Coronavirus: Hotel Humbert signalisiert mit leeren Stühlen: #gastaus

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Nanu, was ist denn da los? Diese Frage dürften sich einige Autofahrer am Freitag gestellt haben, als sie am Hotel Humbert in Wulfen vorbeifuhren. Vor der Tür standen leere Stühle.

Wulfen, Dorsten

, 24.04.2020, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bernd Humbert jr. machte am Freitag bei der landesweiten Aktion des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga #gastaus mit. „Wir stellen leere Stühle vor unser Haus als Symbol dafür, dass unsere wirtschaftliche Grundlage wegen der coronabedingten Schließung existenziell bedroht ist“, sagt Humbert auf Anfrage.

Bernd Humbert und seine Mutter Renate Humbert haben vor ihren Hotel an der B58 Zeichen gesetzt: leere Stühle als Symbol für die coronabedingte Schließung der Hotels und der Gastronomie.

Bernd Humbert und seine Mutter Renate Humbert haben vor ihren Hotel an der B58 Zeichen gesetzt: leere Stühle als Symbol für die coronabedingte Schließung der Hotels und der Gastronomie. © Guido Bludau

Das Hotel Humbert ist ein Traditionshaus an der Dülmener Straße in Wulfen (B58) und wird seit fast 200 Jahren in Familienhand geführt. Mittlerweile ist die sechste Generation am Ruder. Durch die Schließung ihres Hauses ist die Familie Humbert, wie viele anderen Gaststätten- und Hotelbetreiber deutschlandweit auch, massiv gefährdet.

Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen

Die beschlossene Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent als erste Hilfe auf dem Weg zurück in den Alltag wird von den Gastronomen begrüßt. Dass die Steuererleichterung aber nur für ein Jahr gelten soll, wird kritisch betrachtet: „Die Verluste, die uns entstanden sind, können wir in solch einer kurzen Zeit gar nicht kompensieren“, sagt Humbert.

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Bis August 2020 seien vorsorglich alle Veranstaltungen im Haus Humbert storniert worden: Tauf-, Hochzeits- und Trauerfeiern mit bis zu 100 Personen pro Veranstaltung musste das Hotel Humbert zwangsweise wieder aus dem Terminkalender streichen.

Branche wurde als erste geschlossen

Zur Aktion #gastaus, zu der der Dehoga am Freitag aufgerufen hat, sagte deren Präsident Bernd Niemeier: „Die Branche wurde als erste geschlossen und wird als letzte wieder öffnen.“ Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die 51.000 Betriebe in Nordrhein-Westfalen mit ihren über 400.000 Beschäftigten und rund 10.000 Auszubildenden seien verheerend. Das Aus von Zehntausenden Betrieben könnte bittere Realität werden.

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Lockerungen werden nicht ausreichen

Der Dehoga geht davon aus, dass anstehende Lockerungen nicht alle Betriebe betreffen werden und weist darauf hin, dass sie kein Allheilmittel sind, weil viele Stühle, Tische und Betten weiterhin leer bleiben werden: Mindestabstände in Gaststätten, erhöhte Hygiene-Anforderungen, ausfallende Großveranstaltungen wie Messen oder Konzerte, ein lahmender Geschäftsreiseverkehr und verunsicherte Gäste werden auf viele Monate hinaus dafür sorgen, dass selbst Umsätze von 50 Prozent des „normalen“ Niveaus eine Illusion bleiben.

Dehoga fordert weiterhin und zusätzlich ein eigenes Rettungspaket für Gastronomen und Hoteliers. „Die Liquidität ist in vielen Betrieben aufgebraucht. Deshalb brauchen wir eine Überbrückung, bis die Umsätze die Kosten wieder ausgleichen können“, so Niemeier.

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