Abi verschoben: Lehrer in Dorsten zurückhaltend, Schüler zwiespältig

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Die Abi-Prüfungen finden wegen der Corona-Krise frühestens ab 12. Mai statt. Während sich die Schulleitungen mit Einschätzungen noch zurückhalten, sind die Meinungen der Schüler zwiespältig.

von Stefan Diebäcker, Paul Kahla

Dorsten

, 31.03.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wochen vor den Abiturprüfungen sind für Schüler Anlass, um sich zu verabschieden und das Ende der Schulzeit zu feiern. Doch in diesem Jahr macht das Coronavirus ihnen einen Strich durch die Rechnung. Ihr letztes „richtiges“ Schul-Stündlein hatte schon am 20. März geschlagen. Und die Abiturprüfungen hat das Schulministerium um drei Wochen verschoben, sie sollen nun zwischen dem 12. und 25. Mai stattfinden.

Das ist der aktuelle Stand, der sich allerdings auch wieder ändern kann. Und das wiederum erklärt die Zurückhaltung einiger Schulleiter bei einer Bewertung. Wir haben aber auch Schüler von drei Dorstener Schulen nach ihrer Meinung gefragt, nachzulesen in unserer Fotostrecke:

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Was Schüler über die Abi-Verschiebung denken

Die Abi-Prüfungen starten in diesem Jahr wegen der Corona-Krise voraussichtlich erst am 12. Mai. Das sagen Schülerinnen und Schüler von drei Dorstener Schulen dazu.
31.03.2020
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Reichen die neu gewonnenen drei Wochen aus, um sicher zu sein, dass alle Schüler die Prüfungen so gesund verlassen, wie sie sie betreten? Was passiert, wenn noch mehr Menschen sterben? Diese Unsicherheit ist ein unschönes Gefühl, wenn man sich auf die wohl wichtigsten Klausuren vorbereitet. Ich finde es richtig, das Abitur durch Prüfungen zu erlangen, aber ich bin mir unsicher, ob dieser Weg momentan der Richtige ist. Ich möchte mich während der Abiklausur völlig auf diese konzentrieren und nicht die Angst vor dem Virus im Hinterkopf haben. (Philiene Wickler, Gymnasium Petrinum)© privat
"Die Verschiebung der Abiturprüfungen in diesem Jahr war eine richtige Entscheidung. Der Wegfall der Abweichprüfungen und die verlängerte Lernzeit sind positiv für uns. Jedoch wird durch den Aufschub die Prüfungsphase verkürzt und die Prüfungen werden enger beieinander liegen. Eine Verlegung in das nächste Jahr könnte bestehende Zukunftspläne gefährden. Wir werden in dieser Zeit vor eine Ausnahmesituation gestellt, die aber auch vielen eine Chance auf ein besseres Abitur ermöglicht.” (Jan Heppner, St.-Ursula-Gymnasium)
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"Ich empfinde diese Vorkehrung als sehr positiv. Zum einen wäre es unfair, die Prüfungen in den kommenden Wochen schon zu schreiben, da der Unterricht stark verkürzt wurde. Die neue Regelung bietet uns die Möglichkeit, noch nicht abgeschlossene Themen zu beenden und das bisher Gelernte zu vertiefen. Zum anderen trägt die Verschiebung hoffentlich dazu bei, die Ausbreitung des Virus' weiter einzudämmen." (Jill Müller, St.-Ursula-Gymnasium)
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“Wir haben zwar nun mehr Zeit zum Lernen, jedoch hat diese Entscheidung relativ lange auf sich warten lassen. Außerdem entfallen wahrscheinlich auch alle Feierlichkeiten, wie beispielsweise unser Abiball. Darüber hinaus sind viele Kurse auch noch nicht mit dem vorausgesetzten Lernstoff fertig geworden. Ich finde es wäre hilfreich gewesen, wenn mehr Transparenz geherrscht hätte und eine endgültige Entscheidung früher getroffen worden wäre.” (Noah Mann, Gymnasium Petrinum)
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“Die Verschiebung der Abiturprüfungen verbessert unsere Situation, ist jedoch auch nicht die beste Lösung. Doch was soll man in solch einer Zeit schon als "beste Lösung“ ansehen? Für manche ist die längere Vorbereitungszeit alleine zu Hause ein Vorteil, für andere ein Nachteil. Ich hoffe, dass alle gut durchs Abitur kommen und sich, der Situation entsprechend, nicht zu verrückt machen." (Jolene Rademacher, Gesamtschule Wulfen)
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“Dass die Abiturprüfungen verschoben werden, finde ich positiv, da die Alternative gewesen wäre, sie ausfallen zu lassen. Dann hätte es sich so angefühlt, als würde meine Schullaufbahn ohne wirklichen Abschluss enden. Jetzt habe ich mehr Zeit zur Vorbereitung und somit weniger Zeitdruck und Stress. Allerdings ist es fragwürdig, ob sich die Corona-Krise drei Wochen später soweit gelegt hat, dass die Prüfungen stattfinden können. Ich würde lieber keine Abiklausur schreiben, als eine Bedrohung für die Gesellschaft darzustellen.” (Lara Funke, Gymnasium Petrinum)
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“Dass es sich zurzeit um einen noch nie dagewesenen Ausnahmezustand handelt, ist allen klar, weswegen bei den Abiturprüfungen nicht so getan werden darf, als hätten wir uns unter normalen Bedingungen vorbereiten können: Themen müssen selbstständig erarbeitet werden, Lerngruppen können sich nicht treffen, Familien geraten in Existenznot. Deswegen ist die Verschiebung des Abiturs um drei Wochen ein richtiger Schritt. Aber wer weiß, ob sich die Situation bis dahin so beruhigt hat, dass man ohne Angst vor Ansteckung die Prüfungen schreiben kann?” (Ruth Nitsche, Gesamtschule Wulfen)
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“Die Allgemeine Hochschulreife ist eine Anerkennung für die von Schülerinnen und Schüler erbrachte Leistung und sollte nicht verschenkt werden. Die freie Zeit und die moderne Technik machen es einfacher denn je, unterrichtet zu werden, sich mit Lehrern auszutauschen und sich auf drei schriftliche und eine mündliche Prüfung vorzubereiten. Die Argumentation gegen die Expertenmeinungen, dass das Risiko zu groß sei, finde ich persönlich einfältig.” (Maximilian Klapheck, St.-Ursula-Gymnasium)
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Norbert Hohmann von der Gesamtschule Schermbeck, die auch von vielen Dorstener Kindern besucht wird, will sich „an Spekulationen nicht beteiligen“. Pläne für die nächsten sechs bis sieben Wochen zu entwickeln, ergebe keinen Sinn. „Sobald eine konkrete Basis für weitere Planungen vorliegt, werden wir diese zügig umsetzen.“

Konkrete Vorgaben erwartet

Auch Markus Westhoff (Gymnasium Petrinum) wartet auf „konkretere Vorgaben zur neuen Terminierung“. Im Einzelfall müsse man wegen der wohl verkürzten Korrekturzeit schauen, wie man für Entlastung betroffener Lehrer sorgen könne. „In jedem Fall werden wir alles dafür tun, unsere Schüler in dieser besonderen Lage bestmöglich zu unterstützen.“

Sollte der Zeitplan aufgrund der Pandemie nicht weiter verschoben werden, gibt es einen dichten, arbeitsamen Mai und Juni, ahnt Hermann Twittenhoff (Gesamtschule Wulfen). „Aber darüber verlässliche Aussagen zu treffen, ist fast so treffsicher wie Lotto zu spielen.“

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In der elften Schul-Mail des Ministeriums, die am Montag verschickt wurde, wird bestätigt, dass das Abitur des Jahrgangs 2020 in allen Bundesländern anerkannt wird. Das findet auch die Leiterin des Gymnasiums St. Ursula, Elisabeth Schulte Huxel, wichtig.

„Sollte der Unterricht nach den Osterferien tatsächlich wieder starten, so werden wir alles tun, was der Infektionsschutz vorschreibt“, verspricht sie. „Es wäre aber leichter, an einigen Tagen 125 Abiturprüfungen in einem großen, ansonsten menschenleeren Gebäude zu organisieren, als den Schulbetrieb mit etwa 900 Schülern und 70 Lehrern von heute (Kontaktverbot) auf morgen (totale Aufhebung des Kontaktverbotes?) zu starten.“

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