Coronavirus: Lippeverband warnt vor Klopapier-Alternativen in der Toilette

Coronavirus

In Zeiten der Klopapier-Knappheit greifen viele zu Alternativen wie Küchenpapier oder Feuchttüchern - die sollten allerdings nicht in der Toilette entsorgt werden.

Dorsten

, 27.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Feuchttücher gehören - wie jede andere Alternative zum Toilettenpapier - in den Restmüll.

Feuchttücher gehören - wie jede andere Alternative zum Toilettenpapier - in den Restmüll. © picture alliance/dpa

Die massiv gestiegene Nachfrage nach Klopapier in Zeiten der Corona-Krise überfordert die Lieferketten im Handel. Weil unentwegt gehamstert wird, sind Supermarkt-Regale häufig leergeräumt. Das zwingt schon jetzt viele, auf Alternativen wie Küchenpapier, Feucht- oder Taschentücher umzusteigen.

Aber alles außer klassischem Toilettenpapier ist laut Lippeverband „ein großes Problem für Pumpwerke und Kläranlage“. Auch wenn auf den Verpackungen häufig stehe, die Stoffe seien wasserlöslich, würden sie sich im Gegensatz zum herkömmlichen Klopapier nicht kleinteilig genug auflösen. Dadurch können Pumpen lahmgelegt werden. Lippeverband-Mitarbeiter müssen die Stoffe dann per Hand aus den Pumpen entfernen. Bei einer verstopften Pumpe kann es einen Abwasser-Rückstau bis in den privaten Keller geben.

Extra-Kosten werden von allen getragen

Selbst wenn es die Stoffe bis zur Kläranlage schaffen, ohne eine Verstopfung auszulösen, müssen sie spätestens dort mit einer Harke aus dem Abwasser gefischt, gesammelt und verbrannt werden. Die Kosten seien nicht unerheblich, so der Lippeverband, „und sie werden von uns allen getragen - über den Abwasserpreis.“

Feuchttücher und Küchenpapier können zu Verzopfungen in den Motoren von Pumpwerken führen, dies kann wiederum unangenehme Folgen haben.

Feuchttücher und Küchenpapier können zu Verzopfungen in den Motoren von Pumpwerken führen, dies kann wiederum unangenehme Folgen haben. © Ilias Abawi/EGLV

Und die Situation könnte sich verschärfen. Der Lippeverband teilte am Freitag mit, man vermute, dass „sobald die Reserven an Toilettenpapier in den kommenden Tagen aufgebraucht sind, die Menschen zu Alternativen greifen und diese in der Toilette entsorgen“. Als Wasserwirtschaftsverband könne man sich nicht wirklich auf diese Situation vorbereiten, heißt es weiter. „Wir kontrollieren die Motoren und Pumpen nun noch häufiger.“

BVLH: Nachfrage für Klopapier um 700 Prozent gestiegen

Die Logistikkette bei Hygieneartikeln wie Klopapier funktioniert laut dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) anders als bei Lebensmitteln. Hygieneartikel werden in der Regel seltener nachbestellt, weil sie normalerweise auch weniger nachgefragt werden. Beim Toilettenpapier hat der BVLH von Februar auf März nun eine Steigerung von 700 Prozent ausgemacht, was jede Lieferkette überfordere. Erst nach und nach würden sich die Märkte erholen und an die hohe Nachfrage anpassen.

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Aber was tun, wenn wirklich kein Toilettenpapier mehr im Haus ist? „Letztendlich kann man nehmen, was immer man möchte“, rät der Lipperverband. „Wichtig ist, dass man die Alternative keinesfalls über die Toilette, sondern im Restmüll entsorgt.“ Auch Medikamente haben nichts in der Toilette zu suchen. Sie können von den Kläranlagen nicht vollständig aus dem Wasser gefiltert werden und gelangen so in Bäche, Flüsse und Seen.

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