 23 Uhr mit Nachschub vorbei. Robin Gawlina arbeitet aber schon an einer anderen Lösung: „Wir suchen nach einem geeigneten Sicherheitsglas für Theken. Kunststoff ist da auf lange Sicht nicht optimal.“ Der Werkstattbetrieb kann so derzeit normal weiter laufen. „Wo die Reise einmal hingeht“, sagt Robin Gawlina, „das wissen wir nicht.“

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