Coronavirus: Firma gibt gratis ihre Schnittpläne für Schutzgerät frei

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Die Firma Rexin aus Dorsten kann dieses Schutzgerät nicht flächendeckend selbst produzieren. Um Krankenhäusern und Rettungskräften zu helfen, startet das Unternehmen eine schöne Aktion.

Dorsten

, 14.04.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tragbar und mobil ist es, und dank bruchfestem Polycarbonat sehr robust. „Mit diesem Produkt können sich Ärzte und Pflegekräfte gut vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus durch Beatmungs-Patienten schützen“, sagt Melanie Schwarz, Geschäftsführerin des Unternehmens „Rexin“.

„Wollen keinen Gewinn machen“

95 Euro kostet ein Exemplar des Schutzgerätes. Die Dorstener Firma stellt es her und bietet es zum Selbstkostenpreis an. „Wir wollen keinen Gewinn machen“, betont Geschäftsführerin Melanie Schwarz. „Sonden wir wollen in diesen schweren Zeiten helfen.“

Und deshalb hat sich die Geschäftsführung der seit einem Jahr auf dem Zechengelände Fürst Leopold ansässigen Kunststoffhandelsfirma zu einer ungewöhnlichen Aktion entschlossen.

Ein Prototyp der "Intubox" während der Testphase mit einer Puppe

Ein Prototyp der "Intubox" während der Testphase mit einer Puppe © Privat

„Wir haben den Schnittplan für die Intubationsboxen kostenlos online gestellt“, so Melanie Schwarz. Und zwar auf der Internetseite https://intubox.de „Für eine flächendeckende Ausstattung der Krankenhäuser fehlen uns nämlich die Ressourcen.“ Denn das Unternehmen, das vornehmlich Terrassendächer herstellt und vertreibt, hat derzeit trotz Coronakrise keine Umsatz- und Produktions-Einbrüche zu verzeichnen.

Nach weiteren Ideen gesucht

Das Dorstener Unternehmen hat bereits viele Spuckschutze für Supermarktkassen und Geschäftstheken produziert. „Im Zuge der Corona-Problematik haben wir nach weiteren Ideen und Produkten gesucht“, so die Geschäftsführerin.

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„Dabei sind wir auf ein amerikanisches Projekt aufmerksam geworden, das Ärzte beim Intubieren von Corona-Patienten vor einer Tröpfcheninfektion schützt.“ Und das mit der Fräsmaschine im Dorstener Rexin-Werk einfach herzustellen war.

In Taiwan entwickelt

Die Intubationsbox wurde ursprünglich in Taiwan von Dr. Hsien Yung Lai entwickelt und ist ein einfach herzustellendes und kostengünstiges Schutzgerät. In der Vorderseite der Box sind zwei Löcher ausgespart, für die Hände der Mediziner.

Die Hinterseite ist offen, dort hinein wird der Kopf des unter Narkose stehenden Patienten gebettet. „Der ansteckende Husten der Patienten kann so den Ärzten und Pflegekräften nichts anhaben.“

Vier „Intuboxen“ nach Bottrop

Vier „Intuboxen“ hat das Unternehmen bereits an die Intensivstationen der Bottroper Krankenhäuser gesponsert, so Melanie Schwarz. „Gerne würden wir auch zwei Boxen an das St. Elisabeth Krankenhaus in Dorsten spenden.“

Dr. med. Michael Nosch, Chefarzt am Marienhospital Bottrop, betonte jedenfalls bei der Übergabe: „Eine klasse Idee und eine große Hilfe. Und super, dass auch unsere kleinen Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge umgesetzt werden konnten.“

Die Intubox wird bereits in zwei Bottroper Krankenhäusern eingesetzt.

Die Intubox wird bereits in zwei Bottroper Krankenhäusern eingesetzt. © Privat

Alles Notwendige zum Bau der verbesserten Box hat Rexin inzwischen genau so wie das internationale Vorbild auf seiner Homepage frei zur Verfügung gestellt. Dadurch können andere kunststoffverarbeitende Firmen ohne großen Aufwand eigene Boxen produzieren.

Auf mehrere Schultern verteilen

Melanie Schwarz hofft, das Kunststoffverarbeiter, Baumärkte oder Werbetechniker Firmen mit CNC-Fräsen das nötige Material bereitstellen. „Dadurch werden die Kosten auf mehrere Schultern verteilt.“

Mehr als 1000 Mal sei ein Facebook-Post mit dem Aufruf (Facebook: Kunststoffhandel Rexin) inzwischen geteilt worden, so Melanie Schwarz: „Wir haben Anfragen von Intensivstationen aus ganz Deutschland und auch schon ein paar Firmen, die sich entschieden haben, ebenfalls zu helfen.“

Schmalere Variante

Im „Selber bauen“-Bereich auf der Homepage hat das Unternehmen zudem eine schmalere Variante mit nur 52 Zentimeter Breite hinterlegt, falls die 62er-Box für eine Liege zu breit ist. „Eine diese schmaleren Boxen ist derzeit auf einem Feuerwehr-Rettungswagen als Test im Einsatz.“

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