Coronavirus: Reisebüros sind trotz Schließung für ihre Kunden da

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In Zeiten von Corona gibt es unzählige offene Fragen. Welche Geschäfte geöffnet haben dürfen und welche nicht, ist manchen unklar. So gehen Reisebüros mit der unklaren Lage um.

Dorsten

, 18.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Telefon klingelt unentwegt im Reisebüro Vospohl. Die Kunden stürmen trotz des Coronavirus‘ in das Büro und wollen Informationen. So war die Lage zumindest am Dienstag noch.

„Eigentlich sollen die Menschen ja zu Hause bleiben, aber sie kommen trotzdem, weil die Ungewissheit so groß ist“, sagt Lara Erhardt, Mitarbeiterin im Reisebüro Vospohl. Andere Reisebüros hatten in der Dorstener Innenstadt bereits am Dienstag geschlossen, darunter Hapag Lloyd und das Deutsche Reisebüro.

Das Hapag-Lloyd Reisebüro und das Deutsche Reisebüro in der Dorstener City haben wegen des Coronavirus‘ bereits geschlossen.

Das Hapag-Lloyd Reisebüro und das Deutsche Reisebüro in der Dorstener City haben wegen des Coronavirus‘ bereits geschlossen. © Laura Schulz-Gahmen

Lage für Inhaber nicht eindeutig genug

Im Reisebüro Vospohl galten am Dienstag noch veränderte Öffnungszeiten. Aber am Mittwoch hatten sich auch die Inhaber dazu entschlossen, zu schließen. „Das heißt aber nicht, dass wir nicht mehr für unsere Kunden da sind“, sagt Reisebüro-Inhaber Michael Vospohl. Am Telefon beantworten Chefs und Mitarbeiter des Reisebüros alle Fragen ihrer Kunden.

Insgesamt sei die Situation nachvollziehbar, aber eindeutig sei sie für Reisebüros nicht. „Reisebüros sind ja eigentlich keine Einzelhändler, wir zählen zu den Dienstleistern und wurden nicht explizit genannt“, sagte Michael Vospohl am Mittwoch gegenüber der Redaktion.

Insgesamt hoffe er, dass die Zahl der Menschen, die konsequent auf Kontakt zu Mitmenschen verzichten, noch steigen wird. „Viele halten sich trotz aller Forderungen nicht daran, obwohl man vieles über Mails und Telefon regeln kann“, so Michael Vospohl.

Weltweiter Reisestopp bis zum 27. März

Viele Reiseveranstalter stornieren von sich aus im Moment alle Buchungen aufgrund des Reisestopps bis zum 27. März. „Alltours, Tui, Fti und Schau ins Land haben weltweite Reisen gestoppt“, sagt Lara Erhardt. Pauschalreisen werden nach Aussage der Reisebüro-Mitarbeiterin erstattet. Das könne allerdings ein bisschen dauern, „Minimum 14 Tage, bis mal Geld auf dem Konto ist.“

Die meisten Veranstalter würden auch Hotelbuchungen als Pauschalreise behandeln. Heißt: Auch diese werden vom Veranstalter erstattet.

Bei Einzelbuchungen Airline anrufen

Wenn jemand nur einen Flug gebucht hat, ist die Lage nicht eindeutig. „Welche Flüge erstattet werden, ist Ermessenssache der jeweiligen Airline“, so Lara Erhardt. Pauschal könne dazu keine Aussage gemacht werden.

Claudia Vospohl war am Dienstag noch für ihre Kunden im Reisebüro.

Claudia Vospohl war am Dienstag noch für ihre Kunden im Reisebüro. © Laura Schulz-Gahmen

Reiserücktrittsversicherungen greifen nicht, wenn jemand aus Angst vor Corona nicht verreist. „Eine Reiserücktrittsversicherung greift im Krankheitsfall“, sagt die Mitarbeiterin. Derzeit gebe es im Reisebüro viele Stornoanfragen von Kunden. „Es wird sogar schon nach Reisen im Oktober oder November gefragt, dabei wissen wir ja selbst nicht, wie die Lage nach dem 27. März sein wird. Auch wir haben keine Glaskugel, mit der wir in die Zukunft schauen können“, so Lara Erhardt.

„Die Situation ist schwierig, werden es aber überstehen“

Auch im Reisebüro Seahoi sei die Lage „dramatisch“, wie Geschäftsführer Özer Öner meint, aber derzeit gehe man davon aus, dass man die Situation gut überstehen werde. „Die Situation ist einfach schwierig und durch die Dynamik, die der Virus mit sich bringt, einfach nicht einschätzbar“, so Özer Öner.

Das Reisebüro hatte bis Dienstag geöffnet. Am Mittwoch blieben auch bei Seahoi die Türen zu. Die beiden Geschäftsführer, Özer Öner und Sebastian Fularzik, sind zwar im Reisebüro, arbeiten allerdings nur noch telefonisch.

Ein Kunde sitzt in Asien fest

Für einen akuten Fall sucht das Team von Seahoi zurzeit eine Lösung. Denn er sitzt in Asien fest. „Eigentlich wollte er eine Rundreise machen und kommt nun nicht mehr weiter. Wenn er Glück hat, kann er noch umbuchen, aber weil er individuell gebucht hat, heißt keine Pauschalreise, ist nicht sicher, ob er etwas oder wie viel er erstattet bekommt“, so Sebastian Fularzik. „Wir suchen derzeit noch nach Lösungen für unseren Kunden.“

Auch das Reisebüro Cosanne in Lembeck hat für Publikumsverkehr geschlossen, teilte Friedrich Cosanne der Redaktion mit. Beratung findet nur noch per Telefon oder Mail statt. Das könne praktisch ohne Fremd-Personal geschehen.

Internetbucher treten nun an Reisebüro heran

Interessant sei, dass jetzt Leute, die im Internet gebucht haben, an das Reisebüro Cosanne herantreten und kostenlose Hilfe beanspruchen. Das könne und wolle das Unternehmen nicht leisten, so Cosanne.

Friedrich Cosanne habe seinen Mitarbeiterinnen jedoch in der vergangenen Woche zugesagt, dass er zunächst für drei Monate das volle Gehalt ausbezahle - auch ohne Arbeitsleistung. „In der Hoffnung, dass ich nach Beendigung der Krise auch etwas an Arbeitsleistung zurückbekomme“, so Cosanne.

Keine Einkünfte - nur noch Kosten

Im Reisebüro gebe es keinerlei Einkünfte mehr - nur noch Kosten. Allerdings brauche Inhaber Friedrich Cosanne seine Konten deshalb nicht zu überziehen. Kurzarbeitergeld sei bereits beantragt. Das gebe es nur für sozialpflichtig Beschäftigte. Allerdings habe er in seinem Reisebüro in Lembeck auch keine anderen Arbeitskräfte. „Mit dem Laden warten wir noch mal, was mit Lotto wird. Als Zeitungsverkäufer dürfen wir noch offen halten“, so Friedrich Cosanne über die mögliche Schließung des Lottoladens.

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