Viele Einzelhändler in Dorsten müssen schließen: Innenstadt wie leer gefegt

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Viele Geschäfte in Dorsten haben geschlossen, die Innenstadt bietet ein gespenstisches Bild. Die letzte Ware wird teilweise verschenkt. Ein Großhändler öffnet sein Lager für alle.

Dorsten

, 18.03.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sonne strahlt vom fast wolkenlosen Frühlingshimmel, ein Wetter, das zum Flanieren einlädt – normalerweise. An diesem Mittwochmittag ist die Dorstener Altstadt fast menschenleer. Bis auf einige wenige mussten die Geschäfte schließen.

Geöffnet bleiben: Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen. Restaurants und Gaststätten dürfen frühestens um 6 Uhr öffnen und müssen spätestens ab 15 Uhr schließen.

Gespenstisches Bild: Die menschenleere Fußgängerzone in der Dorstener Innenstadt am Mittwoch zur Mittagszeit.

Gespenstisches Bild: die menschenleere Fußgängerzone in der Dorstener Innenstadt am Mittwoch zur Mittagszeit. © Bianca Glöckner

Ein paar Imbissbuden, Restaurants und Cafés sowie Frisöre, Optiker und Lebensmittelläden haben am Mittwoch noch geöffnet. Auch bei Blumen Risse steht kurz vor 13 Uhr die Ladentür offen, vor dem Geschäft einige farbige Topfblumen. Am Vormittag hat das Team alle Schnittblumen verschenkt, jetzt können sich die wenigen Passanten auch noch die Topfblumen mitnehmen – gratis. Nur die Risse-Gartencenter dürfen geöffnet bleiben, dahin geht auch die Dorstener Ware, die sich länger hält und den Transport übersteht.

Die Gartencenter würden zurzeit von Kunden überrannt, sagt Verkäuferin Yvonne Terhorst. Vielleicht müssten die Mitarbeiter aus den Blumenläden demnächst dort aushelfen. Sie weiß es aber nicht so genau. Jetzt noch die letzten Handgriffe, aufräumen, Inventur machen. Dann schließt Verkäuferin Yvonne Terhorst auch den Laden ab

Frisörin sorgt sich um ihre Gesundheit

Im Frisörsalon „Marmaris“ fönen, färben und schneiden die Mitarbeiter derweil. Alles ganz dicht am Kunden. Frisörin Martina Sievers kann das nicht verstehen und ist sauer: „Wieso müssen wir offen halten. Das ist ungerecht. Hierher kommen sogar Leute, die krank sind. Mit Kindern, die offensichtlich erkältet sind oder einen grippalen Infekt haben. Das geht gar nicht!“

Sie und ihre Kollegen könnten sich nicht schützen. „Wir bekommen kein Desinfektionsmittel, keinen Mundschutz. Und mit Handschuhen kann man nicht ordentlich arbeiten, das habe ich schon probiert.“ Sievers macht sich Sorgen um ihre Gesundheit. „Ich gehe auch auf die 60 zu. Das ist doch zu gefährlich.“

Media Markt ist geschlossen. Auch das Einrichtungshaus Poco macht alle Filialen in Deutschland vorerst dicht.

Media Markt ist geschlossen. Auch das Einrichtungshaus Poco macht alle Filialen in Deutschland vorerst dicht. © Bianca Glöckner

Die Buchhandlung König und Parrenin will Bücher künftig selbst an Kunden liefern, wenn möglich per Rad oder zu Fuß, aber auch in die etwas weiter entfernten Stadtteile. Geschäftsführerin Cécile Parrenin plant außerdem Buchbesprechungen bei Facebook.

Wie Bürgermeister Tobias Stockhoff erklärt, werden Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes in den nächsten Tagen kontrollieren, ob die Händler sich an die Ordnungsverfügung halten. Am Mittwoch habe es Schwerpunkt-Überprüfungen in Holsterhausen und in der Innenstadt gegeben.

Zu 95 Prozent haben sich die Geschäftsinhaber von allein daran gehalten. Die anderen fünf Prozent haben es schließlich akzeptiert, dass sie schließen müssen. Ein Geschäft habe sich zunächst „gewehrt“, sodass Verstärkung angefordert werden musste. „Es war kein kleines Geschäft“, betont Stockhoff.

Großhändler öffnet Lager für alle

Es gibt aber auch Neueröffnungen, wenn man so will. Der Wulfener Großhändler Hüsken öffnet sein Lager an der Thüringer Straße 10-14 ab sofort von Montag bis Samstag von 9 bis 13 Uhr für alle, „um auch unseren Beitrag zur Versorgung mit Lebensmitteln, Hygieneprodukten und vielem mehr zu leisten“, wie das Unternehmen mitteilte.

Ralf Honsel begrüßt die Ausweitung der Öffnungszeiten durch den Gesetzgeber, wie er sagt. Lebensmittelgeschäfte, Apotheken oder Lieferdienste dürfen bis auf Weiteres an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr öffnen. Kommenden Sonntag bleiben Honsels Edeka-Märkte allerdings zu. „Wir sehen hier keine Notwendigkeit dazu und möchten unseren Mitarbeitern eine Pause gönnen“, so Honsel. Denn die hätten in den vergangenen Wochen „viele, viele Überstunden“ gemacht.

Mit den neuen Regelungen zu Geschäftsschließungen, Öffnungszeiten und Kontaktvermeidung hatten vor allem Händler und Unternehmer heute viele Fragen bei der städtischen Hotline. Auf der Seite der Dorstener Wirtschaftsförderung Windor gibt es viele Informationen, die fortlaufend aktualisiert werden, sowie Ansprechpartner für Anliegen: https://win-dor.de/corona/ . Außerdem wurde eine Hotline zu aktuellen Nöten, Hilfsangeboten (Wirtschaftsbeihilfen Kurzarbeitergeld etc.) eingerichtet, Tel. (02362) 663451.
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