Enthemmung wächst - Dorstener kippen immer mehr Müll in die Landschaft

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Die Zahl wilder Müllkippen in Dorsten ist rasant gewachsen. Hausrat, Benzin- und Ölkanister oder Bauschutt werden im gesamten Stadtgebiet in die Landschaft gekübelt. Bürger sind empört.

Dorsten

, 17.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neulich in Hervest: Eine Anliegerin beobachtet einen Mann, wie der mit seinem Auto anhält. Er steigt aus, öffnet den Kofferraum und zieht seinen Sperrmüll heraus. Den wirft er trotz der Augenzeugin am Straßenrand weg. Angesprochen auf sein Tun, reagiert der Mann achselzuckend. Er steigt wieder ins Auto und fährt weg. Die Beobachterin hat den Fahrer bei der Stadt angezeigt. Denn das Entsorgen von Müll ist eine Ordnungswidrigkeit, kann sogar eine Straftat sein, wenn es sich um umweltgefährdende Stoffe handelt.

Wilde Müllentsorgung greift immer mehr um sich

Die Zahl wilder Müllentsorgung hat in Dorsten kräftig zugenommen. Wegwerfen von Müll in der Landschaft war vor Coronazeiten schon sichtbar vorhanden, ist aber jetzt mehr geworden, wie Antonius von Hebel, Leiter des Entsorgungsbetriebes Dorsten (EBD), auf unsere Anfrage sagt. „Die Menschen werfen uns ihren Müll vor die Tür“, so von Hebel. Abfallhaufen vor den Toren des Entsorgungsbetriebes, vor Grünschnittabfallsammelstellen oder vor den Türen städtischer Liegenschaften häuften sich. „Schätzungsweise haben diese wilden Müllkippen noch mal um 10 Prozent zugenommen“, sagt von Hebel.

Empörung bei umweltbewussten Bürgern

Empört reagieren auch die Eheleute Hoffrogge auf solch eine Müllkippe im Naturschutzgebiet Gälkenheide. „Mein Mann und ich waren entsetzt, als wir uns den Schauplatz angesehen haben! Es scheint so, als habe jemand seinen Keller entrümpelt und den Müll mal ganz schnell unweit des Entsorgungsbetriebes ins Naturschutzgebiet befördert“, sagt Maria Hoffrogge.

Der alte Schrank musste wohl weg: Eine Menge Hausrat liegt neben den Müllsäcken in der Gälkenheide.

Der alte Schrank musste wohl weg: Eine Menge Hausrat liegt neben den Müllsäcken in der Gälkenheide. © privat

Ob aus Langeweile, vorsätzlich, gleichgültig oder weil die Gelegenheit günstig erscheint: Dorstener, die wegen Corona gezwungen sind, mehr Zeit in ihrem häuslichen Umfeld zu verbringen, entrümpeln ihre Wohnungen, Keller, Dachböden und Garagen und sehen zu, wie sie ihnen lästige Gegenstände auf dem schnellsten Weg loswerden, haben die Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebes festgestellt.

Wenn Bürger wilde Müllkippen melden, rücken die Männer des Entsorgungsbetriebes umgehend aus, um die Hinterlassenschaften zu beseitigen. „Das machen wir, damit nicht noch weiterer Müll dazukommt“, so von Hebel. Eine wilde Müllkippe werde von Nachahmern als Einladung aufgefasst.

Verhalten ist nicht nachvollziehbar

Nachvollziehbar ist das Verhalten der Umweltsünder nicht. Denn der Entsorgungsbetrieb An der Wienbecke hat geöffnet, so dass jedermann in Dorsten seinen Müll ordnungsgemäß abliefern kann. Allerdings: „Angeliefert werden darf nur, wenn vorher telefonisch ein Termin vereinbart worden ist.“

Wilde Müllkippe in der Gälkenheide

Wilde Müllkippe in der Gälkenheide. © privat

Bis zu sieben Besucher pro Stunde kann der Wertstoffhof einlassen, um die Ansteckungsgefahr mit Corona zu verhindern. Die telefonischen Terminabsprachen wurden eingeführt, weil der Besuchervekehr Ende März überhand genommen hatte.

„Das läuft aber sehr gut“, sagt von Hebel. Sogar besser als zuvor: „So entspannt wie jetzt war es noch nie.“

Die Augenzeugin des Umweltfrevels in Hervest hat den Fahrer des Wagens übrigens angezeigt. Kommunaler Ordnungsdienst und Entsorgungsbetrieb gehen den Anzeigen nach.

Wer erwischt wird, zahlt einen hohen Preis

„Wird ein Bürger erwischt, der nur eine Handkarre voll Grasschnitt „entsorgt“, werden mindestens 50 Euro Strafe fällig, dazu kommen die Kosten für eine fachgerechte Reinigung der Entsorgungsstelle und die Gebühr beim Kompostierer - je nach Menge kann die Ordnungsbehörde dabei Strafen bis zu 1.000 Euro verhängen.“ Noch teurer wird’s bei umweltgefährdenden Stoffen. Hierbei handelt es sich um eine Straftat.

Anlieferung am Wertstoffhof nur nach Terminvereinbarung (incl. Grünabfälle) Tel.: (02362) 66-5631 Anlieferadressen für Grünschnitt und Gartenabfälle:
  • Firma Europa-Garten Risthaus, Endelner Feld 5, montags bis freitags 7 Uhr - 17 Uhr, samstags 7 Uhr – 14 Uhr
  • Firma Humbert, Wienbachstraße 14 - 23, montags bis freitags 7 Uhr - 15 Uhr, samstags 7.30 Uhr - 12.30 Uhr,
  • Stadtgärtnerei, Hasselbecke, montags bis freitags 8 Uhr - 14 Uhr, Entsorgungsbetrieb, An der Wienbecke 15, montags bis freitags 8 Uhr - 17.45 Uhr, samstags 8 Uhr - 13.45 Uhr

  • Jeder Bürger kann einmal jährlich seinen Sperrmüll kostenlos abholen lassen; eine zweite Abholung kostet eine kleine Gebühr. Termine für die Abholung können unter Tel. (02362) 66-5612 vereinbart werden.
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