Händler versorgt Näherinnen an Haustür günstig mit begehrten Bändern

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Bänder für Mund-Nase-Masken sind in der Coronakrise Mangelware. Ein Markthändler aus Dorsten hat sie, darf sie aber nicht auf dem Wochenmarkt verkaufen. Die Kunden kommen zu seiner Haustür.

Dorsten

, 09.04.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein Marktstand mit den Kurzwaren wäre in diesen Tagen sicherlich dicht umlagert. Denn Markthändler Uwe Gwiasda aus Dorsten hat ein Produkt im Angebot, das in Zeiten der Coronakrise händeringend nachgefragt wird: Gummibänder, die beim Nähen der Mund-Nase-Masken benötigt werden.

„Doch leider darf ich auf dem Wochenmarkt derzeit nicht verkaufen“, sagt der Holsterhausener. „Weil ich nicht zu den Grundversorgern gehöre.“

Fast 400 Packungen sind weg

Aber da Uwe Gwiasda weiß, wie dringend derzeit der Bedarf bei den fleißigen Näherinnen ist, veräußert er seine Ware bei sich daheim an der Haustür, als „Retter der Maskennäherinnen“: Gummilitzen in unterschiedlichen Breiten, aber auch Schrägbänder, mit denen die Masken rundherum eingefasst werden. „300 bis 400 Packungen sind schon weggegangen“, sagt er.

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An Kundinnen wie Nadja Vennemann, die derzeit ehrenamtlich für den Hansa-Pflegedienst im St. Elisabeth-Seniorenzentrum solche Masken anfertigt. Zehn Päckchen zu je fünf Meter Gummiband hat sie gekauft, „das reicht für mindestens 100 Masken“, sagt sie, als sie am Mittwoch die heiß begehrte Ware erhält.

„Horrende Preise im Internet“

Auch Daniela Sauer, die Mund-Nase-Masken für ihre Familienmitglieder näht, ist froh über den Nachschub. „Der einzige Fachhändler in der Innenstadt hat derzeit seinen Laden geschlossen“, sagt sie. „Und im Internet werden horrende Preis verlangt, teilweise 13 Euro pro Packung.“

Im Hausflur und im Auto stehen die Kartons mit der Ware.

Im Hausflur und im Auto stehen die Kartons mit der Ware. © Michael Klein

Auch Uwe Gwiasda könnte „Corona-Preise“ nehmen. Macht er aber nicht. Im Gegenteil. „Ich nehme jetzt sogar weniger als auf den Märkten“, sagt er. „Ich habe ja keine Fahrtkosten und möchte niemanden ausnutzen.“ Wäre auch schlecht für das Nach-Corona-Wochenmarkt-Geschäft. „Dann will ich natürlich zufriedene und keine verärgerten Kunden begrüßen dürfen.“

Geschäft komplett verhagelt

Die Corona-Krise hat dem Dorstener das Geschäft komplett verhagelt. Seit fast 30 Jahren steht er jeden Samstag auf dem Dorstener Wochenmarkt, dort und auf den Märkten in Marl und in Voerde bietet er Garne, Gummilitzen, Nadeln, Reißverschlüsse oder Gurtbänder feil. Damit ist derzeit Schluss.

Noch schlimmer ist es für ihn, dass jetzt und in den nächsten Monaten auch all die traditionellen Krammärkte ausfallen, die der Dorstener in ganz Deutschland mit seinem Stand bestückt. „Dadurch bricht meine Haupteinnahmequelle weg.“ An Christi Himmelfahrt beispielsweise verkauft er jedes Jahr auf dem Prozessionsmarkt „Gymnicher Ritt“ in Erftstadt. „Da sind immer zehntausende an Besuchern.“

Nebenjob: Security-Mann

Da das Handelsgeschäft gezwungenermaßen ruhen muss, hat Uwe Gwiasda einen anderen Brotjob angenommen. Er steht tagsüber als Security-Mann vor dem Globus-Baumarkt in Marl. „Ich passe auf, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig den Laden betreten und desinfiziere die Griffe der Einkaufswagen.“

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Ist der Holsterhausener dort im Einsatz, übernimmt Tochter Annabell den „Haustür-Verkauf“. Ihr größter Kunde in den letzten Tagen? „Eine Mitarbeiterin der Dorstener Arbeit hat gleich 100 Packungen abgeholt.“ Denn die Näherei der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft hat bis auf Weiteres auf die Herstellung von Mund-Nase-Masken umgestellt.

Telefonisch einen Termin ausmachen

Wer ebenfalls noch Gummi- oder Schrägbänder benötigt, kann mit Uwe Gwiasda (Tel. 0171/2010979) oder Annabell Gwiasda (Tel. 0172/4009159) einen Termin ausmachen. „Ich habe noch 150 Päckchen in sechs Millimeter Breite und 180 mit acht Millimetern“, so der Markthändler. 1200 Meter schmales Hutgummi könnte er auch noch besorgen. „Aber dann ist Schluss.“ Denn auch ein Kurzwarenhändler wie er bekommt keine Ware mehr - außer, er zahlt horrende Preise.

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